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"Ich bin nicht panisch" Prozess gegen Boris Becker eröffnet

Im schlimmsten Fall drohen Boris Becker sieben Jahre Haft. Doch der ehemalige Wimbledon-Sieger ist zuversichtlich, dass der nun im Kontext seiner Insolvenz in London eröffnete Prozess gegen ihn glimpflich enden wird. Seine Ex Lilly hat indes ein "unwohles Gefühl".

In London hat der Strafprozess gegen den früheren Tennisstar Boris Becker begonnen. Der 54-Jährige muss sich wegen verschiedener Vorwürfe im Zusammenhang mit seinem Insolvenzverfahren verantworten.

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Becker erschien in weiblicher Begleitung.

(Foto: picture alliance/dpa/PA Wire)

Zum Prozessauftakt am Southwark Crown Court erschien der dreimalige Wimbledon-Sieger persönlich. Begleitet wurde er von seiner Partnerin, die ihm beim Betreten des Gerichtsgebäudes die Hand hielt.

Zu Beginn der Verhandlung wurde zunächst die Jury eingeschworen. Unklar war, ob der Prozess wegen der Covid-Erkrankung eines Zeugen vertagt werden sollte. Bei ihm handelt es sich um Insolvenzverwalter Mark Ford, den wichtigsten Zeugen der Anklage. Er leide unter Kopfschmerzen, fühle sich benommen und müde, sagte der Staatsanwalt. Die Verteidigung plädierte dafür, den Zeitplan dennoch beizubehalten, da nicht klar sei, wann Ford letztlich vor Gericht auftreten könne. Das Gericht zog sich deswegen bereits nach einigen Minuten zur Beratung zurück.

Während die Jury eingeschworen wurde, stand Becker aufrecht in einem gläsernen Kasten und betrachtete die Geschworenen aufmerksam. Anschließend hörte er der Verlesung der Anklageschrift zu.

In den mehr als 20 Anklagepunkten geht es unter anderem darum, dass Becker versucht haben soll, Geld und Wertgegenstände, etwa Trophäen, sowie Immobilien dem Zugriff des Insolvenzverwalters zu entziehen. Becker streitet das ab. Ihm könnten theoretisch bis zu sieben Jahre Haft drohen. Für den Prozess sind bis zu drei Wochen angesetzt.

Regungslos im Glaskasten

Als Richterin steht Deborah Taylor einer für das angelsächsische Rechtssystem typischen Geschworenenjury vor. Taylor machte sich in der Vergangenheit vor allem aufgrund ihres harten Urteils gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange einen Namen, den sie wegen Verstößen gegen Kautionsauflagen zu 50 Wochen Haft verurteilt hatte.

Becker nahm zu Prozessbeginn regungslos in dem Glaskasten Platz. Nur eine Gerichtsmitarbeiterin und eine Übersetzerin leisteten ihm Gesellschaft. Auf dem Boden neben ihm lagen einige lose Blätter Papier, ein Kugelschreiber und eine Wasserflasche. Hinter ihm hatte sich gut ein Dutzend Journalistinnen und Journalisten auf den Zuschauerrängen versammelt.

Becker war 2017 von einem Gericht in London für zahlungsunfähig erklärt worden. Obwohl eine Privatinsolvenz in England in der Regel innerhalb von zwölf Monaten abgeschlossen werden kann, dauert das Verfahren seitdem an. Verschiedene Auflagen gegen Becker wurden sogar auf eine Dauer von zwölf Jahren verlängert.

Boris Becker ist optimistisch

Kurz vor Prozessbeginn hatte sich Beckers Ex-Frau Lilly zu Wort gemeldet. Der "Bild-Zeitung sagte sie, es sei schwer, den Vater ihres Sohnes in einer solchen Situation zu sehen. "Ich blicke mit einem unwohlen Gefühl auf den Prozessbeginn", sagte die 45-Jährige. Sie wünsche ihrem Ex, dass ein gerechtes Urteil gesprochen werde.

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Becker selbst hatte sich in der Vergangenheit immer mal wieder über seine finanzielle Situation und auch zu seinen Prozessen geäußert, ohne dabei - nachvollziehbarerweise - zu sehr ins Detail zu gehen. Zwei ausführlichere Interviews zu dem Thema gab er der "Bild am Sonntag". So sagte er bereits im Oktober 2020 zu dem anstehenden Prozess unter anderem: "Ich bin optimistisch und guter Dinge. Ich werde diesen Kampf angehen, wie ich auch früher an jedes große Match herangegangen bin."

Im Februar 2022 fügte Becker hinzu, dass er an das Gute glaube und wegen des Prozesses keine schlaflosen Nächte habe: "Habe ich großen Respekt davor? Ja. Bin ich angespannt? Ja. Bin ich manchmal auch nervös? Ja. Aber ich bin nicht panisch."

Quelle: ntv.de, vpr/dpa/spot

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