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Mehrere Konzerte in Deutschland R. Kelly singt trotz Missbrauchsvorwürfen

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Bald auf kleiner Deutschland-Tour: R. Kelly

(Foto: picture alliance/dpa)

Er soll der Anführer eines "Sex-Kults" sein, Frauen und Kinder sexuell missbraucht, misshandelt und angepinkelt haben - die Vorwürfe gegen R. Kelly werden immer lauter. Kein Wunder, dass die Karriere des Sängers vorbei ist. Zumindest in den USA. Auf seine deutschen Fans dagegen ist noch Verlass.

Einst war er der erfolgreichste R&B-Künstler der Welt. Mittlerweile entwickelt sich R. Kelly auf US-amerikanischen Bühnen zur Persona non grata. Spätestens seit der erschienenen Doku-Serie "Surviving R. Kelly" über den Skandal-Sänger haben sich die meisten seiner Fans von ihm abgewendet und wollen seine Karriere nicht weiter unterstützen. Doch wo sich eine Tür schließt, öffnet sich bekanntlich schon gleich eine andere - und die steht nun sperrangelweit geöffnet in Richtung Deutschland.

Wie das Promiportal "TMZ" berichtet, finden seine Fans hierzulande noch Gefallen an Kelly. Im kommenden April wird er nicht nur in Ludwigsburg, sondern auch in Hamburg auftreten. Ein weiteres Konzert soll in Oberhausen geplant sein. Zurzeit kosten die Tickets noch 115 Dollar (100 Euro); für 200 Dollar extra gibt es noch ein Meet and Greet oben drauf.

Das Pikante daran: Die Tickets sind erst seit wenigen Tagen - nach Ausstrahlung der Doku - zu kaufen. Darin werden die zahlreichen Vorwürfe gegen den 52-Jährigen aufgearbeitet, die bereits seit Jahrzehnten im Umlauf sind, bisher jedoch nur wenige Konsequenzen hatten. Auch Freunde, Verwandte und Berufskollegen äußern sich zu Kelly. In den USA war "Surviving R. Kelly" nur noch das i-Tüpfelchen, um endgültig mit ihm abzuschließen.

"Beobachten die Situation genau"

Dem Musiker werden seit mehr als 20 Jahren sexuelle Übergriffe auf Frauen und Kinder vorgeworfen. Einige von ihnen soll er angepinkelt, missbraucht, im Rahmen eines "Sex-Kults" als Sklavinnen gehalten und anderweitig gedemütigt haben. Für Kinderpornographie in Dutzenden Fällen stand er vor Gericht, wurde jedoch freigesprochen. Eine illegale Ehe mit der damals 15-jährigen Sängerin Aaliyah (Kelly war zu dem Zeitpunkt 27) wurde annuliert. Seine zweite Ehefrau, mit der er drei Kinder hat, wirft ihm Misshandlung vor. Grund genug für Lady Gaga, sich öffentlich für ihre Zusammenarbeit mit ihm zu entschuldigen und für Staatsanwaltschaften, mehrere Missbrauchsvorwürfe zu prüfen.

Zwar wehrt sich Kelly seit Jahren - bisher erfolgreich - gegen die Vorwürfe und Anklagen, sein Ruf wurde in den USA durch die anhaltenden Skandale jedoch in Mitleidenschaft gezogen. Das Interesse an dem einstigen Star, der im Jahr 1998 mit dem Hit "I believe I can fly" sämtliche Herzen zum Schmelzen brachte, ist in seinem Heimatland verhalten, seit BuzzFeed im Jahr 2017 Berichte über den angeblichen Sex-Kult veröffentlichte, in denen Kelly eine führende Rolle spielen soll. Ticketverkäufe brachen ein, alle Konzerte wurden gestrichen.

In Deutschland hat man scheinbar trotzdem noch nicht genug von dem "Serienvergewaltiger", wie Sänger John Legend den ehemaligen Star in der Doku nennt. Zwar seien sich die Promoter hierzulande im Klaren, was derzeit in den Vereinigten Staaten passiere, aber "Sie können sicher sein, dass wir die Situation genau beobachten und - wenn nötig - auch dementsprechend handeln werden", zitiert "TMZ" einen Sprecher des Veranstaltungsortes in Ludwigsburg. Bisher scheint das Maß also noch nicht voll.

Quelle: n-tv.de, lri

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