Unterhaltung

Besetzungscouch? Nicht bei mir! Schweiger mischt in Missbrauchsdebatte mit

95732360.jpg

"Bei mir hat noch keine Schauspielerin eine Rolle bekommen, weil sie mit mir ins Bett gegangen ist": Til Schweiger.

(Foto: picture alliance / Axel Heimken/)

Er nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Und als erfolgreicher Filmemacher hat Til Schweiger natürlich auch zur aktuellen Diskussion um sexuelle Übergriffe in der Showbranche eine Meinung. Schließlich schwappt die Debatte längst auch von den USA nach Deutschland.

Bei Kritikern mögen seine Filme nicht immer auf Wohlwollen stoßen. Doch beim Publikum kommen sie an. Knapp 30 Jahre mischt Til Schweiger nun schon erfolgreich bei Film und Fernsehen mit. Da hat er zum aktuellen Top-Thema der Branche, den Missbrauchsskandalen und -vorwürfen, natürlich auch eine klare Meinung: Machtmissbrauch durch Produzenten und Regisseure dürfe weder moralisch noch rechtlich verjähren, fordert er im Interview mit dem Magazin "Gala".

Ein besonders "unfassbares" Beispiel stelle für ihn der Fall Roman Polanski dar, erklärt er in dem Gespräch. Vor ein paar Jahren habe er von der deutschen Filmakademie einen Amnestie-Aufruf für den französisch-polnischen Kollegen bekommen, erinnert sich Schweiger. "Den habe ich natürlich nicht unterschrieben. Ich fand es einfach nur unfassbar, dass sich eine ganze Akademie für Polanski zusammenschließt."

"Einfach nur empathielos"

Seine Haltung erklärt der Filmemacher so: "Ein Mann, der ein dreizehnjähriges Mädchen unter Drogen gesetzt und missbraucht hat und nur deswegen nicht bestraft wurde, weil er das Land verlassen hat. Und das soll ihm verziehen werden, weil er so ein großartiger Künstler ist? Das ist einfach nur empathielos." Polanski floh in den 70er-Jahren aus den USA, wo ihm die Vergewaltigung einer Minderjährigen vorgeworfen wurde, nach Europa und entzieht sich bis heute einem Prozess. Er müsse für seine Taten jedoch bestraft werden, fordert Schweiger, der selbst Vater von drei Töchtern ist: Luna (20), Lilli (19) und Emma (15).

Und auch beim Thema Besetzungscouch gibt sich Schweiger streng: "Bei mir hat noch keine Schauspielerin eine Rolle bekommen, weil sie mit mir ins Bett gegangen ist. Der einzige Grund, weshalb eine Person in meinen Filmen mitspielt, ist, weil sie perfekt für die Rolle ist", sagt er über die Castings für seine Filme.

Über den Regisseur Dieter Wedel, der sich aktuell mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert sieht, sagt Schweiger schließlich: "Natürlich habe ich Geschichten darüber gehört, was Dieter Wedel am Set für ein Schreckensregime führt, wie er Mitarbeiter vor versammelter Mannschaft niedermacht und wie er seine Macht ausnützt." Dass Wedel jemanden vergewaltigt haben soll, habe er aber noch nicht gehört, was aber für ihn nicht bedeute, "dass es das nicht gegeben hat".

Quelle: n-tv.de, vpr/spot

Mehr zum Thema