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Filme in Zeiten der Apokalypse So wird die Berlinale

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HANDOUT - Patricia Clarkson (l) und Bruno Ganz in einer Szene des Films «The Party» (undatierte Aufnahme). Der Film von Sally Potter läuft im Wettbewerb der Berlinale 2017. ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Berlinale 2017 bis zum 15.03.2017 und nur mit Urhebernennung Foto: --/Adventure Pictures Limited 2017 /Berlinale/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Patricia Clarkson und Bruno Ganz in "The Party" - was haben wir uns amüsiert.

(Foto: dpa)

Die Berlinale startet, endlich wieder Glamour in der Hauptstadt. In diesem Jahr allerdings haben Botschaften Vorrang vor Stars. Dabei geht es nicht zuletzt um die "alltägliche Apokalypse" - und wie man ihr entkommen kann.

Der Weltuntergang kann durchaus Witz haben - zumindest bei der 67. Berlinale, die am Donnerstag eröffnet wird. Viele Filmemacher beschrieben "die alltägliche Apokalypse", dies jedoch mit Humor "und nicht ohne Ausweg", kündigte Direktor Dieter Kosslick an - und versprach ein Programm mit Mut und Zuversicht.

Eine Art cineastischen Widerstandskampf also. Das sieht im Wettbewerb zum Beispiel so aus: Alex de la Iglesia zeigt mit "El Bar" Menschen in Terrorangst - verpackt als schwarze Komödie. Der Japaner Sabu mixt seinen Gangsterfilm "Mr. Long" mit Slapstick, das harte Überleben im Süden Chinas wird mit "Have a Nice Day" als Animationsfilm präsentiert. Und der österreichische Kabarettist und Schauspieler Josef Hader schickt in seinem Regiedebüt "Wilde Maus" einen gefeuerten Musikjournalisten auf einen skurrilen Rachefeldzug.

Außerdem im Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären, um die 18 von 24 Filmen konkurrieren, sind auch Themen wie die Wirtschaftskrise in Portugal ("Colo"), Trostlosigkeit in Kinshasa ("Felicité"), Grausamkeit in der polnischen Provinz ("Pokot"), Unterdrückung im Brasilien des 18. Jahrhunderts ("Joaquim"), ein syrischer Flüchtling in Helsinki ("Die andere Seite der Hoffnung" von Aki Kaurismäki).

HANDOUT - Steve Coogan (l) und Laura Linney in einer Szene des Films «The Dinner» (undatierte Aufnahme). Der Film von Oren Moverman läuft im Wettbewerb der Berlinale 2017. ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Berlinale 2017 bis zum 15.03.2017 und nur mit Urhebernennung Foto: --/Tesuco Holdings Ltd/dpa/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Steve Coogan und Laura Linney in "Das Dinner".

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Mit einigen Ausnahmen - etwa "The Dinner" mit Richard Gere und Laura Linney oder Sally Potters "The Party" mit Patricia Clarkson - macht Prominenz Platz für Politisches, Soziales, Gesellschaftskritisches.  

Der Actionfilm "Logan" mit Hugh Jackman läuft außer Konkurrenz, ebenso Danny Boyles "T2 Trainspotting", "Ein Kuss von Béatrice" mit Catherine Deneuve oder "Final Portrait" über den Künstler Alberto Giacometti mit Oscar-Preisträger Geoffrey Rush. "The Queen of Spain" mit Penelope Cruz, Sally Hawkins' "Maudie" mit Ethan Hawke, Raoul Pecks "Der junge Karl Marx" mit August Diehl oder das Amazonas-Abenteuer "Die versunkene Stadt Z" mit Sienna Miller und Robert Pattinson sind im Berlinale Special zu finden.

HANDOUT - Die Schauspieler Reda Kateb (l, als Django Reinhardt) und Cecile de France in einer Szene des Films «Django». Der französische Debütfilm von Etienne Comar wird am 09.02.2017 die 67. Berlinale eröffnen. ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Berlinale 2017 bis zum 15.03.2017 und nur mit Urhebernennung Foto: Roger Arpajou/Berlinale/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Reda Kateb und Cecile de France in "Django".

(Foto: dpa)

Dass der Glamour-Faktor in diesem Jahr Luft nach oben hat, zeigt schon der Eröffnungsfilm: "Django" ist das Debüt von Étienne Comar und erzählt von dem Sinti-Gitarristen Django Reinhardt und dessen Flucht vor den Nazis. Spannende Figur, spannende Geschichte - aber kurz zur Erinnerung: 2016 posierten die Coen-Brüder mit der Hollywoodkomödie "Hail, Caesar!" und George Clooney und Channing Tatum zum Auftakt vor dem Berlinale-Palast.   

Deutsche Filmindustrie kann sich feiern

Zwar werden auf dem roten Teppich unter anderem Penelope Cruz, Catherine Deneuve, Geoffrey Rush, Tilda Swinton,  Richard Gere, Laura Linney, Danny Boyle, Sam Riley, Kristin Scott Thomas, Sienna Miller und Robert Pattinson erwartet. Das Kreischen um den "Twilight"-Darsteller dürfte inzwischen jedoch deutlich leiser ausfallen, Stammgäste wie Swinton sieht der Berlinale-Fan jedes Jahr - und eine Jury-Präsidentin wie Meryl Streep im Vorjahr ist kaum zu übertreffen.

Hollywood-Regisseur Verhoeven faszinieren vor allem starke Frauen und Jesus von Nazareth.

Der holländische "Skandal"-Regisseur Paul Verhoeven ist Chef der Berlinale-Jury.

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Dem wichtigsten Gremium sitzt in diesem Jahr der niederländische Filmemacher Paul Verhoeven ("Robocop"“, "Elle") vor. An seiner Seite: die Schauspieler Maggy Gyllenhaal, Diego Luna und Julia Jentsch, der chinesische Regisseur Wang Quan'an, die tunesische Produzentin Dora Bouchoucha Fourati und der isländische Künstler Olafur Eliasson - der bei der Berlinale auch ein Kochbuch mit Gerichten aus der Küche seines Studios vorstellen wird.

HANDOUT - Stellan Skarsgard (l) und Nina Hoss in einer Szene des Films «Rückkehr nach Montauk» ("Return to Montauk", undatierte Aufnahme). Der Film von Volker Schlöndorff läuft im Wettbewerb der Berlinale 2017. ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Berlinale 2017 bis zum 15.03.2017 und nur mit Urhebernennung Foto: Franziska Strauss/Wild Bunch Germany/Berlinale/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Stellan Skarsgard und Nina Hoss in "Rückkehr nach Montauk".

(Foto: dpa)

Die hiesige Filmindustrie kann sich auf die Schulter klopfen: Drei deutsche Filme schafften es in den Wettbewerb  - Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff zeigt das Drama "Rückkehr nach Montauk" mit Nina Hoss und Stellan Skarsgard, Andres Veiel den Dokumentarfilm "Beuys" und Thomas Arslan "Helle Nächte" über einen Vater-Sohn-Trip nach Norwegen. Im Berlinale Special ist Moritz Bleibtreu in "Es war einmal in Deutschland …" als Holocaust-Überlebender zu sehen. Matti Geschonneck stellt dort die DDR-Familienchronik "In Zeiten des abnehmenden Lichts" vor. Im Panorama läuft der Horrorthriller "Berlin Syndrome", in dem Max Riemelt einen Lehrer spielt, der eine australische Touristin gefangen hält.

Das Bären-Rennen könnte unterdessen deutlich spannender werden als in den vergangenen  Jahren. 2016 war vorhersehbar, dass die goldene Trophäe an die Lampedusa-Flüchtlingsdoku "Seefeuer" gehen würde. Fast ebenso klar war 2015, dass "Taxi Teheran" des mit einem Berufsverbot sanktionierten Iraners Jafar Panahi als Gewinnerfilm vorgemerkt war. Der diesjährige Wettbewerb dagegen könnte bis zur Preisgala am 18. Februar mal wieder voller Überraschungen stecken. Und auch abseits des Wettbewerbsspektakels gibt es Interessantes zu entdecken: In der Sektion Berlinale Shorts ist mit "Everything" von David O’Reilly beispielsweise erstmals in der Geschichte des Festivals ein Computerspiel vertreten.

Quelle: n-tv.de

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