Solidarität nur mit Fernandes Stuckrad-Barre beendet Freundschaft mit Christian Ulmen

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Christian Ulmen geht der Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre auf Distanz. Die beiden seien lange befreundet gewesen, "bis zum vergangenen Donnerstag".
Benjamin von Stuckrad-Barre distanziert sich von Christian Ulmen. Auf Instagram hat der 51-jährige Schriftsteller eine Stellungnahme zu den Vorwürfen veröffentlicht, die Moderatorin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann erhebt. "Wenn das alles noch etwas unsortiert klingt, bitte ich, mir das nachzusehen. Besser kann ich es gerade noch nicht formulieren", beendet Stuckrad-Barre seine Ausführungen. "Zumindest anfangen damit aber wollte ich jetzt mal, öffentlich, gerade weil Christian mein Freund war, bis zum vergangenen Donnerstag."
Laut dem Beitrag hat Stuckrad-Barre am Donnerstagnachmittag die Titelgeschichte des "Spiegel" gelesen. Darin erhebt Fernandes den Vorwurf der "virtuellen Vergewaltigung" gegen ihren Ex-Partner. Sie hat Ulmen angezeigt, weil er jahrelang Fake-Accounts in ihrem Namen erstellt haben soll. Über diese Accounts soll er gefälschte Nacktbilder und KI-generierte Sexvideos seiner früheren Ehefrau verbreitet haben.
Wie viele andere Menschen habe der Artikel ihn "völlig unerwartet" getroffen, schreibt Stuckrad-Barre bei Instagram. Er befinde sich "in einer Art Schockzustand und noch immer weit davon entfernt, das alles zu begreifen".
Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt nennt die "Spiegel"-Berichterstattung rechtswidrig. Es handele sich "in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung". Zudem würden "unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet".
Vorwürfe sind "einfach nur fürchterlich"
"Die Vorwürfe, die Collien Fernandes dort gegen ihren früheren Ehemann Christian Ulmen erhebt, sind einfach nur fürchterlich", schreibt der Schriftsteller weiter. Er und Ulmen würden sich seit bald 30 Jahren kennen. Bisher habe er die Verbindung als "eine enge Freundschaft betrachtet, auch wenn wir uns mitunter jahrelang weder gesprochen noch gesehen haben". Er habe gedacht, den Schauspieler "recht gut zu kennen".
Die Schilderungen Fernandes' lösten bei ihm "auf mehreren Ebenen eine immense Erschütterung" aus. "Digitale sexualisierte Gewalt ist Gewalt. Und bei Gewalt endet alles, wirklich alles", schreib der Schriftsteller. Allein der Moderatorin gelte seine Solidarität. "Es fällt mir sehr schwer, leicht ist nichts daran, aber es ist simpel: Ich muss mich hier ganz klar von meinem Freund Christian distanzieren, muss das deutlich benennen, weil Schweigen nicht ganz zu Unrecht aufgefasst werden könnte als Billigung."
In einem Instagram-Beitrag und im Gespräch mit der ARD hatte Fernandes kürzlich eine Dunkelfeldstudie des BKA angesprochen. "Also ungefähr fünf Prozent der Fälle von häuslicher Gewalt werden zur Anzeige gebracht. Bei digitaler Gewalt sind es 2,4 Prozent. Und alle Juristen und Juristinnen, mit denen ich gesprochen habe, berichten mir davon, dass die Anzeigen fallen gelassen werden, dass den Opfern nicht geholfen wird", sagte sie den "Tagesthemen". Sie habe das Gefühl, "dass wir hier etwas im System haben, das nicht funktioniert" und dass "Deutschland ein absolutes Täterparadies" sei.
"Nicht nur irgendwelche düsteren Gestalten"
Benjamin von Stuckrad-Barre nimmt in seinem Instagram-Beitrag Männer in die Pflicht, "festzustellen, anzuerkennen und zu verurteilen, dass die allermeisten Gewalttaten gegenüber Frauen innerhalb von Beziehungen stattfinden. Und dass die Täter eben nicht nur irgendwelche düsteren Gestalten aus Statistiken sind, sondern dass darunter auch Menschen sind, die wir bewundern oder lieben." Männer müssten "gegenüber Gewalt und gewaltvollem Verhalten" deutlich aufmerksamer werden, dieses verhindern und Täter nicht beschützen.
In dem angesprochenen Bericht des "Spiegel" wurde geschrieben, dass von Fernandes Ende 2025 in Spanien Anzeige gegen Ulmen erstattet worden sei. Das Gericht habe demzufolge angeblich "sogenannte Vorermittlungen eingeleitet". Ob eine Anklage erhoben oder das Verfahren eingestellt werde, sei momentan offen.