"Sie stand unter Schock"Vater eines mutmaßlichen Høiby-Opfers äußert "Wut"

Der Prozess gegen Kronprinzessin Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby geht in die dritte Woche. Für Emotionen im Gerichtssaal sorgt der Vater eines mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers.
Marius Borg Høiby gerät im Strafprozess gegen ihn durch belastende Zeugenaussagen verstärkt unter Druck. Am neunten Verhandlungstag hat sich das Gericht erneut auf die dritte ihm vorgeworfene Vergewaltigung konzentriert. Ein Ermittler erläuterte die technischen Spuren auf Høibys Smartphone. Auch ein Schlafforscher belastete den Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit erneut. Der Vater des mutmaßlich dritten Vergewaltigungsopfers sorgte zudem mit seiner emotionalen Aussage für Aufsehen.
Der Mann schilderte, wie seine Tochter erst bei einer Polizeibefragung auf Basis von Videoaufnahmen von Høibys mutmaßlicher Tat erfuhr und ihm anschließend bei einem Telefonat davon berichtete: "Sie stand unter Schock." Sie habe ihm erzählt, dass etwas vorgefallen sei, was sie sich in ihren schlimmsten Träumen nicht ausgemalt habe. Nach dem Gespräch habe er gegenüber dem Angeklagten "große Wut" empfunden. Er habe nie an der Aussage seiner Tochter gezweifelt, betonte er.
Laut der norwegischen Zeitung "Verdens Gang" (VG) erklärte der Mann weiter: "Ich bin Vater. Wenn Marius einmal Vater wird, wird er sicherlich dasselbe für seine Kinder empfinden." Wie die "Bild"-Zeitung schilderte, soll der Mann während seiner Äußerungen immer wieder Høiby angesehen haben. Dieser kritzelte jedoch die meiste Zeit in seinem Notizblock.
Eine Freundin der Frau erklärte, der Sohn der Kronprinzessin habe in der besagten Nacht nicht nur Alkohol getrunken, sondern auch unter Drogeneinfluss gestanden: "Er hatte stark gerötete Augen und war ziemlich benebelt." Høiby habe vermutlich Ketamin genommen. Auf der Toilette will sie dann beobachtet haben, wie er auch Kokain konsumierte. Laut "Bild"-Bericht soll der Angeklagte ihr an den Po gefasst haben, als sie auf seinem Schoß gesessen habe: "Aber ich wollte keine Szene daraus machen und lieber schnell aus der Situation herauskommen." Sie habe sich vor seiner Reaktion gefürchtet - "immerhin stand er unter Alkoholeinfluss".
Høiby wollte Videos verstecken
Zuvor hatte am Dienstagvormittag als erster Zeuge der Ermittler Stig Berg ausgesagt. Er erläuterte, dass Høiby am 24. März 2024 um 10.02 Uhr die Verschlüsselungsapp "Private Photo Vault" gekauft habe - rund zwei Stunden nach der mutmaßlichen Vergewaltigung. Damit habe er Foto- und Videomaterial auf seinem Smartphone verstecken wollen. Zum Zeitpunkt der Beweisaufnahme habe die App acht relevante Fotos und Videos enthalten sowie auch einen Screenshot des Snapchat-Benutzernamens des mutmaßlichen Opfers.
Danach wurde erneut der Schlafexperte Dr. Ståle Pallesen befragt. Er hat die Videos analysiert, die auf dem Handy des 29-Jährigen gefunden wurden. Das mutmaßliche Opfer soll auf den Aufnahmen vom 24. März 2024 "unbeweglich" wirken. Die Frau hatte zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Tat Alkohol sowie Schlafmittel intus. Dr. Pallesen erklärte, was diese Kombination bewirkt: "Je höher die Alkoholdosis, desto schneller fällt man in den Tiefschlaf." "Aufgrund ihrer Schläfrigkeit war sie nicht in der Lage zu verstehen, was geschah, und konnte sich daher auch nicht gegen die Aktion wehren", zitiert "VG" den Schlafexperten.
Der Prozess gegen Marius Borg Høiby hat am 3. Februar in Oslo begonnen. Insgesamt umfasst die Anklage 38 Punkte, darunter vier Vorwürfe der Vergewaltigung nach norwegischem Recht. In drei Fällen soll es zu sexuellen Handlungen ohne Geschlechtsverkehr gekommen sein, in einem Fall zu Geschlechtsverkehr. Sämtliche mutmaßlichen Taten sollen sich laut Staatsanwaltschaft im Anschluss an zunächst einvernehmliche sexuelle Kontakte ereignet haben - meist nach starkem Alkoholkonsum, bei dem die betroffenen Frauen nicht mehr in der Lage gewesen sein sollen, sich zu wehren.