Heimliche VideoaufnahmenÜberführt eine App Marius Borg Høiby?

Die Vorwürfe gegen Marius Borg Høiby wiegen schwer. Er soll Frauen nicht nur vergewaltigt, sondern sie auch heimlich gefilmt haben. Dass er die Aufnahmen wohl in einer gesicherten App verstecken wollte, passt nicht zu seiner Aussage, er könne sich an sie nicht erinnern.
Der Strafprozess gegen Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby findet seit zehn Tagen vor Gericht in Oslo statt - und er wird sich aller Voraussicht nach noch einen Monat lang hinziehen. Norwegischen Medienberichten zufolge könnte in dem Verfahren eine auf den ersten Blick unscheinbare App in den Fokus geraten. Der 29-Jährige soll sie zu einem sehr auffälligen Zeitpunkt erworben haben.
Namentlich handelt es sich laut den Berichten um eine App namens "PhotoVault", übersetzt also in etwa "Foto-Tresorraum". Mit einem solchen Programm lassen sich Video- oder Fotoaufnahmen hinter einem zusätzlichen PIN-, Passwort- oder Fingerabdruck-Schutz verbergen.
Høiby soll ein einjähriges Premium-Abo für die Applikation abgeschlossen haben - und das ausgerechnet an dem Tag, an dem er eines seiner mutmaßlichen Opfer vergewaltigt und ohne dessen Wissen gefilmt haben soll.
Der zeitliche Rahmen des Abo-Abschlusses lege für die Strafverfolger nahe, dass Høiby sich seiner Taten sehr wohl bewusst gewesen sei, heißt es. So erfolgte der Kauf laut Staatsanwalt Sturla Henriksbø weniger als zwei Stunden, nachdem der Sohn der norwegischen Kronprinzessin Videos angefertigt hatte. Alle fünf Aufnahmen habe er daraufhin in die App verschoben. Diese Handlung stehe im krassen Gegensatz zu Høibys Behauptung, er könne sich aufgrund von exzessivem Drogen- und Alkoholkonsum nicht einmal daran erinnern, besagte Videos aufgenommen zu haben.
Vier Vorwürfe der Vergewaltigung
Der mutmaßliche Übergriff auf den Lofoten gilt als zentraler und schwerster Anklagepunkt im gesamten Verfahren und prägte die zweite Verhandlungswoche. Insgesamt umfasst die Anklage 38 Punkte, darunter vier Vorwürfe der Vergewaltigung nach norwegischem Recht. In drei Fällen soll es zu sexuellen Handlungen ohne Geschlechtsverkehr gekommen sein, in einem Fall zu Geschlechtsverkehr.
Sämtliche mutmaßlichen Taten sollen sich laut Staatsanwaltschaft im Anschluss an zunächst einvernehmliche sexuelle Kontakte ereignet haben - meist nach starkem Alkoholkonsum, bei dem die betroffenen Frauen nicht mehr in der Lage gewesen sein sollen, sich zu wehren.
Bereits in der vergangenen Woche hatte ein erstes mutmaßliches Opfer vor Gericht ausgesagt. Die Frau erklärte, sie sei im Dezember 2018 nach einer Party im Keller der Residenz des Kronprinzenpaars in Oslo von Høiby vergewaltigt worden.