"Virtuelle Vergewaltigung"Collien Fernandes zeigt Ex-Mann Christian Ulmen an

Jahrelang kursieren pornografische Inhalte im Netz, auf denen vermeintlich Collien Fernandes zu sehen ist. Nun will sie herausgefunden haben, wer dahinterstecken soll: ihr Ex-Mann Christian Ulmen.
Collien Fernandes erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. In einem Instagram-Post wirft die ehemalige Viva-Moderatorin dem Schauspieler vor, seit zehn Jahren Fake-Profile unter ihrem Namen angelegt und gefälschte Nacktfotos und Sexvideos verschickt zu haben, die vermeintlich Fernandes zeigten. "Sie sollten wirken, als habe ich mich selbst nackt fotografiert und heimlich beim Sex gefilmt", beschreibt die 44-Jährige die pornografischen Inhalte, die teils mit Deepfake-Technologie erstellt worden sein sollen. Mit einer durch Künstliche Intelligenz (KI) verfälschten Stimme soll ihr Ex-Mann sogar Telefonsex mit Männern gehabt und ihnen Sextreffen in Aussicht gestellt haben. Dabei soll Ulmen auch Kollegen aus Fernandes beruflichem Umfeld kontaktiert haben.
"Hunderte Männer" sollen im Laufe von zehn Jahren pornografische Inhalte zugeschickt bekommen haben, die den Eindruck erweckten, dass Fernandes sie selbst aufgenommen und versendet hatte. "Menschen aus der Branche glaubten, dass ich wirklich dahinterstecke", schreibt die "Traumschiff"-Schauspielerin in ihrem Post. Auch eine "erotische Geschichte" soll in Umlauf gebracht worden sein, in der sie von "21 Männern vergewaltigt" wird. Der Verfasser habe besonders hervorgehoben, dass Fernandes dabei Schmerzen und Angst habe und nicht freiwillig mitmacht.
Fernandes sagte zu Ulmens Verhalten, dass es ihm "Lust bereitet" habe, sie zu erniedrigen und zu degradieren. Es habe ihn "geil gemacht", sie aus "einer Art Besitzdenken" anderen Männern "zur Verfügung zu stellen", denn schließlich sei sie ja seine Ehefrau, die er "besitzt".
Strafanzeige gegen Ulmen
Fernandes bezieht sich mit ihrem Post auf einen Artikel im "Spiegel", in dem sie öffentlich behauptet, dass ihr Ex-Mann hinter den pornografischen Beiträgen stecken soll, weswegen sie beim Bezirksgericht in Palma de Mallorca Strafanzeige gegen Ulmen eingereicht hat. Der Schriftsatz liegt dem "Spiegel" nach eigenem Bekunden vor. Fernandes soll Ulmen darin unter anderem "Anmaßung des Personenstandes, öffentliche Beleidigung und Körperverletzung" vorwerfen. Ob es zu einer Anklage kommt oder das Verfahren eingestellt wird, ist derzeit offen.
Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Auf eine Anfrage von RTL antworteten Ulmens Anwälte mit einer Mail, aus der nicht zitiert werden darf. Fragen zu den Vorwürfen gegen den 50-Jährigen blieben unbeantwortet. Das Gericht auf Mallorca bestätigte RTL den Eingang einer entsprechenden Anzeige. Das Ermittlungsverfahren befinde sich jedoch "in einem sehr frühen Stadium".
Im "Spiegel"-Interview wirft die ehemalige Viva-Moderatorin dem Vater ihrer Tochter "virtuelle Vergewaltigung" vor. Ihr sei "über Jahre mein Körper geklaut" worden. Sie wolle nun öffentlich darüber sprechen, weil dieses Unrecht vielen Frauen widerfahre: "Die allermeisten werden damit alleingelassen, ich möchte, dass das aufhört." Die 44-Jährige engagiert sich seit Jahren gegen Deepfake-Pornografie. Die meisten Vorwürfe wiederholte sie später in dem Instagram-Post.
Unter dem Post sammeln sich inzwischen zahlreiche Solidaritätsbekunden von Prominenten, etwa dem früheren SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert, der Aktivistin Luisa Neubauer, der Ex-Grünenchefin Ricarda Lang sowie von Moderatorinnen, Darstellerinnen und Sängerinnen wie Ruth Moschner, Carolin Kebekus, Eva Brenner, Ines Anioli, Stefanie Giesinger und Gesine Cukrowski.
"Ich war das, ich habe das getan"
Im November 2024 hatte Fernandes in Berlin Strafanzeige gegen Unbekannt wegen der gefälschten Profile erstattet. Am ersten Weihnachtsfeiertag soll Ulmen ein Interview mit ihr gelesen haben, in dem sie erzählte, wegen der Fake-Accounts und der Deepfake-Pornos Anzeige bei der Polizei erstattet zu haben, heißt es in dem "Spiegel"-Bericht weiter. Ulmen habe daraufhin angefangen, ihr Fragen dazu zu stellen, beschreibt die Schauspielerin im "Spiegel" den Moment, in dem die Wahrheit vermeintlich ans Licht kam. Schließlich soll ihr Ulmen gebeichtet haben: "Ich war das, ich habe das getan." Er soll Angst gehabt haben, nun ins Gefängnis zu müssen.
Fernandes wirft ihrem Ex-Mann darüber hinaus vor, sie während der Ehe durch Wutausbrüche eingeschüchtert und bei Auseinandersetzungen mitunter körperlich angegriffen zu haben. Nach "Spiegel"-Informationen soll Ulmen im Januar 2023 auf Mallorca wegen des Verdachts auf häusliche Gewalt kurzzeitig festgenommen worden sein. Die Behörden stellten das Verfahren später ein.
Laut dem "Spiegel" ließ Ulmen einen Fragenkatalog zu den Vorwürfen unbeantwortet. Das Magazin führte ein Hintergrundgespräch mit Ulmens Anwälten, die Juristen machten es demnach vorab zur Bedingung, dass über ihre Einlassungen nicht berichtet werden darf.