Unterhaltung

Ausstellung zu einem MythosWas vom "American Dream" übrig blieb

18.11.2017, 19:26 Uhr
96962609
"The American Dream" in Emden ist die erste große Übersichtsausstellung in Europa, die umfassend figurative und realistische US-Kunst aus der Zeit von 1945 bis heute zeigt. (Foto: picture alliance / Mohssen Assan)

Traum oder Albtraum? Eine deutsch-niederländische Doppelausstellung wirft einen schonungslosen Blick auf den berühmt-berüchtigten Amerikanischen Traum. Die Werke von Warhol, Hopper und Co. geben einen Einblick in die Seele einer Nation.

Vom Tellerwäscher zum Millionär - der viel beschworene "American Dream" steht für diese theoretische Chance. Doch ist dieser Traum für die Mehrheit der amerikanischen Gesellschaft auch umsetzbar? Das hinterfragt die Kunsthalle Emden zusammen mit dem Drents Museum im niederländischen Assen jetzt in der Doppelausstellung "The American Dream". "Um den Begriff rankt sich ein Mythos", sagt Kuratorin Katharina Henkel. "Doch die soziale Diskrepanz hat sich noch verschärft in den letzten Jahren."

97088379
P. Saul "Quak-Quak, Trump" (2017) (Foto: picture alliance / Carmen Jasper)

Erstmals widmet sich eine Ausstellung in Europa den vielen Facetten des amerikanischen Realismus von 1945 bis heute. In den Werken von großen US-Künstlern wie Edward Hopper oder Diane Arbus stehen die Lebensbedingungen der Amerikaner im Fokus. Das jüngste Werk stammt aus diesem Jahr, es ist von Peter Saul und karikiert in Pop-Art-Manier Präsident Donald Trump, umringt von quakenden Enten.

"Wir wollen Amerika nicht nur feiern"

Den Besuchern soll ein Einblick in den "American Way of Life" geboten werden. "Die Schau ist eine große Entdeckungsreise", sagt Kuratorin Henkel. So ist von Stone Roberts ein großformatiges Gemälde vom Grand Central Terminal zu sehen, auf dem Menschen wie in einem Wimmelbild durcheinander laufen, ohne aufeinander zu achten. "Wie bei Edward Hopper findet man hier das Phänomen der Vereinsamung", sagt Henkel.

f34c8ddb3e32cc6f3b11910dd830a8cd
D. Hanson "Cowboy with Hay" (1984-1989) (Foto: dpa)

Dagegen steht das Leben auf dem Land in den USA - oder das, was sich davon als Klischee in den Köpfen festgesetzt hat. Duane Hanson schuf eine lebensecht wirkende Cowboy-Skulptur mit Lasso, die erschöpft von ihrem Tagwerk zu sein scheint. "Die Darstellung bricht mit dem Bild, das wir gemeinhin vom Cowboy haben", sagt die Kuratorin.

Auch mit Prostitution, Kriegen sowie Aids und den Protesten der schwarzen Bevölkerung setzt sich das Museum in Emden auseinander. "Wir wollen Amerika nicht nur feiern, sondern auch die Probleme des Landes aufscheinen lassen", betont Henkel. In einem als Diner umgebauten Raum können die Besucher ihr Wissen über historische Ereignisse wie den Kubakrise oder die erste Mondlandung auffrischen.

Virtuelle Museumsbesichtigung

Während sich das Drents Museum in den Niederlanden mit 60 Werken der Zeit bis 1965 widmet, setzt die 120 Kilometer entfernte Kunsthalle in Emden ihren Schwerpunkt auf die Jahrzehnte danach. Wer den Weg in beide Ausstellungen nicht schafft, hat die Möglichkeit, sie mithilfe eines Roboters virtuell zu besuchen.

"Nutzer können von Zuhause aus selbstständig den Roboter durch die Räume lenken und Bilder näher heranzoomen", sagt Projektbetreuerin Ann-Kathrin Grube. Die beiden Roboter bestehen aus je einem Computer samt Kamera, der auf einer Stange und einem einzelnen Rad befestigt ist. Das Pilotprojekt wird von der EU gefördert, die Nutzung ist in der Testphase nach Voranmeldung kostenlos und erfolgt außerhalb der regulären Öffnungszeiten.

"Ziel ist es, Menschen zu erreichen, die nicht mobil sind", sagt Grube. Es sei aber so auch möglich, dass Menschen in Übersee einen Eindruck von den Ausstellungen gewinnen könnten, sagt Katharina Henkel. Eine solche Gegenüberstellung von Werken des amerikanischen Realismus sei auch in der Heimat der Werke noch nicht gezeigt worden. Die Doppelausstellung an den beiden Orten ist von Sonntag an bis zum 27. Mai 2018 zu sehen. Die Macher rechnen insgesamt mit bis zu 120.000 Besuchern.

Quelle: Janet Binder, dpa

NiederlandeDeutschlandKunstUSA