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Er schuf den "kleinen Nick" Zeichner und Karikaturist Sempé ist tot

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Sempé im Jahr 2019. Seine Illustrationen machten mit viel Poesie den Alltag sichtbar.

(Foto: dpa)

Seit mehr als 60 Jahren illustriert Jean-Jacques Sempé Geschichten. Seine bekannteste wird "Der kleine Nick", den er zusammen mit "Asterix"-Autor René Goscinny entwirft. Die Serie über eine Kindheit im Frankreich der 50er wird ein Welterfolg. Jetzt ist Sempé tot - kurz vor seinem 90. Geburtstag.

Der französische Zeichner Jean-Jacques Sempé ist tot. Sempé sei am Donnerstagabend im Alter von 89 Jahren in seinem Ferienort "friedlich" gestorben, "umgeben von seiner Frau und seinen engen Freunden", erklärte Sempés Biograf und Freund Marc Lecarpentier.

International bekannt wurde Sempé insbesondere durch seine Illustration der Reihe "Der kleine Nick" über eine Kindheit im Frankreich der 1950er Jahre. Die Figur des kleinen Jungen erfanden Sempé und "Asterix"-Autor René Goscinny. Die erste Geschichte erschien am 29. März 1959 in der Regionalzeitung "Sud-Ouest Dimanche". Binnen sechs Jahren wurden mehr als 200 Episoden um Nick, seinen immer hungrigen Freund Otto, den bebrillten Streber Adalbert und den prügelbereiten Franz veröffentlicht. Sie erschienen später als Bücher und wurden in 30 Sprachen übersetzt.

Sempé gehörte zu den bedeutendsten Zeichnern und Karikaturisten Frankreichs. Eine Karriere, auf die jeder andere furchtbar stolz wäre. Nicht so Sempé, der als schüchtern und bescheiden galt. Seit 60 Jahren versuche er humorvolle Zeichnungen zu entwerfen. Leider habe er das Ziel noch nicht erreicht, sagte der Künstler, der nächste Woche 90 Jahre alt geworden wäre, in einem Interview. Deshalb erzählte und illustrierte der Franzose, mit dessen Werke mehrere Generationen groß geworden sind, unermüdlich weiter.

Erst Ende 2020 brachte er mit "Garder le cap" (Kurs halten) einen neuen Bildband heraus. Darin gab er sich wieder als unvergleichlicher Beobachter unserer Zeit. Den Titel habe er deshalb gewählt, weil jeder ein Ziel haben sollte - gleich ob Bäcker oder Forscher, erzählte er in dem Gespräch mit der Regionalzeitung "L'Alsace" weiter. Seines war klar: Er wollte die Menschen mit Geschichten über unsere großen und kleinen Fehler zum Lachen und Schmunzeln bringen.

Sempés Stil war dabei unverkennbar. Fröhlich oder melancholisch, farbig oder schwarz-weiß, mit oder ohne Bildunterschrift: Seine Illustrationen machen mit viel Poesie den Alltag sichtbar. Unter seinem sanft spöttischen Blick entlarven bürgerliche Paare, hochrangige Manager und kleine Leute ihre existenziellen Fragen, die in der Banalität des Alltags wurzeln. Dabei gehören kleine Menschen in überdimensionierten Straßenschluchten zu seinen Lieblingsmotiven. So wirken sie oft verloren.

"Barmherziger Beobachter menschlicher Komödien"

Im Umgang mit seinen Protagonisten war Sempé stets nachsichtig. Er zeichnete sie mit liebevoll-ironischem Strich. Sie in lächerlichen Situationen zu zeigen, mache ihm keinen Spaß, wie er einst meinte. Als "barmherziger Beobachter menschlicher Komödien" wurde er deshalb auch bezeichnet.

Sempé wurde 1932 in Pessac bei Bordeaux geboren. Seine Kindheit war eher bedrückend. Ständige Geldprobleme und eine Mutter, die sich mit seinem Stiefvater stritt, der Lebensmittelhändler war und oft betrunken nach Hause kam. Die Schulzeit war ebenso trostlos. Wegen Ungezogenheit flog er von der Schule. Mit 18 Jahren ging er nach Paris, wo er sich mehr schlecht als recht als Weinauslieferer mit dem Fahrrad oder als Bürojunge durchgeschlagen hat, bevor er 1950 das Zeichnen zum Broterwerb machte - zunächst als Karikaturist für verschiedene Medien wie "Paris Match" und die amerikanische Zeitschrift "The New Yorker".

Im Jahr 1954 lernte er dann René Goscinny kennen. Die Begegnung mit dem 1977 verstorbenen Comicautor und Miterfinder des unbeugsamen Galliers Asterix war entscheidend. Zusammen erschufen sie den "Kleinen Nick", mit dem sich Sempé unsterblich machte.

Quelle: ntv.de, ino/AFP/dpa

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