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Asterix und Obelix im Schnee "Krieg ist nun mal Frauensache"

Zu Hilf, die Römer kommen! So manchem Volk haben Asterix und Obelix bereits aus der Klemme geholfen. Ein Traum des Druiden Miraculix verschlägt sie diesmal weit in den Osten Europas. "Asterix und der Greif" ist ein gelungener Band - was vor allem an Autor Ferri liegt. Und an kämpfenden Reiterinnen.

Abenteuer im Schnee - das ist in der frankobelgischen Comicwelt nichts Neues. Tim und Struppi verschlug es ins eisige Tibet und Lucky Luke ins verschneite Kanada. Auch Asterix und Obelix kennen die weiße Pracht aus ihrem berühmten gallischen Dorf: Einst besuchte sie der Ägypter Numerobix mitten im Winter und holte sich eine Erkältung. Damals allerdings, in "Asterix und Kleopatra", ging es danach in die Sonne, in das Reich der letzten Pharaonin, die mit der niedlichen Nase.

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Die Römer wollen den Greif erbeuten und wagen sich tief ins Gebiet der vermeintlichen Barbaren.

(Foto: ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2021 LES EDITIONS ALBERT RENE)

Das ist diesmal anders: Der nun erschienene 39. Band, "Asterix und der Greif", spielt fast ausschließlich im Schnee. Oder genauer gesagt: in den winterlichen Weiten des antiken Barbaricum, jenem Gebiet östlich des Römischen Reiches, das von vermeintlichen Barbaren bevölkert wurde. So weit in den Nordosten des Kontinents hat es die tapferen Gallier bisher nicht verschlagen. Das dürfte auch daran liegen, dass vergleichsweise wenig bekannt ist von den dort in der Antike lebenden Völkern. Zu ihnen gehören die Sarmaten, denen Asterix und Obelix samt dem Druiden Miraculix und Hund Idefix zu Hilfe eilen. Denn - wie könnte es anders sein - die Römer stehen vor der Tür. Im Auftrag Cäsars sollen sie das heilige Tier des Volkes fangen: den titelgebenden Greif. Und das gilt es zu verhindern.

Gallier und Römer, eine Reise zu fremden Kulturen, Prügel und Wortwitz - "Asterix und der Greif" hat alles, was einen gelungenen Band ausmacht. Alle zwei Jahre erscheint mittlerweile ein neues "Asterix"-Album. Abenteuer in Gallien und solche auf Reisen wechseln sich dabei ab. Für Autor Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad, die künstlerischen Erben der Traditionsreihe, ist es das fünfte gemeinsame Werk. Letztmalig dürfte auch "Asterix"-Mitschöpfer Albert Uderzo bei der Entwicklung des Stoffs seine Finger im Spiel gehabt haben, er starb im März 2020.

Neue Epoche - ohne viel Veränderungen

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Nach Osten: Die Sarmaten lebten nordöstlich des Schwarzen Meers.

(Foto: ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2021 LES EDITIONS ALBERT RENE)

Ohne die beiden Schöpfer - Original-Autor René Goscinny starb bereit 1977 - beginnt für "Asterix" eine völlig neue Epoche. Zu viel Veränderung ist aber nicht zu erwarten, dafür sind der mutige Gallier und sein überhaupt nicht dicker Freund Obelix zu sehr Marke, zu sehr einträgliches Geschäft. Vor allem zeichnerisch bleibt der Band seiner Linie treu. Conrad hat sich etabliert, die Figuren sitzen, der Bild-Witz auch - nur die Pferde wirken eigenartig misslungen. Traditionen wie an Zeitgenossen angelehnte Figuren (in diesem Fall etwa der französische Autor Michel Houllebecq) werden fortgeführt, ein wirklich gutes Wimmelbild fehlt diesmal aber leider.

Wo die Zeichnungen also gewohnt routiniert sind, lohnt ein Blick auf den Inhalt des Bandes, der unter Wortwitzen, einem sehr gelungenen Running Gag um Idefix und ein Rudel Wölfe sowie die typischen sprechenden Namen verschneit liegt. Zu finden ist dort eine Auseinandersetzung mit mythischen Figuren und historischen Wahrheiten. Es ist ein Thema, das Autor Ferri offenbar umtreibt. Schon in "Der Papyrus des Cäsar" beschäftigte er sich mit einem vermeintlich verloren gegangenen Kapitel aus Cäsars "Der gallische Krieg", das den tapferen Widerstand des berühmten gallischen Dorfes behandelt. Damit warf Ferri die Frage auf, wie wahr historische Darstellungen sein können, vor allem wenn Geschichte immer nur von den Siegern geschrieben wird.

In "Asterix und der Greif" nimmt Ferri diesen Faden wieder auf. Diesmal geht es um ein Fabelwesen, von denen etliche seit der Antike Eingang in das kulturelle Gedächtnis der Menschheit gefunden haben, obwohl wohl niemand ernsthaft behaupten wird, dass es sie tatsächlich gab. Doch woher kommt dann die Vorstellung, dass ein Greif - halb Adler, halb Löwe - existiert hat? Und welche Rolle spielte er für das Reitervolk der Sarmaten?

Natürlich will auch dieser "Asterix"-Band die Geschichte nicht enthüllen oder neu schreiben, er bleibt sich selbst treu: eine Mischung aus historischen Andeutungen, vor allem aber Fiktion und Humor. Und doch schafft es Ferri, kulturphilosophische Fragen in die Geschichte hineinzuweben, ein paar Fragen über den Ursprung von Mythen zu beantworten, aber auch einige zu unserem Umgang mit der Vergangenheit aufzuwerfen. Genau das macht diesen "Asterix" spannend.

Männer an den Herd!

Dazu zählt auch, dass Ferri das Volk der Sarmaten in den Mittelpunkt des Abenteuers stellt. Das Reitervolk stammte ursprünglich aus Mittelasien, wanderte mit der Zeit aber immer weiter gen Westen, bis es sich im südlichen Teil Russlands und der Ukraine ansiedelte, und schließlich Eingang in die antike Geschichtsschreibung und die europäsche Kultur fand. Dass Ferri die Sarmaten nun in den "Asterix"-Kosmos integriert, korrigiert sozusagen die bisherige westeuropäische Ignoranz der Reihe gegenüber den Völkern Osteuropas - die eben keine Barbaren waren, auch wenn die Römer auf sie hinabsahen.

Denn die sarmatische Kultur bietet auch einen Aspekt, den Ferri genüsslich aufgreift: die starke Stellung der Frauen. Während die Männer zu Hause bleiben und sich um den Haushalt kümmern, kämpfen die Frauen hoch zu Ross gegen die Römer. "Krieg ist nunmal Frauensache", sagt deren Anführerin Matrjoschkowa zu Asterix - und darf sich dann doch noch vom Gallier mansplainen lassen. Matrjoschkowas Gesicht übrigens erinnert an Schauspielerin Helen Mirren, die passenderweise russische Vorfahren hat.

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"Asterix und der Greif" ist zumindest inhaltlich ein moderner Band. Es ist eine Modernität, die die Serie bitter nötig hat. Andere frankobelgische Klassiker sind da längst weiter, etwa "Spirou" oder "Lucky Luke", den zuletzt Ralf König in Szene setzen durfte. Mit ihrem fünften gemeinsamen Band beweisen Ferri und Conrad immerhin, dass "Asterix" noch nicht tot ist und Potential hat. Projekte gibt es zumindest genug, darunter eine Animationsserie um Hund Idefix (ab 5. November auf Super RTL), eine Netflix-Serie und einen neuen Kinofilm mit realen Darstellern. In diesem geht es dann noch weiter nach Osten: Er heißt im Original "L'Empire du Milieu" - "Das Reich der Mitte".

Die Abenteuer von Asterix und Obelix erscheinen im deutschsprachigen Raum bei Egmont Ehapa Media. "Asterix und der Greif" erscheint am 21. Oktober als Softcover im Zeitschriftenhandel sowie als Hardcover im Buch- und Comichandel. Am 5. November erscheint zudem eine Luxusedition.

Quelle: ntv.de

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