Zum Tod des großen SchauspielersMario Adorf - der ewige Charmeur

Die Filmwelt trauert um einen ihrer Größten: Mario Adorf ist tot. Auf der Kinoleinwand glänzte der ikonische Schauspieler in unzähligen Rollen. Ein Nachruf.
Das Talent, immer wieder in neue Rollen schlüpfen zu können, ist in der Schauspielkunst so wichtig wie das Ballgefühl auf dem Fußballplatz. Wer auf dem grünen Rasen nur hölzern daherkommt, schreitet selten durchs Rampenlicht. Ähnlich geht es dem Schauspieler, der nicht aus seiner Haut kann. Er stößt schnell an seine Grenzen. Für Mario Adorf war der Begriff "Grenzen" ein Fremdwort. Der in Zürich geborene und im Eifelstädtchen Mayen aufgewachsene Sohn eines Italieners und einer Deutschen stand in seiner langjährigen Karriere mehr als 200-mal vor der Kamera - und nahezu jedes Mal präsentierte er seinem begeisterten Publikum eine neue Facette.
Der Durchbruch gelang im Jahr 1957 als vermeintlicher Serienkiller ("Nachts, wenn der Teufel kam"). Die Rolle des Bösewichts stand dem an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule ausgebildeten Schauspieler gut zu Gesicht. Egal, ob als Kleinkrimineller, Mafioso oder Mörder von Winnetous Schwester "Nscho-tschi": Mario Adorf verkörperte das Böse stets mit Charakter und Tiefgang. Noch viele Jahre später warfen eingefleischte Karl-May-Fans dem Schauspieler böse Blicke zu. Sie konnten ihm den Mord an Winnetous Schwester einfach nicht verzeihen, verriet Adorf einmal in einem Interview mit der "Zeit".
Adorfs Schauspielkunst war einzigartig. Seine Mimik war ein Alleinstellungsmerkmal. Der gespitzte Mund und die hochgezogenen Augenbrauen - dazu der Gang eines Flaneurs und das stets charmante Auftreten: Mario Adorf überzeugte schon in jungen Jahren durch seine Persönlichkeit.
"Die Ehe beginnt nach dem ersten Seitensprung"
Bewegt war nicht nur sein beruflicher, sondern auch sein privater Werdegang. 1962 lernte Mario Adorf seine erste Ehefrau kennen: Der Schauspielerin Lis Verhoeven begegnete er bei einer Theatertour mit dem Südstaaten-Drama "Endstation Sehnsucht" von Tennessee Williams. Ein Jahr später kam die gemeinsame Tochter Stella Maria Adorf zur Welt. Kurz darauf zerbrach die Ehe. Mario Adorf war begehrt. "Meine Ansicht über die Ehe habe ich ja schon geäußert in einem Satz, der mir zugeschrieben wird und den ich vielleicht auch gesagt habe: Die Ehe beginnt nach dem ersten Seitensprung", gab der Schauspieler einmal in einem Interview mit dem "Bunte"-Magazin zu Protokoll.
Ab 1965 lebte Mario Adorf in Rom. Viele Jahre genoss er "La Dolce Vita" in vollen Zügen ("Das war die schönste Zeit meines Lebens!"). Zwischen Bruschetta und rotem Vino lernte er seine zweite Ehefrau Monique kennen. In den vier Jahrzehnten, in denen Adorf in Italien lebte und arbeitete, wirkte er in unzähligen geschichtsträchtigen Produktionen mit. "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", "Die Blechtrommel", "Rossini", "Fräulein Smillas Gespür für Schnee": Die Liste der Filme, die sich auch und vor allem durch das Mitwirken Mario Adorfs von der Masse abhoben, ist endlos.
Er bereute nur eine Absage
In der sechsteiligen Erfolgsserie "Kir Royal" veredelt er die legendäre Haffenloher-Szene mit dem Satz: "Ich scheiß' dich sowas von zu mit meinem Geld!" Beinahe hätte er auch eine Rolle im Mafia-Epos "Der Pate" übernommen. "Ich hätte gerne Sonny, einen der Söhne des Paten, gespielt", erklärte Adorf einmal. Aber die Rolle hatte Coppola schon für James Garner vorgesehen. Dann schlug er eine Rolle für Billy Wilders Film "Eins, zwei, drei" aus - die einzige Absage, die er je bereute.
Mario Adorf war ein international gefeierter Schauspieler, ein charmanter Lebemann und hierzulande einer der wenigen echten Superstars. Seine letzten Jahre verbrachte er in Paris, München und Saint-Tropez, gemeinsam mit seiner Gattin Monique. Sein Tod hinterlässt eine große Lücke - nicht nur in der Filmwelt. Als Mario Adorf seinen 95. Geburtstag feierte, antwortete er auf die Frage, wie denn der Titel eines Films über sein Leben lauten müsste, mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht: "Den Film gibt es schon. Titel: 'Es hätte schlimmer kommen können'." Humor hatte er auch, der Mario. Möge er in Frieden ruhen.