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Wer erfand die Glühlampe? Als Edison Westinghouse vor Gericht zerrte

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Thomas Alva Edison erfand auch den Phonographen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Thomas Alva Edison ist der Erfinder der Glühlampe. Das anzufechten wird 1888 zur Aufgabe des blutjungen Provinzanwalts Paul Cravath. In einem Dschungel aus Intrigen und Verleumdungen merkt er bald, dass es um mehr geht als nur die juristische Auslegung eines Stück Papiers.

1888 tobt in den USA ein Krieg. Und zwar einer der statt mit Bajonetten mit Stiften, Intelligenz und Raffinesse geführt wird. Dabei geht es um nichts weniger als das Monopol für die Elektrifizierung der Vereinigten Staaten, um Macht, Einfluss und grenzenlosen Reichtum. Geführt wird er um ein einfaches Stück Papier - das Patent um die Erfindung der Glühlampe.

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Das Buch ist bei Eichborn erschienen, hat 464 Seiten und kostet 22 Euro.

Auf der einen Seite stehen George Westinghouse und sein ehrgeiziger Anwalt Paul Cravath, auf der anderen die schier unüberwindliche Allianz aus Thomas Alva Edison, dem charismatischen Erfinder und seinem Geldgeber J.P. Morgan. Es ist ein Krieg David vs. Goliath, Wechselstrom vs. Gleichstrom, Mittlerer Westen vs. Uptown Manhattan, ausgetragen in Gerichtssälen, Anwaltskanzleien und Zeitungen. Und mittendrin im Geschehen stecken ein kauziger Serbe namens Nikola Tesla und eine temperamentvolle Society-Schönheit.

Graham Moore, der bereits einen Oscar für das Drehbuch zu "The Imitation Game" mit Benedict Cumberbatch und Keira Knightley gewann, hat sich bisher jedes mal an historische Genies gehalten. So wie der Film über den Mathematiker Alan Turing, liest sich auch "Die letzten Tage der Nacht" über weite Strecken wie ein Krimi. Dabei geht es allerdings nicht um die Suche nach einem Mörder, sondern um die Lösung eines intellektuellen Problems.

Wirtschaftskrimi und Liebesgeschichte

Der leidenschaftliche Musiker Moore nutzt sein wundervolles Gespür für Timing und Rhythmus, um Pauls verzweifelte Suche nach einer Schwachstelle im Imperium von Edison General Electric rasant, spannend und voller Einblicke in die strahlende Welt der Elektrizität zu beschreiben. Scheinbar mühelos überträgt er die Faszination von Glühbirnen und Textauslegungen so wie die Besessenheit seiner Figuren auf den Leser.

Leider sind die aber auch alle ein bisschen sehr männlich und weiß. Selbst die toughe und wortgewandte Agnes mit der dramatischen Vergangenheit verblasst ein wenig zur Trophäe, so es schon bei Joan Clarke an der Seite von Alan Turing war. Und auch Paul, der aus Nashville stammende Provinzanwalt, ist in der glitzernden Welt von New York nicht ganz der Selfmademan, als der ihn der Autor gerne sieht.

Letztendlich bleibt es eine Geschichte um ein Kräftemessen zwischen zwei ehrgeizigen Männern, ausgetragen auf hohem intellektuellen Niveau, verpackt in eine großartige Sprache und eine rasante Handlung. Und so viel sei verraten, der Kampf endet keineswegs so, wie die Geschichtsbücher es vermuten lassen.

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Quelle: ntv.de