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Da hat Flake wohl wieder seine "Fickhosen" an, die er im Buch öfter erwähnt: beim "Wacken Open Air"-Festival 2013, Flake mit Panda-Maske, Sänger Till Lindemann sitzt auf ihm.
Da hat Flake wohl wieder seine "Fickhosen" an, die er im Buch öfter erwähnt: beim "Wacken Open Air"-Festival 2013, Flake mit Panda-Maske, Sänger Till Lindemann sitzt auf ihm.(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 12. November 2017

Mal öde, mal berauschend: Flake erzählt vom Leben mit Rammstein

Von Andrea Beu

In seinem ersten Buch verlor Flake so gut wie kein Wort über seine Band Rammstein. Das ist in "Heute hat die Welt Geburtstag" anders: Hier geht es fast nur darum. Ein ganzer Tag mit der Band - samt gesprengten Fischen, "Fickhosen" und viel Feuer.

Flake, mit bürgerlichem Namen Christian Lorenz, ist nicht nur der Keyboarder der Band Rammstein, er schreibt auch Bücher. Vor zweieinhalb Jahren etwa erschien sein erstes, "Der Tastenficker", das sicherlich viele Fans der Band kauften und lasen - allerdings kam Rammstein darin gar nicht wirklich vor. Erst auf der letzten Seite fällt der Name der Band: "Jetzt fällt mir auf, dass ich eigentlich gar nichts über Rammstein erzählt habe".

"Heute hat die Welt Geburtstag" ist im Verlag S. Fischer erschienen, gebunden, 352 Seiten, 20 Euro.
"Heute hat die Welt Geburtstag" ist im Verlag S. Fischer erschienen, gebunden, 352 Seiten, 20 Euro.(Foto: Verlag S. Fischer)

Für alle, die Insidergeschichten aus dem Bandleben erwartet hatten und darum enttäuscht wurden, gibt es jetzt Trost. Denn Flakes neues Buch ist erschienen, "Heute hat die Welt Geburtstag", und darin geht es um nichts anderes. Eigentlich schildert er einen einzigen Konzert-Tag mit Rammstein, von der Anreise im Tourbus zur Konzerthalle in Budapest über die Stunden der Vorbereitung bis zum Auftritt selbst und der Zeit danach.

Aber das allein würde wohl noch nicht die etwa 350 Seiten füllen - Flake schweift ab und das reichlich. Wie schon im "Tastenficker" kommt er von Hölzchen auf Stöckchen, fängt mit einer Geschichte an und landet bei einem ganz anderen Thema, erinnert sich aber immer wieder selbst: "Wo war ich gerade? Ach ja ..." Wenn man von so was nicht genervt ist und keinen stringenten roten Faden erwartet, liest sich das sehr unterhaltsam.

Öder Bandalltag und Bühnenrausch

Man erfährt, wie langweilig und öde das Bandleben sein kann und oft ist - Tourbus, Autobahn, Hotelzimmer, Konzertarenen oft am Stadtrand, in Gewerbegebieten, neben Baumärkten. Das ewige Warten und Zeittotschlagen, bis es endlich losgeht. Die Hektik, wenn es dann losgeht, der verdammte Reißverschluss, der immer klemmt und den er versucht mit klebriger Cola wieder gleitfähig zu machen. Die vor Schweiß und Dreck stinkenden Bühnenklamotten, die er immer wieder anziehen muss, die "Fickhose", die schnell aufgehen muss, wenn sich Sänger Till Lindemann auf der Bühne über ihn hermacht.

Aber Flake berichtet auch, wie großartig und aufregend das Musikerleben mit der erfolgreichsten Rockband Deutschlands sein kann - die abgedrehten, extrem aufwendigen Bühnenshows, der Blick auf die Fans bei den Konzerten, der Rausch, wenn es gut läuft. Die Proben, die Arbeit an neuen Stücken, ihre abgedrehten Ideen: noch mehr Feuer, noch mehr Rauch, gesprengte Fische, ein ejakulierender Riesenpenis ... Der gigantische Stromverbrauch durch ihre aufwendigen, energiefressenden Auftritte, die schon mal das Stromnetz ganzer Stadtteile zusammenbrechen ließ. (Darum haben sie inzwischen einen eigenen Stromtruck.)

Persönliche Einblicke

In die manchmal sehr persönlichen, geradezu intimen Einblicke in das Bandleben von heute schiebt Flake Rückblicke in die Entstehungsgeschichte von Rammstein ein, die sich 1994 gegründet hatte; manchmal geht er sogar bis in seine Zeit bei Feeling B zurück. Er schildert, wie sie zu ihrem ersten Plattenvertrag kamen, ihre ersten Konzerte im Westen Deutschlands und in Westeuropa, wo sie fast niemand kannte und wo daher auch kaum jemand kam, bis zu ihrem Durchbruch - sogar in den USA und weltweit.

Ein immer wiederkehrendes Thema ist, welche Leidensfähigkeit er bei den Auftritten von Rammstein beweisen muss, aber Flake jammert dabei nicht - dazu ist er viel zu glücklich und stolz, in der Band Mitglied zu sein. Er schildert nur, auf seine ganz besondere Art: "Ich trete auf das Rad des Kessels, um mich hineinzuschwingen, stelle aber wieder mal fest, dass dort kaum noch Platz für mich ist, denn da steht schon die Gasflasche für die Flammen drin. In den Boden sind Lampen eingebaut, an die ich nicht rankommen darf, weil die viehisch heiß werden. Ich habe mich bei einer Probe mal darauf abgestützt und mir dabei fürchterlich die Hände verbrannt, da blieb richtig meine Haut an dem dünnen Schutzgitter davor kleben. Es hat ganz eklig nach verbranntem Fleisch gerochen." Um sich anschließend die sich aufdrängenden Fragen zu stellen: "Warum riecht es dann beim Grillen so lecker? Liegt es an dem Salz oder dem Bier? Oder an der Fleischsorte?"

Flake schreibt, wie er spricht - das Buch liest sich wie ein langer Abend mit ihm, man trinkt ein paar Gläser zusammen und er erzählt drauflos. Auf seine uneitle, lustige, etwas schrullige Art. Wer seine Art mag, wird dieses Buch mit Vergnügen lesen, Rammstein-Fans sowieso.

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Quelle: n-tv.de

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