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Mit "Das Fundament der Ewigkeit" versorgt Ken Follett seine Fans mit 1145 Seiten Lesefreude.
Mit "Das Fundament der Ewigkeit" versorgt Ken Follett seine Fans mit 1145 Seiten Lesefreude.
Sonntag, 04. Februar 2018

"Das Fundament der Ewigkeit": Follett setzt voll aufs Follett-Prinzip

Von Renée Bochat

In Europa tobt ein blutiger Religionskrieg. Eine junge Königin in England will das ändern. Gegen alle Widerstände. Ein Geheimdienst soll sie schützen. Ken Follett lässt es wieder episch werden. Spannend, wenn auch wenig überraschend.

Es gibt die gute Lesart. Und die böse. Fangen wir mit der positiven Interpretation an. Das macht sich einfach besser: Der neue Roman von Ken Follett, "Das Fundament der Ewigkeit", ist ein absolut klassisches Werk des mehrfach preisgekrönten walisischen Autoren: episch (in Seitenzahl und abgehandelter historischer Zeitspanne), vielschichtig, komplex, aber immer schön schnörkellos. Klingt gut und ist natürlich gesetzt für jeden Follett-Fan. In der gegenläufigen Lesart aber steht: Der Roman ist vorhersehbar, einfach, sprachlich ohne jeden Wahnsinn. Nun ist die Frage: Ist das schlecht? Die Antwort ist einfach: Nein, ist es nicht. Denn die Routine von Aufbau, Handlung und rhetorischer Schlichtheit ist ja seit jeher, mindestens seit 1990, maximal erfolgreich und auf unerklärliche Weise spannend.

Das Buch ist bei Lübbe erschienen und kostet 36 Euro.
Das Buch ist bei Lübbe erschienen und kostet 36 Euro.

"Das Fundament der Ewigkeit" erzählt wiederholt die Geschichte von den in den nahezu allen Wesenzügen Guten und den in jeglicher Charakterisierung Bösen. Und anders als beispielsweise im "Kill your Darlings"-Spektakel "Game of Thrones" ist in diesem Roman der Ausgang jedes Duells, jedes Konflikts für die Protagonisten vorgezeichnet. Langweilig wird es aber trotzdem nicht - nie. Wie das sein kann? Es ist eines dieser ganz besonderen Follett-Geheimnisse, die sich einfach nicht erklären lassen. Fakt ist: Buch weglegen klappt nur, wenn die Augen oder die Arme richtig schwer werden. Längere Lesepausen sind wegen der chronischen Komplexität von Follett-Büchern ohnehin nicht möglich.

Wieder Kingsbridge. Beginn der Handlung. Wie schon in den Vorgängerromanen "Die Säulen der Erde" und "Die Tore der Welt". Hier, wo die mittlerweile legendäre Kathedrale steht, gibt Follett seinem neuen Protagonisten, dem Kaufmann Ned Willard, den Platz, sich vorzustellen, um für sich als großer Sympathieträger zu werben. Mit einer schmerzhaften Liebessequenz, die den großen Konflikt des Romans umspannt: Den brutal-blutigen Streit zwischen Katholiken und Protestanten während der ausgehenden Herrschaft der eisernen Katholikin Maria Tudor - genannt Maria, die Blutige - und der Herrschaft ihrer liberaleren, protestantischen, aber Machtzwängen ausgelieferten Halbschwester Elisabeth I., zwischen 1558 und 1620.

So entsteht der erste Geheimdienst

Ned Willard, der Gutmensch, verfolgt ein ehrenwertes Ziel: Freie Religionsausübung in dieser kriegerischen Zeit. Als "Spion" am Hof von Elisabeth I. angestellt, will er seinen Idealismus über die Spitze des Königreichs implementieren. Er will die Königin schützen, damit die ihren, in Europa heftig kritisierten und angefeindeten liberalen Weg - niemand soll wegen seiner Religion sterben müssen - gehen kann. Der von der katholischen Kirche seiner Habseligkeiten beraubte Kaufmann baut für die Regentin den wohl weltweit ersten Geheimdienst auf, der sie vor Anschlägen bewahren soll. Denn die mächtigsten Monarchen des Kontinents wollen Elisabeth sterben sehen, wollen das als bedroht erkannte Religionsmonopol des Katholizimus beschützen.

Follett nimmt seine Leser einmal mehr mit auf eine historisch einwandfrei recherchierte Reise durch die europäische Renaissance. Denn Ned Willard und seine "Geheimdienstler" fahnden nicht nur auf der britischen Insel, sondern auch auf dem Festland, nach den strategischen Hintermännern, deren Lebensziel eben der Tod Elisabeths und damit auch des Protestantismus ist. Einer von ihnen ist der völlig besessene Jean Langlais. Auf der teilweise wilden, teilweise mühsamen Jagd nach dem geheimnisvollen Unbekannten, der Willard (nicht aber dem Leser) später in einem überraschenden Verhältnis begegnen wird, baut sich ein immer tieferes Geflecht von Charakteren auf, das der Autor (wie immer) dankenswerterweise in einem fünfseitigen Personenverzeichnis voranstellt.

Willards Reise in "Das Fundament der Ewigkeit" endet übrigens natürlich dort, wo Follett einst auch (s)eine Säule des Erfolgs setzte. In Kingsbridge. Nach 1145 Seiten. Vielschichtig, komplex, schnörkellos, aber eben auch vorhersehbar - und trotzdem spannend.

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Quelle: n-tv.de