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Spucke, Sperma und Urin"Herrlich ekelig!"

14.09.2009, 12:43 Uhr
imageThilo Resenhoeft, dpa

Werner Bartens und Sebastian Herrmann machten das Gefühl des Ekels zum Thema ihres Buches "Herrlich eklig! Alles über die verkannten Wundersäfte unseres Körpers".

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Die Wissenschaftlerin Petra Schling gibt eine Probe ihres Speichels in ein Glas in ihrem Labor in Heidelberg. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Es ist schon komisch: Solange die Spucke im Mund ist, ist sie ein normaler Bestandteil des Körpers. Sobald sie aber den Körper verlässt, gilt sie als eklig. Das gleiche gilt für Schnodder, Sperma, Blut oder Urin. Von einer auf die andere Sekunde gehört das alles nicht mehr zum "ich", sondern geht ins Reich des Anderen, des Fremden über.

Ekel ist zumindest zum Teil erlernt, berichten Werner Bartens und Sebastian Herrmann, Wissenschaftsredakteure der Süddeutschen Zeitung. Sie machten das Gefühl zum Thema ihres Buches "Herrlich eklig! Alles über die verkannten Wundersäfte unseres Körpers"

Ohrenschmalz schmeckt bitter

Vorweg: Trotz des vielleicht etwas sperrigen Themas lohnt es, den Band aufzublättern. Mitunter wird man ihn allerdings wieder aus der Hand legen – vielleicht beim Bericht über die längst überholte Vorstellung zu "lobenswertem Eiter", ohne den keine Wunde heile. Oder bei der Bemerkung, Ohrenschmalz sei außer der Galle das einzige Sekret des Menschen, das bitter schmecke.

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Ohrenschmalz an einem Wattestäbchen. (Foto: Gregory F. Maxwell, wikipedia)

Nach der Einleitung, die die psychologischen Ursachen des in allen Kulturen bekannten Ekels erkundet, arbeiten die beiden Autoren Kapitel für Kapitel wie etwa Blut, Schweiß, Speichel, Ohrenschmalz, Kot, Sperma, Eiter, Tränen und Schuppen auf. Dazu wählen sie jeweils die Kategorien Steckbrief, Rekorde, Nutzwert, Anekdotisches, Sitten und Rituale, Kunst sowie Kenner und Liebhaber. Im Falle von Sperma ist in letzterer unter anderem eine Empfehlung nachzulesen: Wer im Hinblick auf Oralsex ein möglichst wohlschmeckendes Ejakulat haben möchte, sollte zuvor eineinhalb Liter Ananassaft trinken. Dies jedenfalls ist das Resultat der Untersuchung einer Hamburger Sexualtherapeutin.

4,2 Millionen Tränen

In der Kategorie Rekorde bei den Tränen steht, dass der Mensch während seines Lebens etwa 70 Liter Tränenflüssigkeit produziert – das reicht bei jeweils 15 Milligramm Gewicht für 4,2 Millionen Tränen. Und wo wir bei Zahlen sind: Ein durchschnittlicher Mensch pieselt zeitlebens rund 35.000 Liter Urin aus – das sind etwa 315 Badewannen. Auch zum Schweiß haben Bartens und Herrmann einen Liebhaber ausgemacht: Johann Wolfgang von Goethe. Der habe gestanden, der Frau von Stein ein gebrauchtes Mieder gestohlen zu haben, um immer daran riechen zu können, wenn ihm danach war.

Lockstoff für Geschlechtspartner

Der Untertitel "Ein Lob auf die Wundersäfte unseres Körpers" deutet auf den zweiten Schwerpunkt des Buches: Es erklärt, was die Säfte und Substanzen in unserem Inneren für uns erledigen. Sie verteilen Sauerstoff, entsorgen Abfall, verteidigen den Körper gegen Krankheitserreger und locken nicht zuletzt Geschlechtspartner an. Wichtige Aufgaben, die bei allem Ekel rasch verdrängt werden. Man kann in dem Buch stöbern, es als Nachschlagewerk ins Regal stellen – oder als Begleitlektüre zu Charlotte Roches Roman "Feuchtgebiete" sehen, der sich ausführlich mit Menstruationsblut, Eiter und Sperma befasst.

Herrlich eklig! Alles über die verkannten Wundersäfte unseres Körpers, Verlag Droemer Knaur, 192 Seiten, 8,95 Euro, ISBN 978-3426781920