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Bitcoins, Shitcoins, Nordkorea Jagt den Milliardenschatz von "Montecrypto"

Als der Milliardär Hollister stirbt, ahnt niemand, dass die Welt damit am wirtschaftlichen Abgrund steht. Hollisters Vermögen, mehrere Milliarden schwer, ist in Bitcoins angelegt, seine Wallet gilt es zu finden. Geheimdienste, Mafia, Terroristen sind heiß auf "Montecrypto". Tom Hillenbrands Ed Dante bleibt cool.

Vor ein paar Jahren konnten nur schrullige Tech-Nerds etwas mit dem Wort Bitcoin anfangen. Heute hat sich das geändert: Die älteste und bekannteste Cyber-Devise ist zur wichtigsten Kryptowährung der Welt geworden, ihr Kurs explodierte, notierte in diesem Jahr erstmals über der 50.000-Dollar-Marke. Aus der spleenigen Idee eines Japaners ist ein weltumspannendes Phänomen geworden. Der Bitcoin ist in der breiten Öffentlichkeit angekommen, er ist gesellschaftsfähig geworden. Dass sich der deutsche Bestsellerautor Tom Hillenbrand des Themas annimmt, verwundert da nicht - dass am Ende ein weiterer Tech-Thriller mit Durchschlagskraft im Hollywood-Blockbuster-Format herauskommt ebenso wenig.

Greg Hollister ist ein Bastler, ein Programmierer, ein Hacker: Mit elf Jahren schreibt er seine ersten Computerprogramme. Mit 13 baut er einen Roboter, der ihm den Nasa-Nachwuchspreis einbringt. Er weiß aber auch, dass man Bitcoins viel einfacher stehlen kann, als den meisten bewusst ist. Hollister gründet ein Startup, entwickelt eine Kryptowährung, die eigentlich keine ist, ihn aber dennoch zu einem reichen Mann macht und seine Firma Juno zu einem Wall-Street-Schwergewicht.

Tales of "Montecrypto"

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Hollister wird zu einem Visionär der Krypto-Branche, zum gefeierten Idol - und stürzt mit einem Flugzeug ab. Zurück bleiben nur ein paar menschliche Überreste und die Tatsache, dass es irgendwo ein milliardenschweres Vermögen geben muss. Ed Dante soll es finden.

Dante kommt von der Wall Street, verdiente dort früher Millionen, pflügte durch die Bücher einer Investmentbank, deren Aus dann die Finanzkrise auslöste und die Welt erbeben ließ. Nun ist der gebürtige Engländer Privatdetektiv. Vielmehr "Privatermittler in heiklen Finanzfragen". Nun soll er, beauftragt von Hollisters Schwester, nach dem im Netz und in den Medien mittlerweile als "Montecrypto" bezeichneten Vermögen suchen: mehrere Milliarden in Bitcoins.

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Tom Hillenbrand, Autor von "Montecrypto", als Paperback bei KiWi und als Hörbuch bei Lübbe Audio erschienen.

(Foto: Tom Hillenbrand)

Dante willigt ein, beginnt nachzuforschen. Er trifft auf eine Bloggerin, die ihn auszuspionieren scheint. Er reist von Los Angeles nach Europa und zurück in die USA, nach New York. Er macht Bekanntschaft mit der Fintech-Welt. Er lernt, was ein Bitcoin ist, was ein Shitcoin, was eine Blockchain. Er, der sich selbst als "anspruchsvollen Alkoholiker" bezeichnet, immer einen Flachmann mit einem guten Scotch dabei hat und den Abend auch schon mal am Mittag mit ein paar Cocktails à la Black Russian einläutet, wird zu einem modernen Indiana Jones auf der Jagd nach dem Krypto-Schatz.

Doch Dante wird schnell zum Gejagten: Der Glatzkopf mit markantem Trilby-Hut geht Spuren nach, findet Hinweise, bringt sie in Zusammenhang und kommt einer immer größer werdenden Sache auf die Spur, einer Sache, die vollends aus dem Ruder zu laufen droht und Menschenleben fordert. Geheimdienste treten auf den Plan. Die Mafia mischt plötzlich mit, selbst Nordkorea scheint seine Finger im Spiel zu haben und auch eine Coin-Community, deren Entdeckerlust durch plötzlich publik werdende Hollister-Videos angeheizt wird.

Viva los Cryptos!

Tom Hillenbrand

Tom Hillenbrand, geboren 1972 in Hamburg, studierte Europapolitik und volontierte an der Holzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalismus. Er arbeitete bei diversen Medien als Redakteur und Ressortleiter. Bekannt wurde er als Schriftsteller mit seiner Xavier-Kieffer-Krimireihe. Seine Scifi-Thriller "Drohnenland" und "Hologrammatica" sind preisgekrönte Bestseller.

Diese Gemengelage und wilde Hatz über Kontinente lässt wirklich Erinnerungen an Indiana Jones wach werden, einen Indy 4.0. Sie erinnert aber auch an Dan Brown und seine Robert-Langdon-Figur, diesen schrulligen Professor, der mit Intellekt und Kombinationsgabe die Welt vor dem Untergang retten muss. Bei Dante kommen dazu noch ein trockener Humor und eine ab und an derbe Aussprache dazu. Dass Dante Punk-Musik liebt und sich von Songs der "Dead Boys" und "Rage Against The Machine" beschallen lässt, passt da hervorragend ins Bild.

Überhaupt sind die Figuren, die Hillenbrand in "Montecrypto" auffährt, gekonnt gezeichnete Charaktere mit Ecken und Kanten, die sie sympathisch und liebenswert machen, sodass das Buch zu einem klassischen Pageturner wird und Hillenbrand selbst zu einem deutschen Dan Brown. Hat man die ersten zehn Seiten gelesen, wird "Montecrypto" erst wieder aus der Hand gelegt, wenn der letzte Satz gelesen ist: "Arm in Arm gehen sie den Strand hinauf."

Arm in Arm? Ach ja, natürlich gibt es für Dante auch eine Frau an seiner Seite, eine, die sich mit Coins, Klickfarmen, Datenverschlüsselung und dem Cyberspace auskennt. Sie ist die bella figura an der Seite des old punks. Sie öffnet Dante Türen in neue Welten. Er zeigt ihr dafür, dass es abseits von Blogs, Foren und Chats auch eine reale Welt gibt. Hillenbrands "Montecrypto" verwischt die Grenzen zwischen Cyber-Zukunft und digitaler Realität. Das ist der wirkliche Schatz von "Montecrypto" und dessen Leser haben ihn bereits gefunden.

Quelle: ntv.de

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