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Bitte nicht noch eine Neuauflage Bei den "Men In Black" ist die Luft raus

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Agentin M und Agent H reisen um die Welt, um einen Maulwurf bei den "Men In Black" zu enttarnen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Es hätte so schön werden können: Nach sieben Jahren Pause kehren die "Men In Black" auf die Leinwand zurück. Für die Macher also eigentlich genug Zeit, sich vom Alien-Universum inspirieren zu lassen. Doch trotz großartiger Besetzung überzeugt die Sci-Fi-Komödie wenig bis gar nicht.

Man mag es kaum glauben, aber es ist nun schon 22 Jahre her, dass sich Will Smith und Tommy Lee Jones als "Men In Black" (MIB) auf die Suche nach Außerirdischen machten, die illegal auf der Erde leben. Fast 600 Millionen Dollar spielte die Science-Fiction-Komödie von Regisseur Barry Sonnenfeld damals weltweit ein. Nach sieben Jahren Pause und von Filmemacher F. Gary Gray beerbt, folgt nun nach zwei Fortsetzungen und einer Zeichentrickserie mit "Men In Black: International" eine Neuauflage der Filmreihe.

Die coolen Anzüge, Sonnenbrillen und Neutralisierer (besser bekannt als Blitzdings) sind geblieben - einzig die Besetzung hat sich geändert. Will Smith ist derzeit als blauer Dschinni in der Neuauflage von "Aladdin" zu sehen und auch Tommy Lee Jones dreht ein Remake der 80er-Komödie "The Comeback Trail". Mit "MIB" haben beide Schauspieler längst abgeschlossen. "Es fühlte sich emotional vollständig an", bestätigte die ehemalige Produzentin Laurie MacDonald kürzlich. Kein Wunder, schließlich wurde der Agenten-Komödie kaum Neues hinzugefügt. Die wenig originelle Reise der neuen Agentin M gleicht der des jungen Will Smith im Jahr 1997.

Unbemerkt beobachtet ein kleines Mädchen, wie ihre Eltern bei der Jagd auf ein blaues Zottelalien von MIB-Agenten geblitzdingst werden. Das niedliche Wesen lässt sie schwer beeindruckt fliehen. Jahre später ist Molly (gespielt von Tessa Thompson) eine erwachsene Frau und noch immer fasziniert von diesem mysteriösen Vorfall. Aller Verschwiegenheit zum Trotz kann sie die Geheimorganisation ausfindig machen und wird von der taffen Agentin O (die großartige Emma Thompson) rekrutiert. Unter der Aufsicht des Londoner Behördenchefs High T (Liam Neeson) reist die neue Agentin M nun gemeinsam mit Agent H (Chris Hemsworth) quer durch die Welt, um einen internen Maulwurf zu enttarnen, der eine wichtige Information an Aliens gegeben haben muss.

Einfallsloser Plot erschwert tiefsinnige Gespräche

Bei ihrer Suche bekommen es Agentin M und Agent H in alter Manier mit verschiedensten Aliens zu tun: von den aus dem ersten Teil bekannten Schaben über einen sprechenden Vollbart, Wesen mit vier Augen und sechs Ohren bis hin zu einer Waffenhändlerin, mit der H einst eine Beziehung führte, ist alles dabei, das Fan-Herzen höher schlagen lassen könnte. Für neutrale Zuschauer sind jedoch die einfallslose Story und anspruchslose Comedy auffälliger als jedes breakdancende Alien oder Jérôme Boatengs äußerst unspektakulärer Cameo-Auftritt.

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Fußballstar Jérôme Boateng hat einen sekundenschnellen Cameo-Auftritt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Unglücklich ist in dem Blockbuster auch die mangelnde Chemie zwischen den Darstellern. Dass sie vor und hinter der Kamera gut miteinander auskommen, hatten Chris Hemsworth und Tessa Thompson eigentlich schon als Thor und Valkyrie in "Thor: Tag der Entscheidung" und "Avengers: Endgame" unter Beweis gestellt. Hier aber sind ihre Dialoge oberflächlich und ihre klischeehaften Charaktere - eine übereifrige Newcomerin, die sich beweisen will, und ein pubertärer Agent, der seine Hürden mit mehr Glück als Verstand bewältigt - schaffen es nicht auf eine Wellenlänge. Die wenigen Momente, in denen tiefsinnigere Gespräche zustandekommen könnten, werden nicht genutzt.

Auch der Versuch, durch weibliche Besetzung und provozierende Kommentare der männerdominierten Behörde (die schließlich immer noch "MEN in Black" heißt) eine Prise Feminismus einzuhauchen, schlägt leider bis auf ein paar Schmunzel-Momente fehl. Trotz großartiger Besetzung und netter Effekte bleibt ein liebloser Sci-Fi-Film übrig, der mit aufgewärmten Ideen noch einmal - und bestimmt nicht zum letzten Mal - neue Gewinne erzielen soll. Ähnlich wie beim Essen gilt jedoch auch hier: Nicht alles Aufgewärmte schmeckt.

"Men In Black: International" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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