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"28 Years Later" -Teil 2 von 3Blutiges Chaos und zarte Bande im "Bone Temple"

15.01.2026, 16:10 Uhr WhatsApp Image 2026-01-13 at 15.49.10Von Nicole Ankelmann
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Dr. Ian Kelson (Ralph Fiennes) gibt zum Ende hin wirklich alles. (Foto: Sony Pictures )

Der zweite Teil der "28 Years Later"-Trilogie setzt die Ereignisse aus seinem Vorgänger nahtlos fort. Doch sind dieses Mal nicht die Wutvirus-Infizierten die Monster. In "The Bone Temple" geht es um Hass und Hoffnung, erzählt mit viel Wahnsinn und schwarzem Humor.

So ganz genau durfte man den Titel "28 Years Later" beim Start der neuen Trilogie im vergangenen Jahr nicht nehmen, lag der Auftakt der postapokalyptischen Filmreihe namens "28 Days Later" doch keine 28, sondern nur 23 Jahre zurück. Erst 18 Jahre waren es sogar seit dessen Fortsetzung "28 Weeks Later". Und die Welt hatte sich seit Jims (Cillian Murphy) Erwachen im ersten Teil und den Ereignissen im von Nato-Truppen und infizierten Wutbürgern besetzten England in der zweiten Episode nicht zum Guten entwickelt.

Erneut unter der Regie von Debüt-Macher Danny Boyle folgten wir 2025 Spike (Alfie Williams) und seinem Vater Jamie (Aaron Taylor-Johnson). Die zwei mussten sich außerhalb ihres Zuhauses, einer zum Schutz Nicht-Infizierter erbauten Festung, durch die von Slow-lows und Alphas besetzten Wälder der Insel Lindisfarne schlagen - unweit des unter Quarantäne stehenden Großbritanniens, abgeschnitten von der Außenwelt. Am Ende war ihr Verhältnis zerrüttet, Spikes Mutter tot und der Zwölfjährige auf sich allein gestellt. Bis er auf eine Gruppe blondperückter Martial-Arts-Kämpfer in Trainingsanzügen stieß. Hier war der erste von drei Filmen zu Ende.

Direkter Anschluss an Teil eins

Gut ein Jahr später kommt nun Teil zwei der Trilogie in die Kinos und rückt - dieses Mal unter der Regie von Nia DaCosta - den schon im Vorspiel eingeführten "Bone Temple" von Dr. Ian Kelson thematisch in den Fokus. Nicht nur die Dreharbeiten in den englischen Grafschaften County Durham und Northumberland fanden direkt im Anschluss an die des Vorgängers statt, auch die Ereignisse schließen unmittelbar an das Ende von Teil eins an.

Spike ist jetzt also mit Jimmy Crystal (Jack O'Connell) und seiner ihm hörigen Fan-Schar unterwegs, die die umherlaufenden Infizierten nonchalant im Vorbeigehen erledigen. Doch mangelt es der fanatischen Truppe, in der sich alle Jimmy nennen, nicht nur den geifernden Untoten gegenüber an Empathie, sondern auch all jenen, die sich wie sie bis jetzt am Leben halten konnten. Ja, nicht einmal untereinander ist man voreinander sicher.

Nachdem Spike in die Gruppe aufgenommen wurde, streunt er eher widerwillig mit den durchgeknallten Jimmys herum, die völlig abgestumpft eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Vor allem Mobbing-Anführer Jimmy, der sich von seiner Gefolgschaft wie ein Sektenguru feiern lässt, kennt kein Pardon, wenn es darum geht, andere und auch seine eigenen Leute zu demütigen. Er selbst hält sich für den Sohn Satans und konnte seine Anhänger davon ebenfalls überzeugen.

Fulminantes Finale im Knochentempel

Zur selben Zeit macht auch Dr. Kelson dort weiter, wo er aufgehört hat und versucht, das Wutvirus und seine Infizierten zu ergründen. Als ihm der ebenfalls aus dem ersten Teil bekannte Alpha Samson (Chi-Lewis Perry) - ein körperlich allen anderen weit überlegener Infizierter - in die Falle geht, kommt er der Sache ein großes Stück näher. In Samson steckt offenbar ein Rest Menschlichkeit, der mithilfe von Drogen und therapeutischen Gesprächen langsam an die Oberfläche seines eingeschränkten Bewusstseins tritt. Als die Jimmys dann auf Kelson und seinen Knochentempel stoßen, gipfelt das in einem fulminanten Finale. Als Vorklapp zu den zu erwartenden Ereignissen im dritten Teil gibt es dann noch ein kurzes Wiedersehen mit Cillian Murphy alias Jim aus "28 Days Later".

Das Drehbuch zu "The Bone Temple" stammt von Alex Garland, der bereits die ersten beiden Filme geschrieben hat. Regisseur Danny Boyle fungierte als einer von mehreren Produzenten. Entstanden ist so ein Film, der natürlich nicht die Wucht des allerersten Teils von 2002 erreicht. Das ist schon allein dem Umstand geschuldet, dass man die postapokalyptische Welt und ihre Wutbürger inzwischen kennt. Die gelegentlich eingestreuten Splatter-Momente sind zwar weiterhin shocking und nur schwer zu ertragen, aber die große Überraschung bleibt diesbezüglich aus.

Zwischen Zerstörung und Hoffnung

Stattdessen setzt "The Bone Temple" auf Gegensätze: Hass und Zerstörung auf der einen, Hoffnung und Menschlichkeit auf der anderen Seite. Nicht die Infizierten sind die Bösen, Menschen wie Jimmy sind es. Und auch er trägt in all seinem Irrsinn Verletzungen mit sich herum, die tief sitzen und ihn zu dem gemacht haben, das er heute ist: ein Monster.

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Jimmy (Jack O'Connell) und seine Jimmys. (Foto: Sony Pictures)

"The Bone Temple" führt also das fort, was "28 Years Later" begonnen hat, hat aber noch einmal deutlich mehr schwarzen Humor an Bord. Das ist die Coming-of-Age-Geschichte von Spike, der allerdings unter der Fuchtel der Jimmys über weite Strecken zu einer Randfigur degradiert wird. Am Ende aber kommen die Fäden bei ihm wieder zusammen. Dr. Kelson als zweite Konstante und großer Hoffnungsträger sorgt zudem für die leichten Momente, die sich aus seinem fast zärtlichen Umgang mit Samson ergeben, aber auch durch seine Vorliebe für Duran Duran (und Radiohead), zu deren Platten er bis heute in seiner unterirdischen Behausung tanzt. Und allein die Performance von Ralph Fiennes im so grotesken wie amüsanten Finale ist den Kinobesuch wert.

"The Bone Temple" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de

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