Kino

Matt Damon soll in "Elysium" die Menschheit retten Brüder, zur Sonne, zur Freiheit

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Nicht ganz losgelöst von der Erde: Elysium schwebt über dem blauen Planeten.

Sony Pictures Releasing GmbH

Über den Wolken ist die Freiheit grenzenlos. Denn wenn man sehr, sehr reich ist, lebt man auf der Raumstation Elysium und alle Sorgen sind vergessen. Auf der Erde dagegen herrscht die Apokalypse. Kein Wunder, dass "District 9"-Regisseur Neill Blomkamp einen Helden losschickt, der für Gerechtigkeit sorgen soll.

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Matt Damon trainierte täglich bis zu vier Stunden, um sich die Figur eines Weltenretters zuzulegen.

(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

Elysium, das ist die Insel der Seligen in der griechischen Mythologie. Es ist der Ort am äußersten Erdenkreis, der von unsterblichen Helden bewohnt wird, die im ewigen Frühling über Wiesen wandeln und Nektar schlürfen. Es ist ein Paradies. Elysium, so heißt auch die Raumstation in Form eines Ringes, die im Jahr 2154 über der Erde kreist. Sie wird bewohnt von den Superreichen, von makellosen Menschen, die von Robotern bedient und beschützt werden. Es ist ein Ort ohne Leid, in dem Krankheiten binnen Sekunden von Maschinen erkannt und geheilt werden.

Doch diese paradiesischen Zustände gelten nicht überall. Während die Raumstation wie eine "Gated Community" des 22. Jahrhunderts daherkommt, herrschen auf der Erde Armut und Gewalt. Die Städte sind übervölkert, die Wirtschaft liegt am Boden, eine medizinische Versorgung gibt es nur auf niedrigem Niveau.

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Delacourt kennt keine Gnade: Wer unrechtmäßig Elysium betreten will, wird abgeschossen.

(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

Die Raumstation Elysium und die apokalyptische Erde sind die beiden Schauplätze des neuen Films von Neill Blomkamp. "Elysium" will nicht nur ein Science-Fiction-Film sein, starbesetzt mit Matt Damon und Jodie Foster, sondern auch ein Spiegelbild der heutigen westlichen Gesellschaft, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinanderklafft. Dem Südafrikaner Blomkamp liegt diese Vermischung von Zukunftsvision und politischem Kommentar. Bereits sein Erstlingswerk "Distric 9" war eine bittere Abrechnung mit dem Umgang mit (außerirdischen) Flüchtlingen, die in einem Slum leben müssen. Der Film wurde international ein großer Erfolg und für vier Oscars nominiert. Kein Wunder also, dass Blomkamp nun die Möglichkeit bekam, einen großen Hollywood-Film zu drehen.

Ein Meer aus Hütten und Baracken

Doch der schöne Schein der Traumfabrik ist nicht Blomkamps Welt: "Elysium" ist ein zutiefst dystopischer Film, eine pessimistische Zukunftsvision - zumindest für den Großteil der Bevölkerung. Das wird gleich zu Beginn klar, wenn die Kamera über das Los Angeles der Zukunft schwenkt und ein Meer aus Hütten und Baracken zeigt, in denen die Menschen hausen. Hier herrscht das Recht des Stärkeren. Hier schuftet Max DeCosta (ein tätowiertes Muskelpaket: Matt Damon, "Promised Land") in einer Fabrik des Waffenproduzenten und Elysium-Bewohners John Carlyle (William Fichtner, "The Lone Ranger"). Doch es kommt zu einem Arbeitsunfall und Max wird mitgeteilt, dass er nur noch fünf Tage zu leben hat. Eine Lösung wäre, nach Elysium zu reisen und sich dort heilen zu lassen. Damit könnte er auch der kranken Tochter seiner alten Freundin Frey (Alice Braga, "City of God") helfen.

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Max muss sich mit dem Söldner Kruger auseinandersetzen.

(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

Doch für normale Menschen wie Max ist Elysium unerreichbar. Dafür sorgt die Verteidigungsministerin der Raumstation, Delacourt (eiskalt: Jodie Foster, "Contact"). Sie lässt illegale Raumschiffe, die Elysium ansteuern, gnadenlos abschießen. Zur Hilfe kommt Max jedoch Unterweltboss Spider (Wagner Moura, "Tropa de Elite"). Der organisiert illegale Flüge nach Elysium, fordert im Gegenzug jedoch Max' Unterstützung bei einem Überfall auf Carlyle. Dabei werden geheime Daten der Raumstation in Max' Speicher im Kopf übertragen. Deshalb wird er nun nicht nur von Delacourt und ihrem Söldner Kruger (Sharlto Copley, "District 9") gejagt, er hätte auch die Möglichkeit, mit den Daten alle Erdbewohner zu Bürgern von Elysium zu erklären und ihnen damit einen Ausweg aus der Armut zu ermöglichen. Aber erst mal muss er dorthin gelangen - und zwar, bevor er an den Folgen des Unfalls stirbt.

Dass Blomkamp dieses bildgewaltige Science-Fiction-Action-Abenteuer auch als politische Parabel versteht, erkennt man schon an den Drehorten. Mexiko-Stadt musste als L.A. der Zukunft herhalten, aus Vancouver wurde das paradiesische Elysium: Es sind zwei ganz verschiedene Welten auf demselben Kontinent. Und so drehte die Filmcrew aus Hollywood, dessen Villen die Vorbilder für die Häuser auf Elysium abgaben, auch in mexikanischen Slums, die nicht weit von dem entfernt sein dürften, was der Zuschauer als apokalyptisches L.A. sieht.

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Max' alte Freundin Frey sorgt sich um ihre Tochter.

(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

Vielleicht ist gerade deshalb die Stärke des Films gar nicht die moderne Raumstation, die gleich von mehreren Spezialeffekte-Firmen erschaffen wurde. Die Stärke des Films ist der erste Teil, der vor allem auf der Erde spielt. Denn hier wird eine Welt gezeigt, die es sicher bereits in der Gegenwart gibt - nur eben nicht in den USA. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Denn die Apokalypse, die jede Ordnung hinwegfegt, resultiert hier eben nicht, wie in fast allen Science-Fiction-Filmen, aus einer Katastrophe, sondern sie denkt lediglich gegenwärtige Entwicklungen zu Ende. Dass Blomkamp das Thema Gesundheit in den Mittelpunkt seines Films stellt, ist dann nur folgerichtig, denn es ist nicht nur von elementarer Bedeutung für jeden Menschen, sondern auch ein Bereich, der gerade in den USA von großen Unterschieden und hitzigen Debatten geprägt ist.

Mit der Handkamera durch den Slum

Die da oben und wir hier unten - das ist der zugegeben etwas einfache Tenor des Films. Unterstrichen wird dies durch die filmischen Mittel. Während das Leben in den Slums der Erde mit verwackelter Handkamera eingefangen wird und entsprechend lebendig, aber auch bedrohlich wirkt, erstrahlt Elysium als properes Paradies mit weißen Villen, ausschweifenden Gärten und Seen. Bei der Entwicklung der Himmelsstadt orientierten sich die Designer nicht nur an realen Luxusvierteln, sondern auch an wissenschaftlichen Konzepten zur Stadtentwicklung.

Trotzdem wirkt Elysium, sieht man von den Waffen und Robotern ab, nicht so modern, wie man sich das Jahr 2154 vorstellt. Und genau das ist das Problem des Films: So überzeugend die Darstellung der apokalyptischen Erde und seiner ums Überleben kämpfenden Bewohner auch ist - das Konzept von Elysium wirkt demgegenüber zu aufgesetzt, zu plakativ. Die bösen Reichen, die sich abschotten, bleiben eine undefinierte Masse, die nur durch eine skrupellose Verteidigungsministerin und einen fiesen Waffenfabrikanten repräsentiert werden. Nicht erklärt werden jedoch soziale und politische Hintergründe oder überhaupt die Entstehung der Raumstation. Und wer glaubt schon, dass es in gut 140 Jahren wirklich eine Maschine gibt, die selbst Krankheiten wie Leukämie in Sekundenschnelle restlos heilt.

So verblasst, je näher Max der Raumstation kommt, auch immer mehr der sozialkritische Anspruch des Films. "Elysium" wandelt sich zum Action-Film, der mit möglichst viel Spezialeffekten und Explosionen, mit ausgefeilten Szenerien und den freilich beeindruckenden Bildern prunken will. Die Handlungsfäden, die im ersten Teil sorgsam aufgebaut wurden, explodieren da gleich mit. Zumal Max selbst seine Menschlichkeit immer mehr ablegt, zur Mensch-Maschine mutiert und in die Rolle eines Erlösers hineinwächst. Er entschwindet in die Mythologie - die alten Griechen hätten ihren Spaß an ihm gehabt.

"Elysium" startet am 15. August in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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