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"Das Drama" im KinoWie viel Wahrheit verträgt die Liebe?

02.04.2026, 16:19 Uhr
imageVon Claudia Spitzkowski
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Der Moment der Eskalation: Zendaya und Robert Pattinson als Emma und Charlie im Film "Das Drama". (Foto: IMAGO/Landmark Media)

Emma und Charlie planen ihre Hochzeit. Doch ein weinseliger Abend öffnet die Büchse der Pandora. "Das Drama" mit Zendaya und Robert Pattinson nimmt seinen Lauf und stellt uns alle vor die Frage: Wie gut kenne ich meinen Partner wirklich?

Wissen Sie und Ihr Partner oder Ihre Partnerin alles voneinander? Kennen sie alle Jugendsünden des anderen und lachen im Idealfall gemeinsam darüber? Wie viel Offenheit verträgt - oder braucht - die Liebe? Was sich hier nach genug Stoff für intensive Paartherapie-Stunden liest, ist das Thema von Kristoffer Borglis Film "Das Drama - Noch einmal auf Anfang" mit Zendaya und Robert Pattinson in den Hauptrollen. Und so viel sei vorweggesagt, ohne großartig zu spoilern: Manche Leichen sollten auch in der besten Beziehung im Keller bleiben.

Doch beginnen wir da, wo so viele romantische Filmkomödien ihren typischen Anfang nehmen: in einem Café. Dort verguckt sich Charlie (Robert Patterson), ein linkischer Brite, in die schöne Amerikanerin Emma (Zendaya). Während ein sehr ähnliches Setting in Romantik-Klassikern wie "Notting Hill" oder "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" dem Zuschauer schnell das wohlig-warme Gefühl vermittelt, dass die ungleichen Protagonisten trotz aller Widerstände und kultureller Unterschiede wie füreinander gemacht sind und natürlich ein Happy End haben werden, liegt über dem Kennenlernen in "Das Drama" bereits der Hauch einer Vorahnung, dass dieses Märchen möglicherweise nicht gut ausgehen könnte. Borgli setzt schon in dieser Anfangsszene auf unheimliche Umgebungsgeräusche, die abrupt verstummen, scheinbar unmotivierte Nahaufnahmen, und im Soundtrack ertönen dissonante Bläserklänge. RomCom? Gruselfilm? Man weiß es nicht so genau. Das dadurch schon zu Beginn ausgelöste Unbehagen wird sich wie ein roter Faden durch den Film ziehen.

Hätte Emma doch bloß geschwiegen

Charlie spricht Emma an. Er erzählt ihr, dass er das Buch, das sie im Café liest, auch gerade gelesen hat. Eine Lüge. Nur Sekunden zuvor hat er heimlich den Buchtitel abfotografiert und sich online Rezensionen durchgelesen. Stalker-Verhalten? Absolut! Fast möchte man Emma wünschen, dass sie auf seine Anmache nicht eingeht. Und tatsächlich scheint sie seinen gestammelten Flirtversuch zunächst einfach zu ignorieren - bis sich herausstellt: Emma ist auf diesem Ohr taub. Also, wortwörtlich taub. Sie hört rechts nichts. Der Grund dafür wird später noch für einen Schockmoment im Film herhalten. Doch zunächst führt das Missverständnis zu einem ersten Date. Und irgendwann kommt der Moment, in dem Emma Charlie zum ersten Mal öffentlich als ihren "Boyfriend" bezeichnet. Dass sich die Schmetterlinge in ihrem Bauch dabei in Form einer ausgewachsenen Panikattacke mit Herzrasen und Luftnot zu Wort melden, ist nur ein weiteres düsteres Omen, mit dem Borgli dem Zuschauer signalisiert: Stellt euch bloß auf keine Hugh-Grant-Julia-Roberts-Schmonzette ein. Etwas mehr Chemie hätte Emma und Charlie dennoch gutgetan. Was die beiden wirklich verbindet - außer gutem Sex, zumindest laut Charlie - ist nämlich den Film über niemals offensichtlich genug, um ihnen als Zuschauer für ein Happy End ernsthaft die Daumen zu drücken. Zu ungleich wirkt das Paar. Zu verkrampft und verkopft seine Beziehung.

Zunächst scheint sich allerdings trotz alledem ein gutes Ende anzubahnen, denn wir treffen Emma und Charlie kurz vor ihrer Hochzeit. Beim Testessen im Restaurant mit ihren Trauzeugen Rachel (Alana Haim) und Mike (Mamoudou Athie) kommt es dann allerdings nur Tage vor dem Jawort zum Eklat. Weinselig beschließen die zwei Paare, sich die schlimmsten Dinge, die sie je getan haben, zu erzählen. Und was Emma aus ihrer Vergangenheit zutage fördert, lässt sie in Charlies Augen zu einer ganz anderen Frau werden als die, die er zu kennen und lieben glaubte. Er und sein Freund Mike sind fassungslos, Rachel aus persönlichen Gründen sogar wütend. Die Büchse der Pandora ist geöffnet und nichts ist mehr, wie es vorher war.

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Machen bei der Hochzeitsfotografin gute Miene zum bösen Spiel: Charlie (Robert Pattinson) und Emma (Zendaya). (Foto: IMAGO/Landmark Media)

Den Rest des Films ist Charlie nun damit beschäftigt, Emmas düsteres Geheimnis zu verdauen und seine fortschreitende Panik zu verarbeiten, bald eine Person heiraten zu müssen, die nun plötzlich eine Fremde für ihn zu sein scheint. Borgli lässt den Zuschauer dieses Dilemma dabei konsequent aus Charlies Perspektive erleben. Selbst in Szenen, in denen Emma und er zusammen zu sehen sind, etwa bei einem wirklich sehr schlecht getimten Termin bei ihrer Hochzeitsfotografin, wird stets die Perspektive des Bräutigams in spe bevorzugt. Ein wohl durchaus beabsichtigter Schachzug von Borgli, um das Publikum zu einem "Was-würdest-du-tun?"-Gedankenexperiment einzuladen.

Pattinson spielt Charlies wachsende Nervosität, seine Unsicherheit und seinen zwanghaft rationalen Dialog mit sich selbst meisterhaft und mit viel Mut zur Peinlichkeit. Wer zum Fremdschämen neigt, wird sich bei "Das Drama" generell immer mal wieder die Augen zuhalten wollen, denn in manchen Szenen mag man gar nicht hingucken, so unangenehm sind sie.

Nicht Fisch, nicht Fleisch

Obwohl viele dieser Momente durchaus Comedy-Charakter haben, bleibt einem das Lachen oftmals im Hals stecken, denn der Film verweigert konsequent, sich einem Genre zuordnen zu lassen. Daher bleibt er ein - leider etwas zielloser - Wanderer zwischen den Welten. "Das Drama - Noch einmal auf Anfang" erreicht nie die Leichtigkeit einer vollwertigen Komödie, immer bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Und für die tragische Schwere eines echten Dramas nimmt Borgli seine Protagonisten und auch den Auslöser für die voreheliche Krise nicht ernst genug.

Denn während Charlie im Laufe des Films seine moralische Überhöhung selbst immer konsequenter torpediert, verliert Emmas Geständnis mehr und mehr an Gewicht. So wird niemals aufgearbeitet, dass sie für das, was sie an diesem verhängnisvollen Abend ausplaudert, auch rückblickend keine Reue zu empfinden scheint und letztendlich nur durch äußere Umstände davon abgehalten wurde - nicht etwa aus Einsicht. Durchaus nachvollziehbar, dass wegen dieses inhaltlichen Schachzugs vor allem in den USA Kritik an "The Drama", wie der Film schlicht und unversöhnlich im Original heißt, laut wurde. Eine geplante Gewalttat als Plot Twist für komische Verwicklungen zu benutzen und die potenzielle Täterin auch noch von Fanliebling Zendaya spielen zu lassen, die dem Zuschauer viel Mitgefühl für Emma abringen kann, sorgte in den Staaten für nachvollziehbaren Unmut bei Angehörigen und Opfern. Dabei wäre das düstere Geheimnis, das ihre Trauzeugin Rachel an dem verhängnisvollen Abend beichtet, eigentlich auch schon schrecklich genug gewesen.

Wer aktuell eine Hochzeit plant und dem Zukünftigen oder der Zukünftigen (noch) nicht alle Jugendsünden gebeichtet hat, sollte vielleicht vom gemeinsamen Kinobesuch absehen und auch den Trauzeugen davon abraten. Nicht auszudenken, was im Anschluss bei einem Glas Wein ans Licht kommen könnte. Wer sich trotzdem der Frage "Was ist das Schlimmste, das du je in deinem Leben getan hast?" stellen will, für den bietet "Das Drama - Noch einmal auf Anfang" schwarzen Humor, eine Prise bittere Gesellschaftskritik und viel Stoff für Diskussionen, ist dabei aber weder Fisch noch Fleisch. Und das konsequente Verweigern jeglicher Wohlfühl-Romantik hätte dem Film auch bis zum Ende gut gestanden. So aber weht dann doch - und da möchte man tatsächlich fast sagen: leider - ein Hauch "Notting Hill" durch die letzte Filmszene.

"Das Drama - Noch einmal auf Anfang" läuft ab dem 2. April in deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de

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