Kino

Guy Ritchie zu "The Gentlemen" "Das Leben hat mich zu lange abgelenkt"

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Regisseur Guy Ritchie im Gespräch mit seinen Schauspielern Matthew McConaughey und Charlie Hunnam (v.l.)

(Foto: Universum Film)

Fast 20 Jahre hat es gedauert, dass sich Guy Ritchie nach "Bube, Dame, König, grAs" und "Snatch" an seine dritte tiefschwarze Gaunerkomödie wagte. Nun endlich kommt "The Gentlemen" in die Kinos und der Regisseur verrät ntv.de im Interview, was ihn bisher aufgehalten hat.

Mit "Bube, Dame, König, grAs" von 1998 und dem drei Jahre später erschienenen "Snatch - Schweine und Diamanten" sichert sich Guy Ritchie mit Anfang 30 den Ruf als absoluter Kultregisseur. Vergleiche mit Quentin Tarantino werden gezogen, doch kann Ritchie dem in den folgenden Jahren nicht wirklich gerecht werden. Neben einem grandios gescheiterten "Stürmische Liebe - Swept Away" mit seiner damaligen Ehefrau Madonna in der Hauptrolle und Produktionen wie "Sherlock Holmes" und "King Arthur" liefert er 2019 mit "Aladdin" seine erste Regiearbeit für Disney ab. Durchaus mit kommerziellem Erfolg, aber auch zum Entsetzen seiner altgedienten Fans.

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Die können sich jetzt endlich über "The Gentlemen" freuen, denn die schwarze Gaunerkomödie ist mit Matthew McConaughey, Hugh Grant, Charlie Hunnam und Collin Farrell nicht nur hochkarätig bestetzt. Auch hat der inzwischen 52 Jahre alte Ritchie mit diesem Film zur alten Form zurückgefunden. Was ihn davon so lange abhielt, erklärte er im kurzen Interview mit ntv.de.

Mr. Ritchie, die Fans Ihrer ersten beiden Filme haben gut 20 Jahre auf diesen Moment warten müssen. Warum hat es so lange gedauert?

Guy Ritchie: Ich war irgendwie abgelenkt. Das Leben hat mich zu lange abgelenkt (lacht). Manchmal ist es besser, nicht zu sehr über die Dinge nachzudenken, sondern sie einfach zu machen. Es gibt eine Zeit zum Denken und eine zum Machen. Und ich habe die letzten 18 Jahre zu viel in dieser Richtung nachgedacht und zu wenig getan. Das soll jetzt anders werden.

Was war der schwierigste Part beim Schreiben des Drehbuchs zu "The Gentlemen"? Der verschachtelte Plot mit all seinen Handlungssträngen, die Entwicklung der Charaktere oder die pointierten Dialoge?

Die Dialoge sind ganz einfach zu schreiben. Den Plot zu entwickeln, ist wohl am schwierigsten, denn jeder einzelne Handlungsstrang muss zum Finale passen, alles muss ineinander übergehen. Das ist kompliziert. Es ist einfach, mit den Charakteren Spaß zu haben, aber am Ende muss jeder seinen Zweck erfüllen, es muss einen Sinn ergeben, dass diese Figuren in der Geschichte eine Rolle spielen. Ich mag keine Filme, die keine richtige Geschichte verfolgen. Es soll Leute geben, die auf ein vernünftiges Ende keinen Wert legen. Auch zu denen gehöre ich nicht. Ich mag einen Anfang, eine Mitte und ein Ende bei einem Film. (lacht)

Womit beginnen Sie, wenn Sie eine solche Geschichte entwickeln? Mit dem Anfang oder dem Ende? Oder vielleicht mit einem bestimmten Bild, einer Figur oder einem Sujet, das Sie unbedingt erzählen wollen?

Das ist eine gute Frage. Es passiert am ehesten so, dass mir jemand etwas erzählt, was ich für eine lustige Idee halte und das sich dann etwa in der Mitte des Films wiederfindet. Von dort aus entwickele ich die Geschichte. So kommen immer mehr Aspekte hinzu und ich weiß vorher nicht, wohin die Reise geht. Auf diese Weise wird die Geschichte geboren.

Haben Sie bei der Entwicklung der Charaktere schon einen Cast vor Augen?

Nein, nicht wirklich. Ich habe eine Reihe von Schauspielern im Kopf, die immer wieder aufploppen, und die ordne ich dann nach und nach den Rollen zu.

An welcher Stelle wussten Sie, dass Hugh Grant der perfekte Fletcher sein würde beziehungsweise wann wusste er, dass er es ist?

Ich dachte zunächst gar nicht, dass er so witzig ist, bis ich irgendwann über ihn gestolpert bin. Ihn für die Rolle auszuwählen war also ein recht organischer Prozess, weil wir uns einfach über den Weg gelaufen sind.

Und er sofort Ja gesagt?

Nein, dem geht immer ein sehr langer, schmerzhafter Dialog voraus, in dem es ums Geschäft geht. Aber man weiß schon früh, ob das was wird oder nicht.

Mit Guy Ritchie sprach Nicole Ankelmann

"The Gentlemen" läuft ab dem 27. Februar in den Kinos.

Quelle: ntv.de, nan