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Umstrittenes Biopic "Michael"Der "King of Pop" ist auferstanden

22.04.2026, 15:29 Uhr Foto-Volker-ProbstVon Volker Probst
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Der "King of Pop" tanzt wieder: Jaafar Jackson in "Michael". (Foto: IMAGO/Landmark Media)

Eine Filmbiografie über Michael Jackson? "Ja, klar, wird höchste Zeit", rufen die einen, während andere den in Verruf geratenen "King of Pop" am liebsten noch posthum canceln würden. Wer Recht bekommt, wird sich nun zeigen: "Michael" kommt ins Kino.

Das Timing war für die "Michael"-Macher denkbar schlecht. Pünktlich zum Premieren-Rummel ihrer Film-Biografie über Michael Jackson tauchten neue Vorwürfe und Fotos auf, die wieder einmal Öl ins Feuer der Missbrauchsvorwürfe gegen den einstigen "King of Pop" gossen.

Rund 30 Jahre nach den angeblichen Vorfällen und 17 Jahre nach Jacksons Tod beschuldigt nun auch die Familie Cascio den Sänger, sich an ihren damals minderjährigen Söhnen vergangen zu haben. Eine Familie, die lange zum engen Dunstkreis Jacksons gerechnet wurde und all die Jahre kein schlechtes Wort über den Star verloren hatte. Im Gegenteil: Noch 2010 - im Jahr nach Jacksons Tod - verteidigte sie ihn in der "Oprah Winfrey Show" vehement.

Jetzt aber veröffentlichte sie seltsam anmutende Fotos, die den Sänger mit den Cascio-Jungs auf dem Schoß oder im Arm zeigen. Die Kinder sind oberkörperfrei, nur mit einer Badehose oder mit T-Shirt und kurzer Hose bekleidet. Auf einem Bild scheint der damals neunjährige Dominic Cascio angespannt in die Kamera zu blicken.

Juristisch nie belangt

Ja, die Fotos muten seltsam an. Irgendeine Art von Beweis sind sie jedoch nicht. Die Frage, ob Jackson tatsächlich Minderjährige gezielt missbraucht, die Grenzen seiner Kinderliebe nicht erkannt oder womöglich gar nichts Unredliches getan hat, ist längst zur Glaubensfrage mutiert. Eindeutig beantwortet wird sie vielleicht nie.

Juristisch jedenfalls konnte dem Musiker nie etwas angelastet werden. Ermittlungsverfahren wurden eingestellt. Als es dann doch zum Prozess kam, wurde Jackson 2005 in allen Anklagepunkten freigesprochen.

Doch der Makel der unbewiesenen Vorwürfe wirft nach wie vor einen Schatten auf den "King of Pop", der mit nur 50 Jahren nach einer Überdosierung mit dem Narkosemittel Propofol aus dem Leben schied. Einen so langen Schatten, dass die Rufe ihn noch posthum zu canceln, nicht verstummen. Und dass seine Würdigung im Biopic "Michael" nicht bei allen die helle Begeisterung entfacht.

Ist "Michael" nur Teil eins?

Auch Michael Jacksons Tochter Paris ist von "Michael" nicht angetan. Das jedoch wohl weniger, weil sie ihren Vater für einen Sexualstraftäter hält, sondern weil sie Kritik an der Darstellung der familiären Beziehungen in dem Film hat. Dementsprechend fehlte sie, als "Michael" am 10. April seine große Weltpremiere in Berlin feierte. Ihre Brüder Prince und Bigi indes waren gekommen. Ebenso wie zahlreiche andere Mitglieder des Jackson-Clans - allen voran die noch lebenden Brüder des "King of Pop", Jermaine, Jackie und Marlon.

Dabei ist die Handlung von "Michael" eigentlich - erst einmal - total unverfänglich. Der Film beleuchtet schließlich nur die Zeit von Michael Jacksons 70er-Jahre-Karriere als Kinderstar mit den Jackson Five bis zu seinem Aufstieg zum ultimativen Superstar mit "Thriller" (1982) und den ersten Anklängen von "Bad" (1987). Eine Zeit weit vor den ersten Missbrauchsvorwürfen gegen den Sänger, in der auch die 1998 zur Welt gekommene Paris noch lange nicht geboren war.

Sehr wahrscheinlich ist allerdings, dass "Michael", solange er nicht total floppt, noch eine Fortsetzung bekommen wird, für die dann erst die wirklich brisanten Fragen relevant werden. Nicht nur der Verleih hat bereits angedeutet, dass ein Zweiteiler zu erwarten ist. Am Ende von "Michael" ist auch der vielsagende Hinweis zu lesen: "Seine Story geht weiter."

Zwei Michael-Jackson-Darsteller

Zudem gab es Berichte darüber, dass umfangreiche Nachdrehs für das Biopic nötig gewesen seien. Der Grund: Die Filmemacher sollen zunächst eine juristisch vereinbarte Übereinkunft mit Jordan Chandler übersehen haben. Die Klausel untersage jegliche filmische Darstellung oder Erwähnung des Mannes, der 1993 erstmals Missbrauchsvorwürfe gegen den Sänger erhoben hatte, heißt es.

Wenn nun aber Chandler nachträglich aus dem Drehmaterial getilgt werden musste, kann sich das nur auf Szenen beziehen, die in der in "Michael" gezeigten Epoche noch keine Rolle spielen - der 1980 geborene Chandler begegnete Jackson erst 1992 zum ersten Mal. Wenigstens Teile einer Fortsetzung müssten demnach also bereits im Kasten sein.

Betrachtet man "Michael" ohne all diesen Ballast, dann ist ein Biopic herausgekommen, das sich mehr als nur sehen lassen kann. Zu verdanken ist das nicht zuletzt den beiden Darstellern des "King of Pop". Der zwölfjährige Juliano Valdi verkörpert Michael Jackson im Kindesalter und legt bei seinem großen Filmdebüt nicht nur einen "James-Brown-Spagat" hin, der das Publikum mit den Ohren schlackern lässt. Auch Jaafar Jackson feiert in dem Streifen als erwachsener Michael Jackson seine Premiere im Schauspielfach.

Fataler Pepsi-Werbedreh

Der 29-Jährige ist kein Geringerer als der Sohn von Jermaine Jackson und somit ein Neffe des "King of Pop". Seinem Onkel sieht er nicht nur beinahe wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich. Er hat dessen ikonische Moves - vom Moonwalk bis zum Griff in den Schritt - auch derart gefressen, dass man glatt meinen könnte, Michael Jackson sei wiederauferstanden. Schauspielerisches Talent scheint ihm zudem in die Wiege gelegt worden zu sein. Nur in einem unterscheidet er sich von seinem berühmten Verwandten: Jaafar Jackson machte bei der Premiere in Berlin einen äußerst bodenständigen Eindruck, weit entfernt von der Entrücktheit seines Onkels.

Neben den beiden Michael-Jackson-Imitatoren brillieren in dem Film unter anderem KeiLyn Durrel Jones als der langjährige Bodyguard und Vertraute des Sängers, Bill Bray, Nia Long als Mutter Katherine Jackson und Colman Domingo in der Rolle des Patriarchen Joseph Jackson. Das verhängnisvolle Verhältnis zu seinem prügelnden Vater, auf das viele Aspekte der charakterlichen Entwicklung des menschenscheuen und kindlichen, aber ebenso ehrgeizigen, Michael Jackson zurückzuführen sein dürften, wird schonungslos seziert.

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Auch das "Thriller"-Video darf in "Michael" natürlich nicht unerwähnt bleiben. (Foto: IMAGO/Landmark Media)

Auch der fatale Unfall bei einem Werbedreh für Pepsi, auf den sich der Sänger - auf Drängen seines Vaters - 1984 eingelassen hatte, nimmt in dem Streifen breiten Raum ein. Die schweren Kopfverbrennungen, die Michael Jackson dabei erlitten hatte, und seine anschließende Einnahme von Schmerzmitteln, werden als Ursache seiner späteren Medikamentenabhängigkeit skizziert. Bis dahin habe er sogar Nein zu Aspirin gesagt.

Alles nur liebevolle Spleens?

Wenn man dem Film etwas ankreiden kann, dann dass er die vielen Absonderlichkeiten von Michael Jackson eher als skurrile Marotten abtut, denn als Ausdruck psychischer Instabilität. Dass er sich auch als Erwachsener noch ins Nimmerland von Peter Pan wünscht, Spielzeuge hortet oder sich lieber mit Tieren wie seinem legendären Schimpansen Bubbles als mit Menschen umgibt, wird in "Michael" nicht problematisiert, sondern zu liebevollen Spleens verklärt.

Dennoch: Den "Michael"-Machern rund um Regisseur Antoine Fuqua, der neben Filmen wie "Training Day" und "The Equalizer" auch zahlreiche Musikvideos in seiner Vita hat, und dem "Bohemian Rhapsody"-Produzenten Graham King ist ein überzeugendes Biopic über den Mann geglückt, den manche für den größten Entertainer aller Zeiten halten. Sollte ein zweiter Teil erscheinen, dürfte es noch genügend Gelegenheit geben, über das adäquate Licht, in dem der "King of Pop" erscheinen sollte, zu diskutieren. Bis dahin kann und darf man "Michael" aber auch ruhig mal genießen. Ob man nun ein Jackson-Fan ist oder auch nicht.

"Michael" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Quelle: ntv.de

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