Unterhaltung
"All' ihre Geheimnisse sind sicher - bei uns." Man möchte Mark Felt tatsächlich glauben.
"All' ihre Geheimnisse sind sicher - bei uns." Man möchte Mark Felt tatsächlich glauben.(Foto: dpa)
Mittwoch, 01. November 2017

Liam Neeson ist "A Secret Man": Der Mann, der "Deep Throat" war

Von Sabine Oelmann

Zwischen Pill-Box-Hütchen und Flatterkleid, zwischen Vietnamkrieg und "Give Peace a Chance" entwickelt sich der bis heute wohl größte Politskandal der USA. "A Secret Man" erzählt, wie es dazu kam - aus der Sicht des Whistleblowers "Deep Throat".

Was für eine Geschichte, was für ein Leben - wie anstrengend es gewesen sein muss. Eine Doppelrolle, eine verschwundene Tochter, eine frustrierte Frau, die ganze Nation, das Weiße Haus und die Kollegen im Nacken: Mark Felt war der Mann, der das Weiße Haus zum Einstürzen brachte. Der Originaltitel dieses packenden Polit-Thrillers heißt treffenderweise auch "The Man Who Brought The White House Down". Ja, wir haben eine Vorstellung davon, was "Watergate" war und wir denken sofort an Alan J. Pakulas Kinoklassiker "Die Unbestechlichen". Seit 1976 prägt dieser Film unser Bild dieses Skandals: Die Recherchen der von Dustin Hoffman und Robert Redford gespielten Journalisten Carl Bernstein und Bob Woodward und ihre Treffen mit dem Informanten "Deep Throat" - sie führten zum ersten Mal in der US-Geschichte zum Rücktritt eines Präsidenten.

Video

Jetzt erzählt "The Secret Man" die Geschichte erstmalig aus der anderen Sicht, aus der Sicht des Informanten, der der dafür gesorgt hat, dass gravierende Missbräuche von Regierungsvollmachten, die während Richards Nixons Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zwischen 1969 und 1974 geschehen sind, aufgedeckt wurden.

Der Name "Watergate" steht seit 45 Jahren für den vielleicht größten Politskandal der jüngeren Geschichte. Nun kommt "The Secret Man" dazu - mit einem großartigen, leisen, gebrochenen und feinfühligen Liam Neeson als Mark Felt, der als "Deep Throat" entscheidend zum Sturz von US-Präsident Nixon beitrug.

Verwirrung ist Kontrolle

Diane Lane als Ehefrau des FBI-Mannes Mark Felt: "Du hättest die Stelle bekommen sollen!"
Diane Lane als Ehefrau des FBI-Mannes Mark Felt: "Du hättest die Stelle bekommen sollen!"(Foto: dpa)

Die USA im Sommer 1972 - das ist eine gespaltene Nation zwischen Tradition und Aufbruch, zwischen Hippie-Kleid und Pill-Box-Hütchen, zwischen Aufrüstung und Friedensdemonstrationen, eine Nation, die durch Vietnam-Krieg und Bürgerrechtsbewegung extrem aufgeheizt ist - da schlägt "Watergate" ein wie eine Bombe. Der Film beginnt nach dem rätselhaften Einbruch in die Zentrale der Demokratischen Partei; die Journalisten - und der Rest des Landes - tappen im Dunkeln. Ein Mann jedoch weiß mehr: Mark Felt, Vize-Chef des FBI, kennt die Ermittlungsergebnisse (und noch vieles mehr) aus erster Hand und ist bereits früh von der Beteiligung der Nixon-Regierung überzeugt.

Weiterer Grund seines Misstrauens ist der neue, von Nixon eingesetzte FBI-Direktor Patrick Gray (Marton Csokas), der die Watergate-Ermittlungen auffällig schnell beenden will. Nach 30 Dienstjahren ist Mark Felt hin- und hergerissen zwischen seiner Loyalität zum FBI und seinem Verständnis von Recht und Moral. Seine Frau (Diane Lane) findet sowieo, dass er den Posten des FBI-Direktors nach dem Tod J. Edgar Hoovers hätte bekommen müssen. Müde und frustriert riskiert er schließlich alles und kontaktiert Bob Woodward (Julian Morris), Redakteur der Washington Post, um ihn mit streng geheimen Informationen zu versorgen. Bald jagt halb Washington den mysteriösen Whistleblower, besser bekannt als "Deep Throat", und fragt sich: "Wem kann ich trauen, wem nicht?"

"The Secret Man" erzählt aber auch die Geschichte eines Ehemannes, eine Familienvaters, Großvaters, eines Mannes, der sich beim Malen zu entspannen sucht, eines loyalen, seinen Mitarbeitern gegenüber verpflichteten Kollegen, der oft an sich und seinen eigenen Maßstäben zu zerbrechen droht.

Die Zeit der "Watergate"-Affäre - immer noch so faszinierend. Warum eigentlich? Weil ein Mann ein ganzes Land hat spüren lassen, was Macht wirklich bedeutet? Was es bedeutet, sich nicht wie eine Marionette zu verhalten? "Das Weiße Haus hat keine Macht über das FBI", lässt Felt mehrmals wissen, und macht seinen Leuten deutlich, dass Verwirrung Kontrolle bedeutet. Und uns, dass die Zeit der Polit-Skandale garantiert nicht vorbei sit.

Eine wahre Geschichte, und dennoch so spannend inszeniert (Regie: Peter Landesmann) und gut gespielt, dass man bis zum Schluss im Bann dieser Story bleibt, die sich so tatsächlich niemand hätte ausdenken können. Wenn Sie das neugierig macht - dann ab ins Kino.

"The Secret Man" läuft am 2. November in den deutschen Kinos an.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen