Kino

"Ich will Kultregisseur sein" Die Unbescheidenheit des Quentin Tarantino

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Ein neuer Film von ihm soll ein Event sein: Quentin Tarantino.

(Foto: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH / Brian Dowling / Getty Images for Sony Pictures)

Wenn "Once Upon a Time in ... Hollywood" nun ins Kino kommt, ist das für viele nicht irgendein Film. Es ist der neunte Film von Quentin Tarantino! Im Interview mit n-tv.de verrät der Starregisseur, wie er mit diesen Erwartungshaltungen umgeht, welcher sein zehnter Film sein könnte und was sein Lebenselixier ist.

n-tv.de: Als Sharon Tate von Mitgliedern der Sekte um Charles Manson ermordet wurde, waren Sie sechs Jahre alt. Die Tat hat damals für viel Aufsehen gesorgt, in den USA, aber auch weltweit. Haben Sie schon als Kind davon mitbekommen?

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Quentin Tarantino: Nein, nicht wirklich. Zumindest über das Warum und Weshalb der Morde wusste ich damals nichts. Aber ich kannte den Namen Charles Manson. Woran ich mich speziell erinnere: Bevor Manson gefasst wurde, passierten noch andere Morde in Los Angeles. Über sie habe ich etwas im Fernsehen gesehen - das hat mich gefesselt. Als Manson dann festgenommen wurde, bin ich zu meinem Stiefvater gegangen und habe ihn gefragt: "Wer ist denn dieser Manson?" Er meinte aber nur: "Ach, Quentin, das brauchst du gar nicht zu wissen." (lacht)

Die Geschichte der Tate-Morde scheint alles für einen Tarantino-Film zu haben: Es geht um Hollywood, die Filmwelt und ihre Stars, aber auch um Verbrechen, Gewalt und Sex - schließlich galt Tate als aufstrebende Ikone ihrer Zeit. Haben Sie die Idee, das in einem Film zu verarbeiten, schon länger mit sich herumgetragen?

Als ich den Film geschrieben habe, fiel mir tatsächlich auf: "Oh mein Gott, eigentlich recherchiere ich für diesen Film schon mein ganzes Leben. Jetzt muss ich mal mit dem, was in meinem Kopf ist, etwas anfangen." Mit dem Schreiben habe ich konkret vor fünf oder sechs Jahren angefangen, erst einmal als Buch. Als ich drei Kapitel geschrieben hatte, habe ich ein Drehbuch daraus gemacht. Ich hatte aber keine Eile damit, es umzusetzen. Es war eines dieser Zwischenprojekte, an denen man immer wieder mal arbeitet und dann wieder pausiert.

Ich würde mal behaupten, optisch ist "Once Upon a Time in ... Hollywood" wahrscheinlich der größte Film, den Sie je gemacht haben. Man fühlt sich wirklich ins Jahr 1969 zurückversetzt ...

Wenn man einen Film wie diesen über eine bestimmte Zeit macht, will man die Menschen natürlich in diese Umgebung, die es nicht mehr gibt, hineinziehen. Das ist nicht anders als bei einer Komödie, einem Krimi oder einem Drama - auch sie sollen lustig, spannend oder dramatisch sein. Es soll alles absolut stimmig sein. Das war ein großes Ziel bei diesem Film - so wie bei "Barry Lindon" (Kostümfilm von Stanley Kubrick, der im 18. Jahrhundert spielt, Anm. d. Red.). Da gibt es auch keinerlei Risse in der Darstellung. Man hat das Gefühl, wirklich in der Zeit zu sein.

Leonardo DiCaprio und Brad Pitt stehen tatsächlich das erste Mal in einem Kinofilm gemeinsam vor der Kamera und trumpfen dabei groß auf. Wie haben Sie das Zusammenspiel der beiden wahrgenommen?

Das zu sehen, war natürlich auch für mich interessant, denn jeweils einzeln hatte ich mit beiden ja schon zusammengearbeitet. Sie waren genau so großartig, wie ich mir das gedacht hatte. Manchmal, wenn wir eine Szene mit ihnen gedreht haben, habe ich durch den Sucher geguckt. Das hat sich angefühlt, als sei ich gerade auf einem Gehsteig am Riverside Drive (malerische Straße entlang des Hudson Rivers in New York, Anm. d. Red.) mit Autos in meinem Rücken. Ich dachte, ich sei im Kino, würde mich zurücklehnen, Popcorn essen und einen Film anschauen. Und das, obwohl ich nur durch den Sucher guckte! Die beiden sind einfach Filmstars.

Es ist nicht das erste Mal, dass sie Realität und Fiktion in einem Film vermengen. In gewisser Weise haben Sie das auch schon bei "Inglourious Basterds" gemacht. Würden Sie die Geschichte in manchen Punkten gern umschreiben?

Ach, nein. Ich bin ganz zufrieden damit, nur in Filmen damit zu spielen.

Als ich nach "Once Upon a Time in ... Hollywood" aus dem Kino kam, habe ich erst einmal gegoogelt, ob es die von DiCaprio und Pitt gespielten Rick Dalton und Cliff Booth wirklich gab ...

Das ist gut. (lacht)

In den USA ist der Film besser gestartet als alle Ihre anderen Filme zuvor. Laut einer Umfrage haben dabei ungewöhnlich viele Leute erklärt, sie schauten sich den Film speziell deshalb an, weil Sie Regie geführt haben. Sind Sie eigentlich angesichts der Erwartungshaltungen an Sie noch aufgeregt, wenn ein neuer Film von Ihnen erscheint?

Ja, aufgeregt bin ich schon. Aber ich empfinde die Erwartungen nicht als Last oder Druck. Im Gegenteil! Das ist doch, wofür ich meine ganze Karriere lang gearbeitet habe. Ich will, dass Ihre Erwartungshaltung hoch ist. Ich will, dass Sie sich darauf freuen. Ich will, dass es ein Event ist, wenn ein neuer Film von mir erscheint - und dass es nicht nur irgendeiner von vielleicht neun Filmen ist, die in dieser Woche zufällig neu anlaufen. Diese hohen Erwartungshaltungen sind mein Lebenselixier. Zu beurteilen, ob ich sie erfülle oder nicht, liegt dann an Ihnen. Aber ich will, dass Sie meine Arbeit genau so betrachten.

Sie genießen also Ihren Ruf als Kultregisseur ...

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Bei der Arbeit: Quentin Tarantino und seine Stars Leonardo DiCaprio und Brad Pitt (v.r.).

(Foto: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH)

Ja, ich würde es nicht anders haben wollen. Ich habe von der Umfrage, die Sie erwähnt haben, auch gelesen. Es waren 47 Prozent der Menschen, so viel ich weiß. Das ist unglaublich befriedigend. Fantastisch!

Für diesen Film mussten Sie sich eine neue Produktionsfirma suchen. In der Vergangenheit haben Sie mit Harvey Weinstein zusammengearbeitet. Sind Sie froh, dass unter dieses Kapitel nun ein Schlussstrich gezogen wurde?

Es war auf jeden Fall nicht allzu schwierig, diesen Schritt zu gehen. Schon bei "Django Unchained" habe ich auch mit Columbia Pictures (Filmstudio und Produktionsfirma, die zu Sony Pictures gehört, Anm. d. Red.) zusammengearbeitet. Viele der Leute, die damals involviert waren, waren jetzt auch wieder mit dabei. Zudem war ich begeistert von Tom Rothmans (Chef von Sony Pictures, Anm. d. Red.) Einsatz und Leidenschaft für diesen Film. Ihn so zu machen, wie wir ihn machen wollten, war nicht billig! Er ist damit schon ein großes Risiko eingegangen, weil auch er eine Vision hatte. Das weiß ich zu schätzen.

Sie haben erklärt, insgesamt nur zehn Kinofilme drehen zu wollen. Dies war - rechnet man die beiden "Kill Bill"-Streifen zusammen - Ihr neunter Film. Bleibt also nur noch ein Film übrig. Es gibt viele Gerüchte, welcher das sein könnte: "Star Trek" zum Beispiel oder "Kill Bill 3". Wissen Sie es schon?

Nein, keine Ahnung. Mir fallen sicher auch noch ein paar Vorschläge ein. Aber vielleicht wird es auch nichts von alledem. Vielleicht wird es etwas, das bereits in meinem Herzen schlummert, aber mir bislang noch gar nicht in den Sinn gekommen ist. Lassen wir uns überraschen.

Mit Quentin Tarantino sprach Volker Probst

"Once Upon a Time in ... Hollywood" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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