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"Gott segne sie" Die dunklen Stunden des Gary Oldman

Der Film "Die dunkelste Stunde" über Englands Premier Winston Churchill zählt schon jetzt zu den Oscar-Favoriten. Die Stars des Films um Hauptdarsteller Gary Oldman sprechen im n-tv.de Interview über die Herausforderungen eines ganz besonderen Werks.

Der Film "Die dunkelste Stunde" über Großbritanniens Premier Winston Churchill im Zweiten Weltkrieg zählt schon jetzt zu den Oscar-Favoriten. Zu den Stars des Films gehören neben Hauptdarsteller Gary Oldman und hinter der Kamera Regisseur Joe Wright auch Lily James, die Churchills Sekretärin Elizabeth Layton verkörpert, sowie Kristin Scott Thomas als dessen Frau Clementine. Im n-tv.de Interview sprechen sie alle über die Herausforderungen eines ganz besonderen Werks.

Herr Oldman, Sie haben schon sehr viele verschiedene Rollen gespielt. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass diese besonders herausfordernd für Sie war. Stimmt das? Und Herr Wright, für Sie als Regisseur: Konnten Sie sich Gary Oldman von Anfang an in der Rolle des Winston Churchill vorstellen?

Joe Wright: Nun, ich erhielt dieses großartige Drehbuch und dachte darüber danach, wer Churchill spielen sollte. Ich habe mir über verschiedene Personen Gedanken gemacht, die eher wie Churchill aussehen, aber sie interessierten und faszinierten mich nicht so. Dann kam mir in den Sinn, dass ich schon immer mit Gary Oldman arbeiten wollte. Gary ist der größte Schauspieler seiner Generation. Und man will natürlich mit den Besten arbeiten. Zudem schafft er es, eine gewisse Intensität zu erreichen. Der Churchill, den ich mir vorstellte, war ein ziemlich manischer, intensiver Charakter. So gesehen schien es tatsächlich perfekt zu passen. Die Essenz kann man nicht vortäuschen, die Äußerlichkeiten schon.

Gary Oldman: Es war schon herausfordernd. Allein auf Grund meiner Physis - wie ich aussehe und wer ich bin. Wir wussten, dass es dafür viel Make-up brauchen würde. Abgesehen davon, die Rolle zu spielen, war das wahrscheinlich das Herausforderndste: jeden Tag das Durchhaltevermögen aufzubringen, diese Verwandlung durchzuführen. Und wie Joe es sagt: diese manische Energie jeden Tag abzuliefern.

Bei Filmen wie diesem stellt sich die Frage, wie sehr man sich an die historischen Fakten hält und wie viel künstlerische Freiheit man sich zugesteht. Wie ist Ihre Haltung dazu?

Wright: Man schlängelt sich da so durch, ehrlich gesagt. Ich habe da keine festen Regeln. Wenn sich etwas poetisch wahr anfühlt, macht man das - und wenn nicht, dann nicht. Vieles begreift man auch erst im Nachhinein. Man hat einen Einfall und denkt darüber nach, wie man ihn umsetzt. Dann fragt man sich: Passt das? Passt das in die Erzählung? Passt das zu Churchill? Man muss seinen Instinkten vertrauen.

Wir sehen in dem Film zwei Gesichter von Winston Churchill: auf der einen Seite einen ziemlich skurrilen Kauz, auf der anderen den distinguierten Staatsmann. Wem fühlen Sie sich näher, Herr Oldman?

Wright: Oh, dem distinguierten Staatsmann. Dem weisen, älteren Staatsmann.

Oldman: Ja, es war eine große Anstrengung für mich den anderen Typen zu spielen.

Wright: Den verrückten Burschen.

Einige Leute sehen den Film als heißen Favoriten bei den Oscars. Welche Erwartungen haben Sie mit Blick darauf?

Wright: Man sollte nur sehr geringe Erwartungen haben. Erwartungen sind die Mutter der Enttäuschung. Das ist auch nicht der Grund, warum wir das machen. Wir machen das, um jeden Tag am Set zu sein und für den Spaß, den wir daran haben.

Oldman: Heißt es nicht: Erwartungen sind nur die Verbitterung, die darauf wartet, sich breit zu machen.

Wright: Exakt. Erwartungen sind die Verbitterung, die darauf wartet, sich breit zu machen.

Immerhin sind Sie ja bereits für einen Golden Globe nominiert, Herr Oldman ...

Oldman: Ja, ich meine ...

Wright: Was könnte man mehr verlangen?

Oldman: Gott segne sie. (Das Interview wurde vor den Golden Globes geführt. Oldman hat den Preis als bester Hauptdarsteller inzwischen gewonnen, Anm. d. Red.)

Sie sind noch sehr jung. Die Zeit, in der "Die dunkelste Stunde" spielt, muss für Sie schon ziemlich weit weg sein. War es das erste Mal, dass Sie sich so intensiv mit ihr auseinandergesetzt haben?

Lily James: Ich habe mich seltsamerweise schon viel mit dem Zweiten Weltkrieg auseinandergesetzt. Ich habe gerade vorher einen Film namens "The Exception" gemacht, der genau zur selben Zeit im Zweiten Weltkrieg spielt. Deswegen habe ich sehr viel über den Krieg gelesen. Das interessiert mich auch sehr. Meine Großmutter war während des Krieges ein junges Mädchen. Ich habe mit ihr noch über ihre Erlebnisse gesprochen. Sie lebte in Frankreich und musste ihr Zuhause verlassen. Das ist noch so frisch. Ja, ich habe nicht zu der Zeit gelebt. Trotzdem empfinde ich das als sehr präsent.

Sie haben schon in diversen rein fiktionalen Filmen mitgewirkt. Mit Elizabeth Layton, der Sekretärin von Winston Churchill, verkörpern Sie nun eine Person, die real existiert hat. Muss man sich darauf anders vorbereiten?

James: Ich denke, wenn man eine historische Person spielt, muss man immer recherchieren. Man muss die Zeit verstehen und sein Netz weit spannen, um sich für die Rolle mit so vielen Informationen wie möglich zu bewaffnen. Oder man muss sich an jemanden, der existiert hat, klammern? Bei Elizabeth Layton hatte ich ein ganzes Buch, das sie über ihre Erfahrungen bei der Arbeit für Churchill während des Krieges geschrieben hat. So stand mir eigentlich unendlich viel Material darüber, wie es war, zur Verfügung. Details, die einen Charakter lebendig werden lassen. Das war toll.

Es heißt, hinter einem starken Mann steht stets auch eine starke Frau. Das mag ein Klischee sein, aber im Falle von Clementine Churchill, die Sie verkörpern, scheint das zu stimmen. Wie beurteilen Sie Ihre Rolle?

Kristin Scott Thomas: Ich betrachte sie als einen integralen Bestandteil des Motors, des Churchill-Motors. Er hätte es ohne sie nicht machen können. Sie war sein Resonanzboden, sie hörte ihm zu, sie stritt mit ihm, sie machte ihn auf Dinge aufmerksam, die er nicht bedacht hatte, sie ermutigte ihn, sie tröstete ihn, sie provozierte ihn. Sie macht einen großen Teil des Winston Churchill aus, den wir heute kennen.

Sie haben Gary Oldman eines voraus: Sie waren schon zwei Mal für einen Golden Globe nominiert. Er hat nun auch seine erste Nominierung erhalten. Hat er den Preis verdient?

Er verdient absolut jeden Preis.

Mit Gary Oldman, Joe Wright, Lily James und Kristin Scott Thomas sprach Volker Probst

Die Interviews sehen Sie auch in unseren Videos

"Die dunkelste Stunde" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

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