Kino

"Wonder Woman 1984" auf Sky Diese "Wunder-Frau" ist ein Fremdkörper

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Schön anzusehen - viel mehr aber auch nicht: Gal Gadot als "Wonder Woman".

(Foto: imago images/Prod.DB)

Eine der am meisten erwarteten Comic-Verfilmungen steht endlich in den Startlöchern. Gal Gadot schlüpft erneut in den blau-rot-goldenen Amazonen-Dress. Doch diese neue "Wunder-Frau" hat, was sie an schrillen Farben zulegt, an Niveau eingebüßt.

Es dauert nicht lange, bis die israelische Schauspielerin Gal Gadot im neuen Ableger des DC-Film-Universums "Wonder Woman 1984" im knappen Outfit samt "Lasso der Wahrheit" lässig durch ein Einkaufszentrum schwingt. Sie verprügelt - ganz nach Superheldinnen-Manier - ein paar Räuber, während sie augenzwinkernd Kinder zum Lächeln bringt. Doch genauso lange dauert es auch, bis man sich als Zuschauer fragt: Was soll dieser Murks? Was ist mit der Krieger-Amazone aus "Batman v Superman: Dawn of Justice" und aus dem ersten "Wonder Woman"-Film passiert? Wohin nur hat sich das düstere Flair der Zack-Snyder-Filme verkrümelt? Warum fühlt sich diese bunte "Wonder Woman" plötzlich an wie ein Marvel-Film, schlimmer noch: wie ein trashiger B-Movie?

Okay, die Regisseurin Patty Jenkins und der Drehbuchautor David Callaham wollen dies als Stilmittel verstanden wissen und mal etwas anderes wagen. In ihren Augen vielleicht mehr Mut in Richtung des Comics beweisen - eine amüsante Hommage an die Achtziger erschaffen und dabei der filmischen Welt von "Wonder Woman" mehr Eigenständigkeit verleihen. Doch was beim DC-Konkurrenten Marvel im dritten Teil von "Thor", Ragnarok", hervorragend mit dem zuvor erschaffenen Universum - trotz der schillernden, bunten Farben und des manchmal dümmlichen Humors - gut harmoniert, scheitert bei "Wonder Woman 1984" auf ganzer Linie. Diese "Wunder-Frau" ist ein Fremdkörper in der filmischen Comic-Welt von Bruce Wayne und Clark Kent. Mehr noch: Sie ist ein Fremdkörper in ihrer eigenen Filmwelt.

Kontext ist wichtig

Grundsätzlich ist es bewundernswert, was Patty Jenkins versucht hat. Die Regisseurin wollte ihrer Heldin mehr Unabhängigkeit zugestehen und dem Zuschauer eine "Wonder Woman"-Welt zeigen, die voller Magie - und eben auch Wunder - ist. Dem Wunder der Liebe, dem Wunder der Menschlichkeit, wo jeder Einzelne seine Ängste überwindet und wir alle - geschlossen als Menschheit - singend dem Regenbogen entgegentanzen. Wäre "WW84" ein Stand-Alone-Movie wie Todd Phillips "Joker" mit Joaquin Phoenix, könnte man über derlei Naivität hinwegsehen und Jenkins Film ebenso genießen wie seinerzeit "Superman III" (1983) mit Christopher Reeve und "Supergirl" (1984) mit Helen Slater - zwei Filme, die trotz ihrer Substanzlosigkeit wie Albernheit innerhalb ihrer Zeit und Parameter funktionieren und Spaß machen. Doch ein solches Nachsehen kann "Wonder Woman 1984" nicht gewährt werden.

Die Kreativen hinter dem filmischen DC-Universum haben sich den erzählerischen Rahmen selbst auferlegt. Regisseur Zack Snyders Tonalität ist zum Grundton dieses Universums geworden. Und sicher kann man Regeln dieser Welt biegen und Ansichten weit auslegen. Was "WW84" - abgesehen von der hanebüchenen, niveaulosen Handlung - aber macht, ist, dass er Snyders Vision nicht nur bricht, sondern ihr vollkommen konträr gegenübersteht. Aussagen und Motivationen der Charaktere, die in den Vorgängerfilmen getroffen werden und die Grundlage ihrer Handlungen bilden, werden im neuen Abenteuer von "Wonder Woman" negiert. Doch Kontext ist wichtig. Patty Jenkins zweiter Ausflug ins Comic-Universum pulverisiert die Pfeiler, auf denen das ohnehin schon wacklige DC-Film-Universum steht.

Dieser Film erweist der Franchise einen weiteren Bärendienst und reiht sich damit nahtlos in die Reihe verpatzter Sequels und Prequels ein, die im Hollywood der letzten Dekade Hochkonjunktur hatten.

Die ausführliche Film-Kritik zu "Wonder Woman 1984" von Ronny Rüsch und Axel Max gibt es jetzt in der neuen Podcast-Folge von "Oscars & Himbeeren", wo sich jeden Freitag alles rund um Streaming-Dienste wie Netflix, TVNOW, Amazon Prime & Co dreht.

Quelle: ntv.de