Kino

"Blair Witch"-Neuauflage Ein Déjà-Vu zum Vergessen

1999 löst das "Blair Witch Project" mit körnigen und verwackelten Videoaufnahmen einen regelrechten Found-Footage-Hype aus. Fast zwei Jahrzehnte später soll ein Remake an den Erfolg von damals anknüpfen - und legt eine Bruchlandung hin.

Es ist ja nun nicht so, als ob noch niemand die sechs Twentysomethings gewarnt hätte, die sich gut ausgestattet, aber furchtbar ahnungslos durch die dschungelartigen Urwälder Marylands schlagen, als mitten auf dem Trampelpfad obendrein ein hölzernes Schild vor ihnen auftaucht: "No entry after Nightfall", steht da in angemessen bedrohlich großen und verdrehten Lettern. Ziemlich klare Ansage, sollte man meinen, aber die sechs Möchtegern-Forscher würden wohl kaum in einem Horrorfilm mitspielen, wenn sie solche Warnungen ernst nehmen würden. "Bist du sicher, dass das eine gute Idee ist?", fragt immerhin noch irgendjemand pflichtbewusst, bevor sich die Truppe tiefer in den Urwald schlägt. Ist es natürlich nicht - was im Übrigen auch auf die Frage zutrifft, ob es eine gute Idee ist, sich das Remake des Found-Footage-Klassikers "Blair Witch Project" anzuschauen.

"Blair Witch", wie die Neuauflage schlicht heißt, will in so ziemlich jeder Hinsicht an das Original von 1999 anknüpfen: Die Zuschauer müssen also jede Menge verwackelte "Originalaufnahmen" über sich ergehen lassen, nur dass diesmal moderne Technik in Form von GoPros und Drohnen statt altmodischer Videokameras zum Einsatz kommt - mit dem Unterschied, dass die Actionaufnahmen im späteren Filmverlauf noch hektischer gedreht wurden, um ein ähnlich verwirrendes Feeling wie bei den körnigen Shots aus den 90ern hinzubekommen.

Der Cast bedient alle gängigen Genreklischees: Es gibt den naseweisen Studenten, der auf der Suche nach seiner Schwester - die bei der ersten "Blair Witch"-Crew dabei war und seitdem verschollen ist - alle Warnungen aus dem Wind schlägt und die unerschrockene Amazone, die später selbst über sich hinauswächst. Ebenfalls mit am Start: ein schwarzes Pärchen und zwei Hillbillys mit zweifelhaften Motiven.

Verschenkte Zeit

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Hätte besser mal auf die Warnhinweise geachtet: die Filmcrew 2.0

(Foto: Studiocanal)

"Blair Witch" nimmt sich fast den halben Film lang Zeit, um seine Charaktere aufzubauen - verschenkte Zeit, weil die Figuren so abziehbildartig bleiben, dass es niemanden jucken dürfte, wenn der Film sie schließlich reihum über den Jordan schickt. Immerhin, die mysteriöse Hexe von Blair gibt sich alle Mühe, dem Kinobesucher dabei zumindest ein angemessenes Spektakel zu präsentieren: Von unheilvollen Geräuschen aus dem Off über immerwährende Dunkelheit und wild durch die Luft fliegenden Zelten arbeitet sich die Waldbewohnerin langsam und genüsslich zu ihrem ersten Mord vor.

Der allerdings bleibt dann seltsam farblos und auch ein Großteil der anderen Schockmomente ist so furchtbar vorhersehbar, dass sich der Gruselfaktor bei "Blair Witch" doch arg in Grenzen hält. Nur eine lustvoll in die Länge gezogene Szene in einem winzigen Erdtunnel lässt den Puls für ein paar Minuten lang galoppieren - dafür aber dann richtig.

Was bleibt nach knapp 90 Minuten? Nicht viel außer der Erkenntnis, dass man manche Dinge einfach nicht wiederholen sollte. Ein Großteil der damaligen "Blair Witch"-Faszination lag in der Unsicherheit begründet, ob die Tapes nicht tatsächlich gefunden worden waren, man es also mit einem echten Phänomen zu tun hatte. Ein Zauber, der schnell verflogen war - spätestens aber nach der Found-Footage-Flut der vergangenen Jahre war ein neues "Blair Witch" in etwa so nötig wie ein Kropf.

"Blair Witch" (2016) läuft derzeit in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de