Kino

Erotik-Thriller "A Bigger Splash" Flotter Vierer wird Psycho-Trip

ABiggerSplash_003.jpg

Die junge Penelope spielt mit dem Feuer - und verdreht sogar Vater Harry den Kopf.

(Foto: StudioCanal)

Wenn vier Menschen gemeinsam Ferien machen, die sich grundsätzlich irgendwie in Liebe verbunden sind, dann kann das eine schöne Sache sein. Bei "A Bigger Splash" allerdings machen sexuelle Spannungen dem Urlaubsquartett einen Strich durch die Rechnung

Es ist Sommer, es ist Italien. Man hat es schön. Doch wenn der Ex-Lover aus wilderen Zeiten samt frisch gefundener Tochter eine zwangsverstummte Musikerin und ihren Partner besuchen kommt, kann das eigentlich nicht gut gehen. Genau das passiert bei "A Bigger Splash" - und gut geht es tatsächlich nicht.

*Datenschutz

Bevor sich die vier Schönen mit unausgesprochenen Grausamkeiten emotionale Wolken vor die Urlaubssonne schieben, genießen sie die freien Tage. Man trinkt, man tanzt. Es gibt frisch angerührten Ricotta, im Teig gebackenen Fisch und recht regelmäßig die Nippel von Dakota Johnson, die Tochter Penelope spielt, zu sehen. Es dauert eine Weile, doch dann wird aus der Ahnung allgemeinen Unwohlseins Gewissheit.

Es geht um Sex

ABiggerSplash_B001.jpg

Sind sich sexuell bis familiär verbunden: Paul, Marianne, Penelope und Harry (v.l.).

(Foto: StudioCanal)

Wer sich von "A Bigger Splash" flottes Ferienkino erwartet, den wird Regisseur Luca Guadagnino mit seiner entspannten bis lahmen Erzählstrategie enttäuschen. Vor immer wieder neuer, atemberaubender Kulisse lässt er seine Protagonisten ein paar Sätze wechseln und vor allem Tilda Swinton als Rockstar Marianne Lane in ungewöhnlichen Kleidern spektakulär aussehen. Die Handlung treibt er kaum voran. Man muss sich seinem ästhetischen Diktat ergeben, um aus den leisen Momenten des Films die Konflikte herauszulesen, die bis zum Schluss meist nur angerissen werden.

Es geht um Sex. Den Sex, den Querulant Harry (Ralph Fiennes) und Marianne einst hatten, den Sex, den der stille Paul (Matthias Schoenaerts) und Marianne haben und den Sex, den alle Beteiligten theoretisch mit der jungen Penelope haben könnten. "A Bigger Splash" zehrt von subtiler Erotik und einem großartigen Ensemble. Den Erwartungen entsprechend wird das gezogen von Swinton und Fiennes, wobei besonders Letzterer über sich hinauswächst. Wenn er so zu "Emotional Rescue" durch die schnieke Villa steppt, wünschte man sich, die Rolling Stones hätten den Song in epischer Länge auf den Markt gebracht.

"Wir sind alle obszön"

Inmitten weiter Landschaften ist "A Bigger Splash" ein Kammerspiel. Diskutiert werden die Liebe und das Leben. Was schuldet man einander noch, wenn das Feuer erloschen ist? Und wie viel Funken braucht es, um die Asche erneut zu entflammen? Ist die Schönheit Grund genug, Grenzen zu übertreten? Und ist es fair, aus verzweifeltem Verlangen nach einer Reaktion zu verletzen?

"A Bigger Splash" wird viele Kinogänger langweilen. Diejenigen aber, die etwas übrig haben für die feinen Nuancen des Miteinanders und für menschliche Abgründe, werden den Erotik-Thriller nicht nur genießen, sondern auch noch eine Weile nach dem Genuss darüber nachdenken. "Wir sind alle obszön", ist sich Harry sicher. Vielleicht hat er damit recht.

"A Bigger Splash" startet am 5. Mai in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema