Kino

Der schlechteste Film des Jahres? "Gods of Egypt" im Tiefflug

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"Gods of Egypt" - auf der Leinwand nicht ganz so göttlich.

(Foto: Concorde Filmverleih GmbH)

"I, Robot"-Regisseur Alex Proyas packt in "Gods of Egypt" das ganz große Besteck aus: Fantasy-Saga, Animationen, Übermenschen, "300"-Star Gerard Butler und "Game of Thrones"-Durchstarter Nikolaj Coster-Waldau. Dennoch ist der Film ein Desaster.

Von "Herr der Ringe" über "Game of Thrones" bis hin zu den Marvel-Verfilmungen um "Thor" - die Fantasy-Welle im Kino ist seit vielen Jahren nicht zu stoppen. Kein Wunder: Wer schaut sich nicht gerne mystische und mythologisch aufgeladene Geschichten an, den ewigen Kampf Gut gegen Böse und Hochglanz-Animationen, in denen Titanen, Mensch-Maschinen und Fabelkreaturen nach allen Regeln der neuesten 3D-Kunst die Leinwand zerlegen? Also die allerbesten Voraussetzungen für einen weiteren Blockbuster.

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"Gods of Egypt" unter der Regie von Alex Proyas, der auch schon für Streifen wie "The Crow - Die Krähe" und "I, Robot" verantwortlich zeichnete, sollte deshalb auch den Startschuss zu einer neuen Filmreihe liefern. Angesiedelt in der Sagenwelt des alten Ägypten, wetteifern in dem Streifen die Götter Horus (der vor allem als Jaime Lennister in "Game of Thrones" bekannt gewordene Nikolaj Coster-Waldau) und Set ("300"-Muskelpaket Gerard Butler) um die Vorherrschaft im Wüstensand.

Augen auf beim Götterkampf!

Die Sympathiepunkte sind ziemlich klar verteilt: Eigentlich soll Horus die Königskrone von seinem Vater Osiris (Bryan Brown) in Empfang nehmen. Doch an dem Tag der feierlichen Stabübergabe erscheint sein niederträchtiger Bruder Set auf der Bildfläche. Der Bösewicht bezwingt den eigentlichen Thronanwärter im Kampf, in dem beide schon auch mal wild gewordene Tierformen annehmen, und stiehlt ihm die Augen. Während der ohne sein Augenlicht ziemlich dumm aus der Wäsche schauende Horus ins Exil verbannt wird, errichtet sein Bruder eine grausame Schreckensherrschaft in Ägypten.

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Gibt es für sie ein Happy End? Bek (Brenton Thwaites) und Zaya (Courtney Eaton).

(Foto: Concorde Filmverleih GmbH / Courtesy of Lionsgate)

Gut, dass es da noch die Menschen wie Langfinger Bek (Brenton Thwaites, zuletzt unter anderem als Jonas in "Hüter der Erinnerung" unterwegs) gibt, die sich trotzdem nicht einschüchtern lassen. Aber Bek hat ein Problem. Seine Angebetete Zaya (die aus "Mad Max: Fury Road" bekannte Courtney Eaton) ist von einem Getreuen Sets getötet worden und befindet sich nun auf der Reise ins Reich der Toten. Doch, so glaubt der junge Mann, Horus kann den Verlust ungeschehen machen und Zaya zurück ins Leben holen, ehe sich die Tore der Unterwelt endgültig hinter ihr schließen. Um den Gott für sich zu gewinnen, stiehlt er kurzerhand seine Augen aus Sets Katakomben und bringt sie ihm zurück. Gemeinsam ziehen Mensch und Übermensch nun gegen den Tyrannen zu Felde. Wird es gelingen, Zaya zu retten? Und wird Horus seinen bösen Bruder besiegen und wieder vom Thron stoßen?

Sexy hexi Göttinnen

So lassen sich die Grundzüge der Handlung von "Gods of Egypt" in einigen Sätzen zusammendampfen. Dazwischen krauchen noch ein paar garstige und feuerspeiende Drachenwürmer durchs Bild, ein paar sexy hexy Göttinnen (unter anderem dargestellt von "Daredevil"-Beauty Élodie Yung) und ein von Oscar-Preisträger Geoffrey Rush dargestellter Göttervater Ra, der sich in einem zermürbenden Dauerclinch mit einem galaktischen Riesenmonster befindet.

Was angesichts des Sujets, der Produktionskosten von 140 Millionen Dollar und des Starensembles ein Selbstläufer sein sollte, schickt sich tatsächlich an, der vielleicht schlechteste Film des Jahres zu werden. Und das liegt nicht nur an der wirren und über weite Strecken hanebüchenen Story. Nichts in "Gods of Egypt" mag so richtig funktionieren. Über die Fehlbesetzungen der ägyptischen Charaktere mit allzu weißen Darstellern wurde schon vor Filmstart öffentlich gelästert. Doch auch die Dialoge durchbrechen regelmäßig die Peinlichkeitsgrenze. Lustig ist der Streifen im besten Falle unfreiwillig. Sogar die Animationen wirken trotz des Millionenbudgets stellenweise zweitklassig - gemessen an dem, was inzwischen Standard ist.

Würde man den Aufwand, der für "Gods of Egypt" betrieben wurde, nicht kennen - man könnte ihn fast für ein B-Movie halten. Regisseur Proyas will von all dem freilich nichts wissen. Er beschimpfte Kritiker seines Films als "gestörte Idioten". Doch auch die Zuschauer zeigten dem Streifen bereits die kalte Schulter - an den US-Kinokassen legte er eine brachiale Bruchlandung hin. Schon aus ökonomischen Gründen darf deshalb bezweifelt werden, dass "Gods of Egypt" noch die einst geplanten Fortsetzungen erhält. Stattdessen winkt - sozusagen als Götterspeise - vor der Oscar-Verleihung im kommenden Jahr vermutlich die eine oder andere Goldene Himbeere.

"Gods of Egypt" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

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