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Eine "Extrawurst" für alleIn diesem Tennisclub geht's nicht bloß um die Wurst

13.01.2026, 15:41 Uhr WhatsApp Image 2026-01-13 at 15.49.10Von Nicole Ankelmann
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Es ist für Heribert (Hape Kerkeling) kaum auszuhalten, was Melanie (Anja Knauer) mit ihrem Einwand um die Wurst angestoßen hat. (Foto: Studiocanal GmbH / Daniel Gottschalk )

Das erfolgreiche Theaterstück "Extrawurst" über mehrere debattierfreudige Tennisvereinsmitglieder kommt jetzt als Film in die Kinos. Mithilfe pointierter Dialoge werden mit Stars wie Hape Kerkeling und Christoph Maria Herbst sämtliche gesellschaftsrelevanten Themen abgegrast.

Was 2019 als Theaterstück in Hamburg erste Erfolge feierte und zwei Jahre später sogar zum meist gespielten Stück Deutschlands avancierte, hat jetzt den Sprung auf die Kinoleinwand geschafft. Für die Komödie "Extrawurst" der Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob konnte Regisseur Marcus H. Rosenmüller einen hochkarätigen Cast um sich versammeln, darunter Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst, Friedrich Mücke und Fahri Yardim.

Spielort der Ereignisse ist der Tennisclub Lengenheide, in dem sich der halbe Ort zur gemeinschaftlichen Ertüchtigung versammelt. Präsident ist seit 25 Jahren Heribert Bräsemann (Kerkeling), der in der aktuellen Vereinssitzung einstimmig wiedergewählt wird. Nachdem der Neubau des Vereinsheims durch dessen Schwager trotz eindeutiger Vetternwirtschaft ebenfalls beschlossen ist, entbrennt kurz vor Schluss an einer scheinbaren Lappalie eine nicht enden wollende Diskussion.

Stellvertreter-Diskussion um einen Grill

Es geht um den neuen Super-Gasgrill, der Platz für jede Menge zusätzliche Würste schaffen soll - zumindest, wenn es nach dem stellvertretenden Vereinspräsidenten Matthias Scholz (Mücke) geht, für den sich mit dem extrem maskulin gelesenen Gerät ein Traum erfüllen würde. Doch die zugezogene Melanie Pfaff (Anja Knauer) macht dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung. Stellvertretend für ihren Doppelpartner Erol Oturan (Yardim) fordert sie einen zweiten Grill, damit sich das Grillgut des Moslems halal-konform nicht mit dem Schweinefleisch der Andersgläubigen und Atheisten einen Rost teilen muss.

Während Erol selbst das Ganze zunächst eher unangenehm ist und die Diskussion eigentlich schnell vorbei sein könnte, kommen nach und nach weitere debattierwürdige Themen auf den Tisch, an denen sich neben den bereits genannten auch noch Melanies Ehemann Torsten Pfaff (Herbst) abarbeitet. Übrigens ein Mann, der genauso aussieht, wie man sich einen Berliner Hipster-Werbetexter gemeinhin vorstellt. Ohne derartige Klischees würde wohl der ganze Film nicht funktionieren.

Argumente wie Tennisbälle

Was nun folgt, holt jedenfalls sämtliche Themen aufs Tapet, die in den vergangenen Jahren immer mehr an Gewicht, in gewissen Kreisen aber auch an Sprengkraft gewonnen haben. Es geht unter anderem um Migrationspolitik, Religion, Gleichberechtigung und Alltagsrassismus. Die Beteiligten werfen sich ihre Argumente wie Tennisbälle um die Ohren und outen sich ein ums andere Mal selbst als engstirnig und festgefahren, während sie anderen mangelnde Toleranz vorwerfen. Immer wieder fühlt sich jemand von einer Aussage des anderen persönlich angegriffen, und schon steckt man mittendrin in einer Unterhaltung, die man so auch aus den sozialen Medien kennt. Das macht es schwierig, für die Dauer des Films - immerhin 100 Minuten - auch nur einer Figur seine volle Sympathie zu schenken - außer vielleicht dem Hausmeister (Milan Peschel), der ganz andere, deutlich handfestere Probleme hat als der wohlstandsverwahrloste Rest.

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Matthias (Friedrich Mücke), Erol (Fahri Yardim), Melanie (Anja Knauer) und Torsten (Christoph Maria Herbst, v.l.n.r.) finden kein Ende. (Foto: Studiocanal GmbH / Daniel Gottschalk )

Filme, die sich an gesellschaftsrelevanten Themen wie den hier besprochenen komödiantisch abarbeiten, gab es zuletzt häufiger. Zu nennen wären da "Alter weißer Mann" von Simon Verhoeven oder "Der Vorname", "Der Spitzname" und alles dazwischen von Sönke Wortmann. Ihnen fügt "Extrawurst" inhaltlich zwar wenig Neues hinzu, doch sind die Gags pointiert, das Timing stimmt, das Tempo ist hoch. Das kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Konzentration der Ereignisse auf den Tennisverein - dem zugrundeliegenden Theaterstück geschuldet - filmisch wenig bis nichts zu bieten hat. Der Cast wechselt vom Restaurant des Clubs in die Halle, die Werkstatt, den Geräteschuppen, die Außenanlagen und wieder zurück, während vor sich hin debattiert wird und sich die Eskalationsspirale immer weiter dreht, um in einem slapstickartigen Finale zu gipfeln.

Viele Gags, wenig Filmisches

Die Autoren Jacobs und Netenjakob starteten ihre Laufbahn unter anderem mit dem Schreiben von Onelinern für Satiresendungen wie "extra 3" und "heute-show" und die "Wochenshow" und Gags für "Stromberg" und "Switch Reloaded". Pointierte und temporeiche Dialoge sind also mehr als nur ihr Steckenpferd und damit auch das, was dem Theaterstück seinen Erfolg bescherte. Das Kammerspielartige funktioniert im Film aber nur bedingt. Es baut zwar zunächst einen gewissen Druck auf, denn ohne ein Ende der Debatte kann die Sitzung nicht geschlossen werden, was sich allerdings auch schnell abnutzt und so zu einigen Längen führt.

Nichtsdestotrotz ist "Extrawurst" ein unterhaltsames Kinoerlebnis, über dessen Themen sich im Anschluss in der nächstgelegenen Kneipe sicher noch hier und da weiterdiskutieren lässt. Die Erkenntnis, dass Zivilgesellschaften - wie hier im Kleinen der Tennisclub - besser funktionieren, wenn man nicht alles über jeden weiß, ist sicherlich wichtig, wenn auch nicht neu. Ebenso wie der Fakt, dass offene Kommunikation dabei hilft, Ressentiments und Vorurteile abzubauen und Menschen näher zueinander zu bringen. Doch gerade das ist in Zeiten wie diesen natürlich wichtiger denn je.

"Extrawurst" läuft ab dem 15. Januar in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de

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