Kino

Witze mit Schnurrbart Johnny Depp spielt Lord Mortdecai

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Johnny Depp spielt einen britischen Lord - mit Bart.

(Foto: Studiocanal)

Johnny Depp in einer skurrilen Rolle? Das kennt man doch! In "Mortdecai" gibt er einen exzentrischen Lord mit Bart, der sich auf die Jagd nach einem seltenen Gemälde macht. Das hat witzige Ansätze, erlahmt jedoch ziemlich schnell.

Beim Barte des Lords: Der eigentliche Hauptdarsteller von "Mortdecai" ist der Gesichtsbewuchs des Titelhelden. Kaum eine Szene kommt ohne eine Diskussion um das zierlich geschwungene Bärtchen aus, das Johnny Depp trägt.

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Diener Jock ist immer da für seinen Lord.

(Foto: Studiocanal)

Der Schauspieler mit dem Faible für skurrile Rollen mimt einen wachechten Lord, der jedoch in Geldnöten ist - das Anwesen steht deshalb kurz vor dem Verkauf und Ehefrau Johanna (Gwyneth Paltrow) kurz vor dem Absprung. Um an Geld zu kommen, verlegt sich Lord Mortdecai auf Beschaffung und Verkauf von Kunstwerken zweifelhafter Provenienz.

"Er ist die dreckige Unterseite der Kunst", befindet denn auch Inspektor Mortland (Ewan McGregor). Doch der Polizist braucht die Hilfe des Lords: Ein Goya wurde gestohlen und Mortdecai könnte ihn aufspüren. Zumal es sich um ein als verschollen geltendes Werk handeln soll, auf dessen Rückseite einst Hermann Göring das Versteck eines großen Nazischatzes beschrieb.

Den Akzent gibt's nur im Original

Die Jagd ist also eröffnet. Denn nicht nur Mortdecai und sein kampferprobter Diener Jock (Paul Bettany) machen sich auf die Suche nach dem Kunstwerk. Auch ein zwielichtiger britischer Kunstexperte, ein brutaler russischer Milliardär, ein aufgeblasener amerikanischer Krösus, seine nymphomanische Tochter und ein Terrorist wollen das Gemälde - koste es, was es wolle.

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Inspektor Mortland ist an dem verschwundenen Goya interessiert - und an Lord Mortdecais Frau.

(Foto: Studiocanal)

Mit diesem bunt gemischten, launigen Figurenensemble hätte "Mortdecai", die Verfilmung eines Romans von Kyril Bonfiglioli, eine spaßige Komödie werden können. Genug witzige Ansätze sind dafür jedenfalls vorhanden, etwa die Veralberung des britischen Adels - um Depps herrlichen britischen Akzent zu hören, muss man sich allerdings die Originalversion anschauen. Daneben sorgt auch Paul Bettany für Lichtblicke als kampflustiger und stoischer Diener. Er ist ein Wiedergänger von Kato, dem Sidekick von Inspektor Clouseau.

Nur leider ist Depp nicht Peter Sellers, dafür fehlt ihm hier zu oft das Timing. Und der Film hält sich viel zu sehr an den Manierismen seines Titelhelden auf, statt die interessante Handlung zu verfolgen. Denn die Mischung aus Schatzjagd und Nazigold hätte durchaus Potenzial für ein spannendes Abenteuer. Stattdessen aber erschöpft sich "Mortdecai" im Grunzen, Schmatzen und Herumgehampel von Johnny Depp. Kein Wunder, dass es auch Inspektor Mortland irgendwann entfährt: "Sind Sie bald mit dem Theater fertig?"

Kunst als Schwanzvergleich

Depp variiert hier erneut eine seiner exzentrischen Standardrollen: Er war Pirat, Indianer und nun spielt er also einen Lord. Das hat zunächst durchaus Charme. Doch Regisseur David Koepp fällt im Verlauf des Filmes leider nicht mehr ein, als Depp den Hampelmann spielen zu lassen. Und Witze über den Schnurrbart des Lords zu machen. Das ist ein bisschen viel Wirbel um eine Requisite. Für die Zuschauer ist das irgendwann nur noch ermüdend.

Immerhin: Die durchgedrehte Kunstwelt bekommt ihr Fett ab. Und vor allem jene steinreichen Männer, für die es eine Art Schwanzvergleich zu sein scheint, die teuersten, seltensten und mysteriösesten Kunstwerke ihr Eigen nennen zu können. Zur bissigen Satire auf die düsteren Wege des Kunsthandels reicht es aber leider nicht.

Johnny Depp startet in "Mortdecai" wieder mal als Rembrandt und landet als Malen nach Zahlen. Er tut sich jedenfalls keinen Gefallen mit mittelmäßigen Filmen, mit denen er sein Talent verschwendet. Fans des Darstellers und seiner Grimassen werden vermutlich trotzdem ihren Spaß haben. Für alle anderen bleibt eine nur selten witzige Komödie, die allzu oft wie eine schlechte Kopie der skurrilen Welten von Wes Anderson wirkt.

Quelle: ntv.de