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Phänomen "Heated Rivalry"Komm für den Sex, bleib für die Gefühle

05.02.2026, 15:50 Uhr
imageVon Nina Jerzy
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Connor Storrie (l.) und Hudson Williams sind durch "Heated Rivalry" über Nacht zu Stars geworden. (Foto: Sabrina Lantos/HBO Max)

Eine Serie über schwule Eishockeystars erobert die Welt - inklusive Olympia - und startet nun auch bei uns auf HBO Max. Der Sex ist dabei bloß das Aushängeschild. Der gigantische Erfolg von "Heated Rivalry" zeigt, wonach viele offenbar aktuell hungern.

Es hätte nicht viel gefehlt, und "Heated Rivalry" wäre zur Retortenware à la Netflix verkommen. Showrunner Jacob Tierney wollte die Serie über zwei Eishockeystars und ihre verbotene Affäre eigentlich für einen großen US-Streamingdienst verfilmen. Der bestand jedoch darauf, den ersten Kuss des Kanadiers Shane Hollander und seines russischen Erzrivalen Ilya Rozanov erst in der vorletzten Folge zu zeigen. Stattdessen gibt es zum Auftakt nun realistische Blowjobs. Sex ist aber nur ein Erfolgsfaktor des beispiellosen Hypes um die kleine kanadische Serie, der längst auch die Olympischen Spiele und die Spitzenpolitik erreicht hat.

Wenn "Heated Rivalry" am Freitag (6. Februar) endlich in Deutschland bei HBO Max startet, dürften viele Zuschauer bereits intim mit der Serie vertraut sein. Dabei sah es lange Zeit so aus, als würden die sechs Folgen nur auf dem kleinen kanadischen Streamingdienst Crave zu sehen sein. Erst wenige Tage vor der Premiere am 28. November wurden Verantwortliche bei HBO Max in Australien auf die Serie aufmerksam und überzeugten ihre US-Kollegen, die Show zeitgleich ins Programm zu nehmen. Was dann folgte, schockte alle Beteiligten.

"Heated Rivalry": Der Hype ist da

Vielleicht noch nie zuvor hat sich eine mit Minibudget gedrehte Serie dank sozialer Medien zu einem derartigen globalen Hit entwickelt wie "Heated Rivalry". Nachdem Fans die ersten heißen Szenen in sozialen Medien geteilt hatten, kam eine Lawine ins Rollen, die zum Deutschlandstart sogar noch an Fahrt gewinnt. Das bekamen zuallererst die bis dato nahezu unbekannten Hauptdarsteller zu spüren, die quasi über Nacht zu den heißesten Newcomern in Hollywood gehören. Denn die außergewöhnliche Chemie zwischen dem Kanadier Hudson Williams und dem Texaner Connor Storrie hat Zuschauer sofort in ihren Bann gezogen.

Beide hatten bis zu den Dreharbeiten zu "Heated Rivalry" als Kellner gejobbt. Wenige Tage nach dem Staffelfinale präsentierten sie bereits einen Hauptpreis bei den Golden Globes und wurden zu olympischen Fackelträgern ernannt. Letzteres war für Fans der Serie und der "Game Changers"-Romanreihe von Rachel Reid, auf der "Heated Rivalry" beruht, extra surreal. Denn den Olympischen Winterspiele kommt in der verbotenen Liebesgeschichte eine zentrale Rolle zu. Dazu aber mehr in Folge zwei.

Zunächst beginnt alles mit dem ersten Aufeinandertreffen der späteren Superstars Hollander (Williams) und Rozanov (Storrie). Die beiden 17-Jährigen gelten als größte Nachwuchshoffnungen ihrer von Eishockey besessenen Heimatländer. Als die Teenager von gegnerischen Clubs der nordamerikanischen Liga rekrutiert werden, ist ihre Rivalität auf dem Eis besiegelt. Jenseits davon sieht es aber schnell ganz anders aus.

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Auf dem Eis Rivalen, doch privat geht es zwischen Shane Hollander (l.) und Ilya Rozanov heiß her. (Foto: Sabrina Lantos/HBO Max)

Ein Blick in der Gemeinschaftsdusche reicht und der behütet aufgewachsene - und leicht autistische - Shane lädt Ilya auf sein Hotelzimmer ein. Sagen wir es so: Seine erste sexuelle Begegnung mit einem Mann hinterlässt Eindruck. Aber auch der sehr viel erfahrenere, bisexuelle Frauenheld hat Lust auf mehr. Über die nächsten Monate treffen sich Shane und Ilya, wann immer es der Spielplan zulässt.

"Heated Rivalry": Darum geht es

Dazwischen vertieft sich ihre Beziehung via SMS (die Serie beginnt im Jahr 2008). Geschrieben wird unter den Decknamen "Jane" und "Lily". Sollte die Affäre aufliegen, wäre ihre Karriere vorbei. Ilya könnte außerdem als geouteter Spieler nie mehr nach Russland zurückkehren, wo Homosexuellenfeindlichkeit Teil der Staatsräson ist.

Aber auch so stehen beide jungen Männer unter enormen Druck, das perfekte Aushängeschild zu sein: Ilya als Russe beim kapitalistischen Klassenfeind, Shane als einer der wenigen Spieler mit asiatischer Herkunft (seine Mutter ist Japanerin, Schauspieler Williams hat koreanische Wurzeln). Die Furcht vor dem Outing kollidiert immer stärker mit der Sehnsucht nacheinander. Bei der Preisverleihung zum Rookie des Jahres in Las Vegas kommt es zum Showdown.

Keine Frage: Die expliziten Sexszenen haben "Heated Rivalry" anfangs besondere Aufmerksamkeit eingebracht. Showrunner Tierney kritisiert zwar, dass seine Serie im Grunde nicht mehr zeigt als ein Mainstream-Hit wie "Bridgerton" - und das sogar ohne Brüste, aber eben mit Männern, was für mehr Aufregung sorge (ironischerweise liebt der Protagonist aus der neuen Staffel der Netflix-Serie ebenfalls Männer). Tatsächlich sind "Heated Rivalrys" Sexszenen in ihrer Intensität streckenweise aber doch eher vergleichbar mit dem Erotikerfolg "365 Tage". Von hohler Softporno-Optik ist "Heated Rivalry" jedoch Welten entfernt.

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Lieben sich entgegen aller Restriktionen: der Kanadier Shane Hollander und der Russe Ilya Rozanov (r.). (Foto: Sabrina Lantos/HBO Max)

Stattdessen heißt es "Komme für den Sex, bleibe für die Gefühle". Tierney zeigt viel nackte Haut, dabei aber in erster Linie Intimität, Kommunikation, Fürsorge. Für den schwulen Kanadier, bislang vor allem bekannt mit der Sitcom "Letterkenny", war "Heated Rivalry" ein Herzensprojekt. Das ist der Adaption der teils holprig zu lesenden Romanvorlage in allen Bereichen anzumerken. Ob Musik, Kostüme, Kameraführung, Ausstattung: Die Serie ist mit so viel Liebe zum Detail gemacht, dass Fans beim x-ten Anschauen neue Facetten entdecken. Da ist es kein Zufall, dass der größte Hit aus dem Soundtrack auch politisch ein Zeichen setzt.

In einer zentralen Szene in Folge vier von "Heated Rivalry" ist ein Remix von "All the Things She Said" von t.A.T.u. aus dem Jahr 2002 zu hören. Das Popduo, das mit einem lesbischen Image kokettierte, wurde vom Kreml zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Sotschi geschickt - wohl auch, um Kritik an Diskriminierung und Verfolgung homosexueller Menschen im Gastgeberland entgegenzutreten.

Unterdessen findet die Serie ihr Publikum selbst in Russland oder China, obwohl sie dort wohl dauerhaft nur illegal zu sehen ist. Laut der Nachrichtenagentur AP ist "Heated Rivalry" auf der russischen Filmseite Kinopoisk mittlerweile besser bewertet als "Breaking Bad" oder "Game of Thrones".

"Heated Rivalry" und die Folgen

Aber auch im Westen ist es für Spitzenathleten in den meisten Sportarten noch immer nahezu unvorstellbar, sich öffentlich zu ihrer gleichgeschlechtlichen Liebe zu bekennen. Kann "Heated Rivalry" helfen, das zu ändern? Es mag Zufall sein, dass gerade Fußballschiedsrichter Pascal Kaiser seinem Partner öffentlich einen Heiratsantrag gemacht hat. Die Serie hat international aber eine breite Diskussion zu dem Thema angestoßen.

Wenn politische Gegner der US-Administration "Heated Rivalry" loben, schwingt deshalb immer auch Opposition zum Gesellschaftsbild von Donald Trump mit. New York Citys Bürgermeister Zohran Mamdani empfahl die Bücher als Zeitvertreib während eines Schneesturms. Der kanadische Premierminister Mark Carney scherzte kürzlich, als er Hauptdarsteller Williams traf, er habe grünes Licht für die mit Steuergeldern finanzierte Serie gegeben: "Ich habe es den Amerikanern gezeigt!"

Am Ende aber ist "Heated Rivalry" vor allem eins: Die Antithese zum blutleeren Streaming-Mainstream mit den immer gleichen Geschichten und Gesichtern. Die Serie beweist, dass sich Aufrichtigkeit und frische Talente durchsetzen können. Und es geht weiter. Die Dreharbeiten zur zweiten Staffel beginnen vermutlich im Sommer, die Fortsetzung ist ebenfalls in Arbeit und das dritte Buch erscheint im September. Genug Zeit also für Deutschland, um beim Hype aufzuholen. HBO Max zeigt die sechs Folgen im Wochenrhythmus, etwa im Bundle mit RTL+ oder Prime Video.

Quelle: ntv.de

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