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Lux kauft ein, was er danach an Bedürftige verteilt.
Lux kauft ein, was er danach an Bedürftige verteilt.(Foto: Zorro Filmverleih)
Donnerstag, 04. Januar 2018

Krieger des Lichts im Medienhype: Lux, der sanfte deutsche Superheld

Von Andrea Beu

Was macht Superhelden aus? Sie sind mutig, edel und verfügen über besondere Kräfte. "Lux, der Krieger des Lichts", der eigentlich Torsten heißt, hat einen Umhang und eine selbstgebastelte Maske und will eigentlich nur helfen. Bis er in die Medienhype-Falle tappt.

Torsten Kachel (Franz Rogowski) lebt in sehr einfachen Verhältnissen - mit seiner sich zu Tode rauchenden Mutter wohnt er in einem Berliner Sozialbau mit Ofenheizung; er verdient sein Geld als Lagerarbeiter im Schichtdienst. Aber in seiner Freizeit, wenn er nicht gerade Sport macht, hängt er sich einen schwarzen Umhang um, setzt seine mit Panzerband beklebte selbstgebastelte Maske auf und tut Gutes. Er kauft Lebensmittel und andere notwendige Dinge und verteilt sie an Obdachlose und Bedürftige. Als "Lux, Krieger des Lichts". Und er organisiert Demos gegen Mietwucher und Verdrängung.

Lux tut das einfach so, ohne Drang nach Ruhm, Lob und großer Aufmerksamkeit. Nur aus einem Bedürfnis heraus, dass man anderen, schwächeren Menschen doch helfen muss; aus Gerechtigkeitssinn. Aber in den heutigen Zeiten der allgegenwärtigen Smartphone-Kameras bleibt sein Tun nicht unbemerkt, er wird fotografiert, gefilmt, taucht so in Zeitungen und Fernsehen auf. Denn die Welt liebt Helden! Aber wer ist er eigentlich, der geheimnisvolle Typ mit Maske und Umhang? Der junge Filmemacher Jan (Tilman Strauß) wittert seine Chance, groß rauszukommen und bietet Lux an, einen Film über ihn zu drehen, ihn zusammen mit seiner Kollegin und Tonfrau Lina (Anne Haug) für eine Dokumentation zu begleiten. Eigentlich überhaupt nicht Lux' Ding, aber er lässt sich doch überzeugen - schließlich hat er ja eine Botschaft an die Welt und die Publicity soll seinen guten Taten helfen und förderlich sein.

Es soll reißerischer werden

"Lux - Krieger des Lichts" startet am 4. Januar 2018 im Kino.
"Lux - Krieger des Lichts" startet am 4. Januar 2018 im Kino.

So weit, so gut der Plan. Der Produzent Brandt (Heiko Pinkowski), der das Filmprojekt finanzieren will, ist auch interessiert, aber: Der brave Held ist ihm noch zu brav, zu unsexy. Besser wäre doch noch 'ne heiße Schnitte an seiner Seite, wie ein Supergirl, und Lux soll nicht nur den Samariter geben, sondern richtige Verbrechen bekämpfen. Das lässt sich doch viel besser verkaufen! Nach einigem Zögern lässt sich Lux darauf ein, auf Verbrecherjagd zu gehen - und gegen eine attraktive junge Frau an seiner Seite hat er auch nichts. Er bekommt zudem eine neue, schicke Superhelden-Kluft verpasst - weg mit dem selbstgemachten Zeug!

Auch zu einem Fernsehinterview lässt Lux sich überreden - allein: Seine Botschaft kommt bei der Befragung kaum an, zu oberflächlich, sensationsgeil und tussig ist die "Moderatorin"; so wird das Interview schreiend peinlich. Ebenso peinlich wie der schlimme Superhelden-Rap-Clip, der gedreht wird. Auch bei der Verbrecherjagd geht einiges schief, zudem spielen seine Filmpartner mit falschen Karten. Lux entfernt sich immer mehr von seinen ursprünglichen Zielen, die gute Absicht nimmt ein katastrophales Ende und aus dem, der anderen hilft, wird selber ein Opfer ... Aber ist er es überhaupt noch? Oder wurde er durch einen anderen "Darsteller" ersetzt?

Rogowski, der Wandelbare

Lux mit seinem Supergirl, die dann doch nicht die ist, die er sich erhofft hat.
Lux mit seinem Supergirl, die dann doch nicht die ist, die er sich erhofft hat.(Foto: Zorro Filmverleih)

Wie in einer Anspielung für Kinokenner treffen hier Franz Rogowski und Jan Henrik Stahlberg wieder aufeinander wie gerade in "Fikkefuchs", und Rogowski spielt einen Torsten (wie er in "Fikkefuchs" immer fälschlicherweise genannt wird). Stahlberg ist in "Lux" aber nur in einer Nebenrolle zu sehen als fieser Backshop-Betreiber, der die nicht verkauften Brötchen lieber in den Müll kippt, anstatt sie zu spenden. Hier wieder eindrucksvoll zu sehen: Franz Rogowski ist ein sehr vielseitiger Schauspieler, nicht auf einen Rollentypus festgelegt. In "Victoria" war er der durchgeknallte, lustige Typ namens Boxer, der seine Kumpels durch eine zu begleichende Schuld in die Scheiße reitet; in Michael Hanekes "Happy End" spielte er Pierre, einen Managing Director und Sohn von Geschäftsfrau Anne (Isabelle Huppert), im rauen "Tiger Girl" war er Malte und zuletzt in "Fikkefuchs" der triebgesteuerte, aggressive Thorben.

In "Lux - Krieger des Lichts" ist er schließlich der sanfte, gutmütige, verletzliche junge Mann - und das sehr überzeugend, nachdem man in "Fikkefuchs" Angst vor ihm bekommen konnte. Rogowski trägt den Film fast komplett, die Kamera ist zum großen Teil auf ihn fokussiert, auf sein Gesicht. Schon wegen ihm lohnt sich der halbdokumentarisch wirkende Film, der ansonsten ziemlich grobkörnig und etwas spröde daherkommt und mit 104 Minuten etwas länger geworden ist. Wegen Rogowski und wegen des aktuellen Themas, der Medienkritik. Wie der Drang, alles vor die Kamera zu zerren, alles medial auszuschlachten, gute Ideen pervertieren kann.

Der Regisseur und Drehbuchautor Daniel Wild wurde für sein Erstlingswerk auf den 51. Hofer Filmtagen mit dem Heinz-Badewitz-Preis für die Beste Nachwuchsregie ausgezeichnet. Schon 2015 hatte er auf dem Sehsüchte-Festival die Auszeichnung "Bestes Drehbuch" dafür bekommen. Und Franz Rogowski wurde von der European Film Promotion zum "European Shooting Star 2018" gekürt - die entsprechende Ehrung wird bei der am 15. Februar beginnenden Berlinale vorgenommen.

"Lux - Krieger des Lichts" startet am 4. Januar 2018 in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de