Kino

Ein Weltstar hebt ab "Rocketman" schillert mehr als Elton John

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Die Geschichte eines Stars, der sein Leben fast an Drogen verliert, ist keine neue, wird aber in "Rocketman" wundervoll umgesetzt.

(Foto: Paramount)

Mit "Rocketman" erscheint innerhalb kurzer Zeit der zweite Film über eine schwule Musiklegende. Das Biopic-Musical wird zum Gefühlstrip in das schillernde, exzessive Leben des Weltstars Elton John. Der Streifen ist wesentlich besser als "Bohemian Rhapsody".

Ein Mann in einem Ganzkörperkostüm aus orangefarbenen Federn platzt in eine Selbsthilfegruppe. "Mein Name ist Elton Hercules John", sagt er, als er sich in den Stuhlkreis setzt. "Ich bin Alkoholiker. Ich bin drogenabhängig. Ich bin kokainsüchtig. Ich bin sexsüchtig. Ich bin shoppingsüchtig. Ich kiffe, habe Bulimie und Aggressionsprobleme." Es ist das Jahr 1990, der Tiefpunkt im Leben des Musikers. Dort, im Kreis der Abhängigen, begibt er sich auf eine Reise durch sein Leben, das ihn an diesen Punkt gebracht hat.

Ausgehend von der Therapiesitzung rollt "Rocketman" die Entwicklung von Reginald Dwight und seinen Aufstieg zum Weltstar Elton John auf. Was folgt, ist eine gelungene Mischung aus Broadway-Musical und Biopic, in dem sich die Songtexte in die Handlung einfügen und zum Teil des Lebens der Protagonisten werden.

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Es ist der typische Werdegang eines Rock'n'Roll-Stars, dessen Probleme bereits in der Kindheit anfingen. Der talentierte, aber schüchterne Reginald (gespielt von Matthew Illesley und Kit Connor) passt einfach nicht in das triste Leben, in das er hineingeboren wurde. Er leidet massiv unter der unglücklichen Ehe seiner Eltern und der Distanz zu seinem Vater Stanley (Steven Macintosh), der seinen Sohn für zu feminin hält und seine Familie früh verlässt. Auch seine Mutter Sheila Eileen (Bryce Dallas Howard) schenkt ihm kaum Beachtung. Nur wenn Reggie am Klavier sitzt, bekommt er die ersehnte Aufmerksamkeit, die ihm sonst verwehrt bleibt.

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Taron Egerton alias Elton John singt in "Rocketman" alle Lieder selbst.

(Foto: picture alliance/dpa)

Als junger Mann erfindet sich Reginald Dwight (grandios umgesetzt von Taron Egerton) als Künstler Elton John neu. Vom Texten hat der begnadete Pianist allerdings keine Ahnung und muss sich mit dem talentierten Songschreiber Bernie Taupin (wundervoll gespielt von Jamie Bell, der schon vor vielen Jahren als "Billy Elliott" brillierte) zusammentun. Mit der Zeit entwickelt sich dieser zu seinem treuesten Gefährten und besten Freund. Bei dem erfolgreichen Produzenten Dick James (Stephen Graham) unter Vertrag, machen sie sich Ende der 60er-Jahre auf den Weg nach Los Angeles, um groß rauszukommen.

"Don’t fuck yourself up with drugs"

In L.A. wächst John in seine neue Rolle - und verliert sich schnell in ihr. Seine Sehnsucht nach Aufmerksamkeit versucht er mit schrillen Kostümen und Maskeraden zu stillen. Sein Bedürfnis nach Liebe treibt ihn in die Arme seines eiskalten Managers John Reid (Richard Madden, bekannt als Rob Stark in "Game of Thrones"), mit dem er eine schwierige Liebesbeziehung führt. Aus Angst vor seiner Homosexualität geht er eine - wenig erfolgreiche - Ehe mit der Tontechnikerin Renate Blauel ein. Eine halbe Flasche Wodka zum Frühstück hier, ein Dutzend Näschen Koks da - den anfänglichen Rat seines Produzenten, "Don't fuck yourself up with drugs" (Mach dich nicht mit Drogen fertig), befolgt er nicht. Je erfolgreicher er wird, desto mehr verfällt er seinem Ruhm und gibt sich in die Hände von Alkohol und Drogen.

Die Geschichte eines Stars, der sein Leben fast an die Drogen verliert, ist keine neue, wird aber in "Rocketman" szenisch mit den Liedern und viel Kopfkino wundervoll umgesetzt. Das Publikum sieht, was John sieht und fühlt, was er fühlt. Das macht den Film, der so viel mehr ist als ein mit Musik aufgepepptes Biopic, so vertraut und reizvoll, weil er ihm neues Leben einhaucht. So bekommt das Lied "Rocket Man" eine völlig neue Bedeutung, als John es singt, während er bei einer Party "high as a kite" (hoch wie ein Drache) vom Ertrinken in seinem Pool gerettet werden muss.

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Bei seinen Auftritten verzaubert Elton John das Publikum mit schrillen Outfits und extravaganten Bühnenshows.

(Foto: picture alliance/dpa)

Regisseur Dexter Fletcher ist nicht nachsichtig mit John - was am Ende von dem Weltstar übrig bleibt, ist ein gebrochener Mensch voller Selbsthass und Angst. Das liegt auch am Einfluss des Sängers, der am Film als Produzent aktiv beteiligt war. "Rocketman" ist nach "Bohemian Rhapsody" der zweite Film in kurzer Zeit über homosexuelle Musiklegenden, an dem Fletcher mitwirkte - mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Er ist viel aufrichtiger. John wird, anders als Queen-Frontmann Freddy Mercury, so gezeigt, wie er ist: nämlich schwul. Nicht versteckt, nicht vage angedeutet, sondern ehrlich (wenn auch nicht öffentlich). Damit wurde auch ein Risiko eingegangen: Die Sexszene zwischen ihm und seinem Manager ist die erste ihrer Art, die von einem großen Filmstudio produziert wurde und wird in Ländern wie China aller Wahrscheinlichkeit nach rausgeschnitten werden.

Nicht nur deswegen ist sich die internationale Presse einig: Taron Egerton spielt Elton John nicht nur - er lebt ihn. Er sieht dem dicklichen Sänger mit großer Zahnlücke nicht nur unheimlich ähnlich, sondern überzeugt vor allem mit seiner wahnsinnigen Stimme und Ausstrahlung. Der Film verkörpert alles, was Elton John ist: exzentrisch, schwul, aufregend und wahnsinnig talentiert. "Rocketman" ist ein ehrliches und herzliches Tribut an seine Musik und sein Dasein.

"Rocketman" läuft ab 31. Mai in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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