Kino

Rivalen der Rennbahn "Rush" - oder: Die Niki-Lauda-Story

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Irgendwie Feinde. Irgendwie aber auch wieder nicht.

(Foto: AP)

Der Titel sagt leider nichts aus über den fulminanten Inhalt dieses Kino-Films, und das ist schade. Denn hinter "Rush" steckt die unglaublich gute, wahre Geschichte des Rennfahrers Niki Lauda und seines respektierten Feindes und Kollegen James Hunt. Plus einer Menge Sex, Drugs and Rock 'n Roll .

Beeindruckend: Daniel Brühl als Niki Lauda. Mitreißend: Chris Hemsworth als James Hunt. Ungleicher können zwei Typen nicht sein. Sie schaffen es, auch den größten Formel-Eins-Muffel hinterm Ofen vorzulocken, denn "Rush" erzählt die Geschichte von Sieg und Niederlage, von Autos, Träumen, Frauen, Sex, Drogen, Schnelligkeit, Geld, Irrsinn und einer sehr speziellen Männer-Beziehung, die weder mit Freundschaft noch Feindschaft so einfach zu beschreiben wäre.

Und: Es ist eine wahre Geschichte. Es ist die Geschichte des Österreichers Niki Lauda, der zugelassen hat, dass noch zu seinen Lebzeiten ein anfangs gar nicht mal so sympathisches Bild von ihm gezeichnet wird, das es einem aber leicht macht, die Faszination des Motorrennsports zu begreifen. Denn da zählt nur der Augenblick, der Rausch, das Austesten von Grenzen.

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Daniel Brühl als Niki Lauda - überzeugend.

(Foto: dpa)

Wie unterschiedlich man sich dem Metier annähern kann, können wir in "Rush - Alles für den Sieg" beobachten. Oscar-Preisträger Ron Howard ("Illuminati", A Beautiful Mind", Apollo 13") erklärt uns die beiden Rennfahrer Lauda und Hunt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während der disziplinierte Lauda ehrgeizig an seiner Karriere feilt, stürzt sich Naturtalent Hunt ins glamouröse Jetset-Leben. Ihre Rivalität tragen sie nicht nur in spektakulären Rennen aus, sondern auch jenseits der Rennbahn. Großes Kino, wie Brühl den österreichischen Slang - auf englisch - von Lauda trifft. Hunt, der Rockstar und Playboy der Formel 1 - verheiratet mit dem erfolgreichsten Model seiner Generation, Suzy Miller (Olivia Wilde) -  gegen Lauda, den messerscharfen Strategen und Perfektionisten. Bis zum legendären Rennen 1976 am Nürburgring steht Lauda auf dem ersten Tabellenplatz.

Doch auf regennasser Fahrbahn baut er einen dramatischen Crash auf dem gefährlichen Asphalt, seine Frau Marlene (Alexandra Maria Lara) muss um sein Leben bangen. Die Liebesgeschichte der beiden wird übrigens sehr süß und mit viel Witz und Ironie erzählt. Mit schier übermenschlichem Willen kämpft Lauda sich zurück ins Leben und tritt nur wenige Wochen später zu einem erneuten Showdown mit Hunt in Japan an. Wieder regnet es stark, das Rennen soll abgebrochen werden, doch beide Rivalen wollen sich nichts schenken. Das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Dreck, Tod, Sünde

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Olivia Wilde als Suzy Miller

In diesem Film ist es laut, es dröhnt und es wummert, und wenn man heute dem ganzen Formel-1-Zirkus nichts abgewinnen kann, dann mag es daran liegen, dass es diese Art von Autorennen so nicht mehr gibt. Nicht, dass wir uns wünschen würden, dass es wie damals jedes Jahr im Durchschnitt zwei Tote gibt, nicht, dass wir es befürworten würden, dass die Rennfahrer vor dem Rennen Alkohol und andere Drogen konsumieren. Und doch - es hatte einfach mehr Faszination in den 70er Jahren, die der Dreck, der Tod und die Sünden mit sich brachten. Mit Michael Schumacher und Sebastian Vettel kamen da ganz andere Generationen ans Steuer, Typen, die sauber, smart und durchtrainiert sind. Mental und physisch topfit. Keine Partys, keine Exzesse.

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Niki heiratet seine Marlene - plötzlich hat er etwas, um das er Angst haben muss.

Ja, wir verstehen das, aber cooler war's früher. James Hunt fuhr Autorennen, um dem Tod ins Gesicht zu gucken, er lebte für den Moment. Zugegeben - mit dieser Einstellung wurde er nicht alt, er starb mit 45 Jahren an einem Herzinfarkt. Und ein Typ mit Durchhaltevermögen und Ehrgeiz sieht auch anders aus: Nachdem er einmal Weltmeister war, legte er seine Rennfahrerkarriere ad acta, widmete sich anderen Dingen - zum Beispiel einer TV-Moderatoren-Laufbahn, den Frauen, den Partys. Einmal Lebemann, immer Lebemann. Typen wie Hunt faszinieren.

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Lebemann Hunt lässt die Korken knallen.

(Foto: AP)

Typen wie Niki Lauda aber auch - vor allem, wenn man jetzt auf sein Leben zurückblickt. Immer noch ist er ein erfolgreicher Geschäftsmann, seine aktuelle Frau ist dreißig Jahre jünger als er, er ist mehrfacher Vater, er wirkt glücklich und zufrieden, seine Meinung an der Rennstrecke ist noch immer gefragt. Und seinen Humor hat er trotz seines schlimmen Unfalls auch nicht verloren:  Für ein Interview mit der Moderatorin einer amerikanischen Morningshow traf er sich an der Stelle der Rennstrecke, wo der Crash 1976 passierte. Lauda hatte wohl keine Lust auf die große Betroffenheitsnummer, daher versteckte er vor dem Interview ein Vanille-Kipferl im Gras und sagte dann währenddessen: "Oh, das gibt's doch nicht, da liegt wohl noch mein Ohr!" Lauda amüsierte sich, die Reporterin war blass, wir konstatieren: Lauda ist ein Schlitzohr (Achtung, Wortspiel) und ein perfekter PR-Mann obendrein! 

Niki Lauda, der damals bereits das Korrekte in die Formel 1 brachte, war ein Genie: Er fuhr mit dem Kopf, nicht mit dem Bauch und auch nicht mit seiner Männlichkeit, er kannte seinen Motor besser als ein Mechaniker, und er zeigte allen den Mittelfinger, die seine Art nicht mochten. Großartig macht Daniel Brühl das, den Lauda zu geben. Seine Sprache, sein Blick, seine ganze Art, Oscar-reif! Chris Hemsworth, der seinen Rivalen James Hunt mimt, macht das nicht minder gut, aber dennoch ringt uns Brühl in der Rolle des Rennfahrer-Veteranen mehr Respekt ab.

Zum einen, weil jeder hierzulande Niki Lauda kennt, weil seine Geschichte so unglaublich ist und sein Wille, zu siegen, so beeindruckend. Zum anderen, weil wir Daniel Brühl bisher irgendwie für einen Langweiler gehalten haben, auch wenn er schon in "Inglourious Basterds" mitgespielt hat, und auch, wenn er bald in der Geschichte um "Wikileaks" (ab 31. Oktober) eine weitere große Hauptrolle haben wird, die ihn Richtung Hollywood treiben wird. Der Langweiler-Status dürfte jetzt vorbei sein. Ob er seine Ü-Tüpfel, genauso wie Kollegin Diane Kruger, auf dem weiten Weg über den Großen Teich verlieren wird? Wir wissen es natürlich nicht, es ist auch egal, denn eines ist gewiss: "Rush" gehört zu den besten Filmen des Jahres 2013. Und die Einsicht, dass ein guter Rivale besser ist als ein schlechter Freund gehört auch dazu.

"Rush - Alles für den Sieg" startet am 3. Oktober 2013 in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de