Kino

Jane Austen rotiert im Grab Stolz und Vorurteil und Zombies

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Zwei Engel für Charlie? Nein, Jane (Bella Heathcote) und Elizabeth (Lily James) Bennet.

(Foto: Square One / Universum)

Da wächst zusammen, was nicht zusammengehört. Der Film "Stolz und Vorurteil und Zombies" wirft einen Literatur-Klassiker mit ein paar Untoten in einen Topf. Ob diese Mixtur wohl mundet?

Am Anfang war das Buch. Ja, das von Jane Austen natürlich sowieso. Bereits 1813 veröffentlichte die Britin ihren Roman "Stolz und Vorurteil", der sich noch zum Bestseller mausern sollte, bevor die Schriftstellerin vier Jahre später starb. Heute gilt der Klassiker als Standardwerk englischsprachiger Literatur. Es heißt, vor allem Frauen würden noch immer bei der Liebesschmonzette um die Herren Bingley und Darcy sowie die Benett-Schwestern Jane und Elizabeth dahinschmelzen.

Vielleicht provozierte ja genau das den Amerikaner Seth Grahame-Smith 2009 dazu, sich Austens Werk noch einmal unter ganz anderen Vorzeichen vorzuknöpfen. Kurzerhand modelte er das rührselige Epos zu einer Parodie um: "Stolz und Vorurteil und Zombies". Hierzulande mögen nicht allzu viele von diesem durchgeknallten Mashup Notiz genommen haben, doch im angloamerikanischen Raum feierte Grahame-Smith damit große Erfolge. Wenn nun unter der Regie von Burr Steers ein Film in die Kinos kommt, in dem der eitle Mr. Darcy zum Ober-Zombie-Killer mutiert, heißt es also auch hier: Am Anfang war das Buch.

Messerset am Strumpfband

Die Geschichte weicht dabei im Wesentlichen eigentlich keinen Deut von der historischen Originalvorlage ab. Die Familie Bennet mit ihren fünf Töchtern - Jane (Bella Heathcote), Elizabeth (Lily James), Kitty (Suki Waterhouse), Lydia (Ellie Bamber) und Mary (Millie Brady) - lebt vor den Toren Londons. Vor allem treibt sie die Frage um, wie der Nachwuchs am besten lukrativ unter die Haube zu bringen ist. Während Jane mit dem reichen Nachbarn Charles Bingley (Douglas Booth) anbändelt, verguckt sich Elizabeth in dessen nicht minder vermögenden Bekannten Fitzwilliam Darcy (Sam Riley), den alle Welt nur Mr. Darcy tituliert. Doch der Beau zeigt der 20-Jährigen erst einmal die kalte Schulter. Es folgen zahlreiche Irrungen und Wirrungen im Liebesspiel der Hauptprotagonisten, ehe es zum Happy End kommt. Oder etwa nicht?

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Die Bennet-Schwestern wissen, wie man kämpft.

(Foto: Square One / Universum)

So weit, so gut. Bis hierhin hätte sicher auch Jane Austen noch ihren Segen zu der Geschichte gegeben. Das, was Grahame-Smith im Buch und Steers im Film der literarischen Vorlage aber noch übergestülpt haben, lässt die Britin auch fast 200 Jahre nach ihrem Tod vermutlich im Grab rotieren. Während die Bennet-Schwestern und ihre Angebeteten umeinander balzen, tobt in London und seinem Umland eine Zombie-Plage. Wer einmal von einem Untoten gebissen wurde, kann nur noch in seine Einzelteile zerlegt davor bewahrt werden, selbst zum Monster zu werden. In der Zombie-Jagd hat Mr. Darcy seine Berufung gefunden. Doch auch die Mädels der Bennet-Familie wissen, wie man einen Untoten gepflegt in die Schranken weist - ein Messerset am Strumpfband kann jedenfalls nie schaden.

Bis zur Langeweile verheddert

Wir ersparen es Ihnen und uns an dieser Stelle, detaillierter auf den Verlauf und die Fortschritte auf dem Zombie-Schlachtfeld einzugehen. Stattdessen sagen wir Ihnen, dass der Streifen durchaus in zweierlei Hinsicht punkten kann: Mit der Ausstattung, die auch jedem vollkommen Untoten-freien Historienfilm zur Ehre gereicht hätte. Und mit dem Personal. Sam Riley - am besten für seine Verkörperung von Joy-Division-Frontmann Ian Curtis in "Control" bekannt - weiß ebenso zu überzeugen wie etwa "Cinderella"-Schnuckel Lily James.

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Mit Zombies ist nicht gut Kirschen essen - aber mit den Ladys auch nicht!

(Foto: Square One / Universum)

Das war es dann aber auch schon. Ansonsten verflacht der Film nach noch ganz gut geglücktem Anfang immer mehr, bis er - was könnte es Schlimmeres für einen Zombie-Film geben? - geradezu langweilt. Steers, eigentlich gelernter Schauspieler und als Regisseur bis dato vor allem für Komödien der Marke "17 Again" bekannt, schafft es über 108 Minuten nicht, zusammenzuführen, was nicht zusammen gehört. Stattdessen beschleicht einen das Gefühl, als liefen hier ein Horrorfilm und ein Historienschinken einfach nur zeitgleich nebeneinander ab. Dabei verheddert sich der Streifen zusehends in seinen eigenen Handlungssträngen und vergisst sogar, den Ausgang einer zentralen Szene - Jane trifft im Wald auf eine Zombiemutter samt Baby - für den Zuschauer irgendwann mal aufzuklären.

Fazit: Wer ein Faible für schöne Kostüme aus dem 19. Jahrhundert hat oder eine Verehrerin von Sam Riley ist, kann sich eine Kinokarte kaufen. Alle anderen - selbst eingefleischte Zombie-Nerds, die anderswo deutlich besser auf ihre Kosten kommen - können sich das sparen. Diesen Rat hätte vermutlich auch Jane Austen erteilt - wenn sie nicht gerade dabei gewesen wäre, auf die Filmemacher einzudreschen wie auf einen Untoten.

"Stolz und Vorurteil und Zombies" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Quelle: ntv.de