Kino

"The King of Staten Island" Sympathischer Loser mit Wut und Witz

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Pete Davidson und Scott Buscemi in "King of Staten Island".

(Foto: imago images/Prod.DB)

Pete Davidson spielt in "The King of Staten Island" die Hauptrolle und schrieb auch am Drehbuch mit. Dem liegt seine eigene Lebensgeschichte zugrunde, geprägt vom frühen Tod des Vaters. Entstanden ist eine rührende Tragikomödie über einen sympathischen Verlierer.

Man könnte meinen, die Rolle des Scott in "The King of Staten Island" sei Pete Davidson auf den Leib geschrieben. Das wäre allerdings stark untertrieben. In Wirklichkeit machen die tragikomische Figur des depressiven Kiffers mehr als nur ein paar Eigenschaften des US-Comedians aus. "In ihm stecken wahrscheinlich 75 Prozent meines wahren Ichs", so der 26-jährige "Saturday Night Live"-Komiker. "Vielleicht sogar mehr. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen."

Zum Beispiel verlor Davidson seinen Vater, der bei der New Yorker Feuerwehr arbeitete, bei den Rettungseinsätzen am 11. September 2001. Auch Scotts Dad war bei der Feuerwehr. Auch er starb im Job, als sein Sohn gerade sieben Jahre alt war. Heute wohnt Scott mit Mitte 20 noch immer bei seiner Mutter Margie (Marisa Tomei). Er ist depressiv und hängt am liebsten kiffend mit seinen Kumpels ab. Mit Kelsey (Bel Powley) hat er zwar von Zeit zu Zeit Sex, doch auf ihre Bemühungen, eine echte Beziehung mit ihm aufzubauen, steigt er nicht so recht ein. Scott träumt lieber davon, ein Tattoo-Restaurant zu eröffnen, doch fehlt ihm natürlich das dafür nötige Kapital. Als seine kleine Schwester Claire (Maide Apatow) aufs College wechselt, ist mit ihr die letzte Konstante in Scotts Leben verschwunden. Dann lernt Mutter Margie auch noch einen neuen Mann kennen und Ray (Bill Burr) ist ausgerechnet Feuerwehrmann. Trotz der 17 Jahre, die seit dem Tod seines Vaters vergangen sind, ist Scott nicht gewillt, die Wahl seiner Mutter zu akzeptieren.

Ungewöhnliche Erzählweise

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So richtig warm werden Scott und Ray nicht miteinander.

(Foto: imago images/Prod.DB)

Wie Scott fiel es auch Davidson lange schwer, seinen Platz im Leben zu finden. Noch immer kämpft er mit Depressionen, worüber der Ex-Freund von Ariana Grande und Kate Beckinsale schon häufiger in Interviews offen sprach. Und er hängt tatsächlich gern kiffend im Keller seiner Mutter herum, in dem er derzeit wohnt. Dennoch ist "The King of Staten Island" kein reines Biopic, denn es verschwimmen Fiktion und Realität. Überhaupt legt sich der Film an kaum einer Stelle fest. Die Dialoge sind größtenteils improvisiert, häufig wechseln dadurch an unerwarteten Stellen Thema und Tonalität. So wird aus der Coming-of-Age-Geschichte mal eine romantische Komödie, dann wieder ein Drama. Auch der Fokus verschiebt sich bisweilen. Figuren rücken überraschend in den Mittelpunkt, andere verschwinden kommentarlos. Ein bisschen wie im echten Leben, im Kino allerdings eher ungewöhnlich.

"The King of Staten Island" ist eine lockere Aneinanderreihung oft rührender Szenen und folgt keiner stringenten Erzählstruktur. Nicht immer ist es Regisseur Judd Apatow gelungen, seine Schäfchen auf Spur zu bringen, sodass einiges aufgrund von Improvisation und Spontaneität etwas zu lang geraten ist. Doch schaut man dem extrem sympathischen Loser Scott beziehungsweise seinem Darsteller Pete Davidson gern zu, wächst er einem doch mehr und mehr ans Herz. Und auch der Rest der Besetzung überzeugt, darunter Steve Buscemi als Feuerwehrmann, der er übrigens tatsächlich früher - vor seiner Karriere als Schauspieler - einmal war.

Mit diesem Film wollte Davidson, der das Drehbuch gemeinsam mit Judd Apatow und Dave Sirus schrieb, seinem Vater sowie überhaupt allen Feuerwehrleuten ein Denkmal setzen. Und das ist ihm auf berührende, wortwitzige, situationskomische Weise gelungen.

"The King of Staten Island" läuft ab dem 30. Juli in den Kinos.

Quelle: ntv.de