Kino

Marvel goes Horror "The New Mutants" sind ziemlich altbacken

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Sehen nicht so aus, sind aber "The New Mutants".

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Kinos haben wieder geöffnet. Da wird es doch allerhöchste Zeit für eine neue Marvel-Produktion. "The New Mutants" fischt im "X-Men"-Gewässer, verkommt dabei jedoch zum müden Teenie-Horror. Da kann auch "Game of Thrones"-Star Maisie Williams nicht viel retten.

Die Flut an Comic-Verfilmungen aus Hollywood ebbt nicht ab. Der Trailer des für 2021 geplanten "The Batman" entzückt schon jetzt die Fans. Seit Wochen läuft die Werbekampagne für "Wonder Woman 1984"und "Black Widow", die nach der Corona-Kinopause in den Startlöchern stehen.

Beinahe unbemerkt und ohne großes PR-Brimborium kommt nun eine weitere Comic-Verfilmung aus dem Hause Marvel ins Kino: "The New Mutants" ist zur Abwechslung kein buntes Spektakel mit bombastischer Action und witzigen Sprüchen, sondern ein Horrorfilm.

Eine böse Vermutung

Es beginnt mit Teenager Dani Moonstar (Blu Hunt), die als einzige einen Tornado in ihrem Heimatdorf überlebt hat. Nach dem Unglück erwacht sie in einem abgelegenen Krankenhaus, wo sie mit Handschellen ans Bett gekettet wurde. Die leitende Ärztin Dr. Reyes (Alice Braga) erklärt Dani, dass sie eine Mutantin ist. Um sie vor sich selbst und anderen zu schützen, soll Dani ihre Kräfte erforschen und lernen, sie zu kontrollieren. Erst dann darf sie die dubiose Einrichtung, die eher wie ein Forschungslabor wirkt, verlassen.

Neben Dani und Dr. Reyes halten sich nur vier andere Menschen in dem tristen Gebäude auf - die traumatisierten Jugendlichen Rahne Sinclair ("Game of Thrones"-Star Maisie Williams), Illyana Rasputin (Anya Taylor-Joy), Sam Guthri (Charlie Heaton aus "Stranger Things") und Roberto da Costa (Henry Zaga). Alle sind gegen ihren Willen dort. Und alle haben - gewollt oder ungewollt - Menschenleben auf dem Gewissen.

Nach anfänglichen Animositäten freunden sich die Teenager, die durch einen riesigen Energieschild an der Flucht gehindert werden, miteinander an. Zwischen Dani und Rhane entwickelt sich sogar eine Romanze. Doch bald häufen sich in dem alten Gebäude mysteriöse und zunehmend bedrohliche Vorfälle. Dani hat eine böse Vermutung: "Ich glaube, wir sind nicht hier, um gesund zu werden."

Mehrfach verschoben

Nach Action-Abenteuern und Komödien ist "The New Mutants" der erste Gruselfilm nach einem Marvel-Comic. Er ist aber nicht Teil des Marvel Cinematic Universe (MCU) mit den erfolgreichen Blockbustern "Avengers", "Thor" oder "Guardians of the Galaxy". Er zählt vielmehr zur "X-Men"-Reihe mit Spin-off-Filmen wie "Wolverine: Weg des Kriegers" oder "Deadpool". Bis auf die Erwähnung der X-Men ist "The New Mutants" allerdings kaum mit den anderen Filmen verknüpft.

Dass die 2018 gestorbene Marvel-Legende Stan Lee noch als Executive Produzent von "The New Mutants" genannt wird, hat einen Grund. Die Dreharbeiten fanden 2017 statt. Der ursprünglich für 2018 geplante Start wurde mehrfach verschoben - erst wegen geplanter Nachdrehs, zu denen es nie kam, dann aufgrund der Übernahme von 20th Century Fox durch den Disney-Konzern und schließlich wegen der Corona-Krise.

Ähnlich zäh wie der Prozess bis zum Kinostart ist leider auch der Film von US-Regisseur Josh Boone ("Das Schicksal ist ein mieser Verräter"). Es dauert viel zu lang, bis sich endlich etwas tut. Viel passiert aber auch dann nicht. Als vermeintlicher Horrorfilm fehlt "The New Mutants" die Spannung. Eine Gänsehaut kommt allenfalls bei der tragischen Vorgeschichte von Illyana auf - wenn sie erzählt, dass sie als Kind missbraucht wurde und aus Rache 18 Männer tötete. Doch die Geschichte und ihre Figuren bleiben insgesamt oberflächlich.

Auftakt zu weiteren Filmen?

Ein Lichtblick sind die beiden Darstellerinnen Anya Taylor-Joy, die mit ihrer quirligen Spielfreude schon in der Jane-Austen-Komödie "Emma" begeisterte, und die hervorragende Maisie Williams. Taylor-Joy überzeugt als traumatisierte Illyana, die unter Angst in ihre eigene Fantasiewelt flüchtet und dort zur Superheldin mutiert. Williams, die als Arya Stark in "Game of Thrones" berühmt wurde, macht als Werwolf Rhane eine gute Figur. Newcomerin Hunt ist dagegen etwas farblos, und Charlie Heaton spielt einfach seine "Stranger Things"-Rolle weiter.

Wirklich unterhaltsam an "The New Mutants" ist nur das spektakuläre Finale, das wie ein Auftakt zu weiteren Filmen wirkt. So war es wohl ursprünglich auch geplant. Doch durch die schleppende Produktion hat das Projekt an Schwung verloren. Zudem waren die US-Kritiken mäßig. Und die Filmrechte liegen nun wieder bei den Marvel Studios, die für das MCU verantwortlich zeichnen. "The New Mutants" wird also vermutlich so unbemerkt verschwinden, wie der Film ins Kino kam.

Quelle: ntv.de, Philip Dethlefs, dpa