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"Da krieg ich die Krätze" "Der Schiri ist Luft" - oder eine Pfeife

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Der wohl bekannteste Schiedsrichter der Welt: Pierluigi Collina.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

1863 wird in England das erste offizielle Regelwerk des Fußballs veröffentlicht, doch eine Figur spielt damals gar keine Rolle: der Schiedsrichter. Das geht 28 Jahre gut, dann wird auch er Bestandteil des Spiels - und die Misere nimmt ihren Lauf.

Ob Fußball-EM oder Bundesliga - rollt der Ball, gibt es jede Woche Stoff für die Stammtische dieser Nation: Foul oder nicht, Gelbe Karte, Rote Karte, Schwalbe oder Phantomtor - alles darf und wird diskutiert. Heiß, versteht sich. Mit Temperament. Jeder hat recht. Nur der Schiedsrichter meistens eben nicht. Das ist eine der ungeschriebenen Regeln des Fußballs.

Doch das war nicht immer so. Im ersten offiziellen Regelwerk des Fußballs, 1863 in England erschienen, kommt der Schiedsrichter gar nicht vor. Warum auch? Fußball ist in seiner Anfangszeit ein faires Spiel unter Gentlemen. Very british eben: Bei Meinungsverschiedenheiten einigen sich die Spielführer der beiden Mannschaften untereinander. Das funktioniert prächtig.

Unparteiischer schwarzer Peter

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"Der Schiri ist Luft" ist bei Der Hörverlag erschienen.

Also warum die Figur des Schiedsrichters ins Spiel einführen? Ganz einfach: Die Regeln beim Fußball werden immer umfangreicher. So wird etwa 1891 der noch heute gültige Strafstoß eingeführt. Aber wer soll ihn denn verhängen? Das Ifab, das International Football Association Board, entscheidet sich dafür, eine unabhängige Person zu küren, der Schiedsrichter ist geboren.

Und wie das Regelwerk des Fußballs selbst werden auch seine Aufgaben immer umfangreicher. Ein Schiedsrichter muss nicht nur etwa dafür Sorge tragen, dass die Spieler keinen Schmuck tragen oder andere gefährdendes Schuhwerk. Er sollte stets auf Ballhöhe sein, aber gleichzeitig auch auf aggressives Verhalten von Spielern abseits des Spielgeschehens ein Auge haben. Was wird einem Unparteiischen da bloß alles zugemutet? Und das ist noch längst nicht alles!

Es war einst im Mai 1976 ...

Der Schiedsrichter muss etwa auf die 22 Spieler und den Ball auf dem Spielfeld aufpassen. Er soll aber auch auf "Fremdkörper" achten. Das kann ein auf den Rasen rollender zweiter Ball sein - oder gar dritter, vierter, wie bei dieser EM -, ein aus den Zuschauerrängen fliegendes Feuerzeug oder ein anderes Wurfobjekt. Ja selbst ein Tier erscheint möglich, solange im Freien gekickt wird. Sepp Maier weiß ein Lied davon zu singen, es geschah dereinst im Mai 1976.

"Gegen Bochum war des, zu Hause. Des woar a langweil'ges Spiel. Da woar'n vielleicht 20.000 Leit im großen Olympiastadion. Ich hab schon alle schnarchen g'hört", erinnert er sich lachend. Dann pfeift der Schiedsrichter einen Elfmeter für die Bayern. Am anderen Ende des Spielfelds also. Paul Breitner legt sich den Ball zurecht und schießt ihn dann ins Tor. Doch statt Jubel ertönt Gelächter im weiten Stadionrund. Breitner guckt verdutzt, dreht sich um - und sieht den Bayern-Keeper Maier hinter einer Ente herhechten. "Eine Olympiaseeente", sagt Maier. "Die hat da gewohnt, die hab ich da öfter gesehen."

Und was macht der Schiedsrichter? Der kümmert sich nicht um die Ente auf dem Platz, sondern um den Elfer und dessen regelkonforme Ausführung - und liefert so den Stammtischen in München und jenseits des Weißwurst-Äquators Stoff für zahlreiche Diskussionen und Lacher.

Anekdoten, Sprüche, Angeberwissen

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Das ist eine Phrase!

(Foto: Der Hörverlag)

Die liefert auch das äußerst kurzweilige Hörbuch von Christian Bärmann und Martin Maria Schwarz: "Der Schiri ist Luft" aus dem Hörverlag. Der Untertitel - "eine kleine komische Regelkunde des Fußballs" - beschreibt kurz und knapp wie ein Schiedsrichterpfiff, worum es in dem Hörbuch geht. Neben zwei deutschen Unparteiischen kommen auch viele Protagonisten aus dem deutschen Profifußball mit O-Tönen zu Wort und es werden kräftig Phrasen gedroschen.

"Da stehen so viele Pappnasen von Schiedsrichtern da draußen", ereifert sich etwa Horst Held. "Der Schiedsrichter ist auf einen Bauerntrick reingefallen." (Skibbe) "Das ist doch 'ne Frechheit, was der pfeift: Gelbe Karten für uns, Rote Karten für uns ..." (Lothar Matthäus) "Der Schiedsrichter ist überhaupt nicht zu sprechen. Und dann sagen sie uns: Nein, tut uns leid, Tatsachenentscheidung. Da krieg ich's Kotzen. Da krieg ich die Krätze." (wieder Horst Held)

Aber ganz nebenbei lernt der Fußballfan auch Kleinigkeiten, mit denen er beim nächsten Fußball-Stammtisch auftrumpfen kann. So etwa damit, dass es erst nach dem WM-Viertelfinalspiel England - Argentinien zur Einführung der Gelben und Roten Karten kam. Im Spiel hatte der deutsche Schiedsrichter den argentinischen Spielführer zwar mit Wort und klarer Geste des Feldes verwiesen. Der verließ den Rasen aber nicht, weil er den Schiedsrichter nicht verstanden habe, wie er später sagte.

In der Londoner Rush Hour soll dem Schiedsrichter dann bei einer Fahrt mit diversen gelben und roten Ampeln die Idee zu den Karten gekommen sein. So die Legende. Fakt ist dagegen, dass das Elfmeterschießen auf einen Deutschen zurückgeht. Das erklärt dann auch, warum bei einem großen Turnier die deutsche Mannschaft noch kein wichtiges Penalty-Shootout verloren hat. Ganz im Gegensatz zu den Engländern. Aber das ist Stoff für eine andere Geschichte ...

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Quelle: ntv.de

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