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Von Runen, True Crime und UrbEx"Rostiges Grab" - die Graumädchen-Legende

21.02.2026, 12:10 Uhr Thomas-BadtkeVon Thomas Badtke
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Wird in "Rostiges Grab" zum Tatort: eine verlassene Fabrik. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Ein Cold Case trifft auf True Crime, Urban Exploring auf eine jahrtausendealte Legende aus der Wikingerzeit. Was Schwedens Nummer-Eins-Bestsellerautor De La Motte auf die Zuhörer loslässt, ist mehr als nur ein Thriller. Aber Vorsicht: "Nichts ist, wie es scheint … im Rostskogen."

"Gehst Du dorthin, so nimm Dich in Acht, denn auf nichts ist dort Verlass. Nicht auf das Wasser. Nicht auf die Erde. Weder auf Pflanzen noch auf Getier. Auf keinen Menschen und keine Seele. Nichts ist, wie es scheint. Nichts, wie es sein soll. Dort draußen. Im Rostskogen." Es ist eine Warnung, die mündlich überliefert wurde, von Generation zu Generation. Um den Rostskogen hat man möglichst immer einen großen Bogen gemacht. Denn dort lauern Gefahren. In jedweder Form. Und über den Rostskogen, diese mystisch aufgeladene schwedische Region wacht "das Graumädchen".

Die Legende besagt, dass es einst vor Abertausenden Jahren einem schrecklichen Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Es soll sich gerächt und die Peiniger getötet haben. Als Strafe für die eigene Tat ließ es sich dem Wald opfern. Es wurde in der Erde festgepfählt. Sobald man es befreit, nimmt es erneut ein Menschenleben: "Blut muss mit Blut gesühnt werden."

Tief im Rostskogen, unter der Bindrune

Ein gemütliches Fleckchen schwedische Erde also, dieser Rostskogen. Viel Wald, viel Moor, viel Torf. Kein Wunder, dass nach dem Zweiten Weltkrieg dort eine Torffabrik gebaut wurde. Riesig. Aber mittlerweile verlassen, dem Zerfall anheimfallend. Das Gelände drumherum gehört einer einzigen Familie, die dort einen Schrottplatz betreibt, samt riesigem Autofriedhof, Wolfshunden und Überwachungskameras. Das Motto der Familie: Lasst ihr uns in Ruhe, tun wir euch auch nichts!

Für "UrbExer" ist die ehemalige Torffabrik einer der Top-Lost-Places, ein absolutes "must have". Martin Hill, erfolgreicher Buchautor, was dieses Thema betrifft, hat einst mit der Familie Bekanntschaft gemacht. Er ist mit dem Leben davongekommen. Nun sind wieder zwei UrbExer vor Ort. In tiefster Nacht. Ihre Idee: ein True-Crime-Video, denn in der Torffabrik wurde vor Jahren die Leiche einer jungen Frau gefunden, an einen Pfeiler im Inneren gelehnt, die Kehle durchgeschnitten, der Ringfinger abgetrennt, über ihrem Kopf eine Bindrune in das Holz des Pfeilers geritzt: zwei "R", die Rücken an Rücken wie ein Käfer aussehen, aber seit Wikinger-Zeiten für Leben, Tod und Wiederauferstehung stehen.

Als die beiden gerade ihr Video drehen, taucht eine Frau auf, sie ähnelt einem Geist, dem sagenumwobenen "Graumädchen". Sie hat den Ringfinger des damaligen Opfers in der Hand. Woher hat sie ihn? Wer ist die Frau? Leo Asker und ihr "Team der verlorenen Seelen und hoffnungslosen Fälle" beginnen zu ermitteln. Martin Hill, Leos Nachbar und Freund aus Kindertagen, mischt ebenfalls mit, auf eigene Faust. Und schon bald wird klar: "Jemand" hat eine Maschinerie in Gang gesetzt, die droht, alles und jeden mit sich in den Abgrund zu reißen, der sich mit dem "Graumädchen-Fall" beschäftigt.

Die "vergessenen Seelen" sind gefordert

Wer Leo Asker aber kennt, weiß: Das spornt die junge Frau nur noch mehr an. Schließlich sind Leo und ihr Team, bestehend aus Virgilson (Spitzname: "die Kröte"), dem mittlerweile über 60 Jahre alten, aber durchtrainierten und mit seiner Aggressivität kämpfenden Atila, der schüchternen Rose, einer absoluten Koryphäe, was Recherche und bürokratische Abläufe betrifft, und Zafer, einem schwerhörigen Techniknerd, keine 0815-Ermittler. Alle wurden irgendwann aus dem normalen Polizeiverkehr gezogen, wegen ihrer Marotten, ihrer Skurrilitäten, oder weil sie wie Leo jemandem auf die Füße getreten sind.

Bei Leo war es Jonas Hellman, der dafür gesorgt hat, dass sie im Keller des Polizeireviers mit den anderen "vergessenen Seelen" verrottet. Dass dieser Schuss nach hinten losging, haben die ersten beiden "Leo Asker"-Bände des schwedischen Nummer-Eins-Bestsellerautoren Anders De La Motte bereits eindrucksvoll gezeigt. Und auch im neuen Fall "Rostiges Grab", erschienen bei Droemer Knaur und Argon, müssen sich Leo und ihr Team wieder mit jeder Menge Intrigen innerhalb des Polizeiapparats auseinandersetzen.

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De La Motte und Geke in Bestform!

Nie unterkriegen lassen! Das hat Leo in ihrer Kindheit bereits gelernt, denn sie wuchs bei ihrem Vater auf, "Prepper Per". Er sorgte dafür, dass sie auf alles vorbereitet ist, zu jeder Zeit, in jeder Lage. Und auch diesmal mischt "Prepper Per" wieder mit. Familienangelegenheiten. Ähnlich denen der Familie mit der ehemaligen Torffabrik aus dem Rostskogen. Hier schließt sich der Kreis, wie die Bindrune. Sie scheint der Schlüssel zur Lösung des "Graumädchen-Falls" zu sein. Als diese Erkenntnis sich Bahn bricht, ist Leo bereits in Lebensgefahr und der UrbExer Martin Hill muss über sich hinauswachsen - wie auch Leos "verlorene Seelen".

Autor De La Motte ist mit "Rostiges Grab" ebenfalls erneut über sich hinausgewachsen. Neben dem Wahnsinnsplot und den wunderbaren Charakteren ist das auch ein Verdienst der Stimme Tanja Gekes. Sie kann schrullig-schräg ebenso wie bedrohlich-böse, einfühlsam, verletzlich, launisch oder kühl-abweisend. Jede tragende Kraft der Handlung bekommt ihren ganz eigenen Stempel und bleibt so im Kopf der Zuhörer - wie auch "das Graumädchen": "Alles beginnt und endet mit ihm."

Quelle: ntv.de

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