Musik

Madonna alias "Madame X" Am Puls der Zeit ins Niemandsland

Madonna tischt auf ihrem neuen Studioalbum "Madame X" ganz groß auf. Der Reggaeton-Fan, der Bail-Funk-Nostalgiker, der Autotune-Nerd - jeder soll satt werden. Das gelingt auch. Nur so richtig schmecken will es nicht jedem.

Vier Jahre nach ihrem letzten Studio-Ausrufezeichen "Rebel Heart" meldet sich Madonna aka "Madame X" zurück. So richtig freuen sich darüber aber scheinbar nur die wenigsten. Sicher, den gruseligen ESC-Auftritt vor ein paar Wochen hätte sich die Queen of Pop schenken können, genauso wie die dünnhäutigen "Fuck you, bitches"-Ohrfeigen in Richtung aller Kritiker, die während der "Sensations Act"-Performance in Tel Aviv nicht nur einmal die Hände vors Gesicht schlugen. Aber hatte denn tatsächlich irgendwer etwas anderes erwartet?

Verpackung statt Inhalt

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Tatsache ist doch: Madonna zählte noch nie zu den großen Sängerinnen. Statt Vocal Coaches klatschten in den vergangenen 35 Jahren hibbelige Choreografen, muskelbepackte Profitänzer, weltoffene CSD-Massen und natürlich auch Freunde der gehobenen Autotune-Kunst begeistert in die Hände.

Es ging bei Madonna schon immer mehr um die Verpackung als um den Inhalt. "Madame X" macht da keine Ausnahme. Visuell begleitet von düsterer Kirchenromantik, gängiger Lack-und-Leder-Ästhetik und pulsierenden Rotlicht-Vibes schlüpft Madonna im Sommer 2019 in verschiedene Rollen. Das Lied als solches, aufgeteilt in Strophe, Bridge und Refrain, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Retorten-Beats und Stoß-Seufzer

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Madonna tobt sich aus. Zwischen Handclaps, südländischem Gerappe und mediterranen Akustikgitarren passen auch noch Beats aus der Retorte und Stoß-Seufzer aus der Autotune-Hölle. Der rote Faden ist hier so dünn wie das zarte Verankerungstau eines Spinnennetzes.

Gemeinsam mit dem kolumbianischen Superstar Maluma tanzt sich Madonna in dekadente Pop-Welten ("Medellin"). Zusammen mit Rapper Quavo geht's mit dem Reggae-Kutterkahn in Richtung Karibik ("Future"). Und an der Seite von Brasil-Megastar Anitta mimt Madonna die Baile-Funk-Expertin ("Faz Gostoso").

Blubberndes Potpourri

Es geht hin und her. Nahezu jeder Track des Albums erzählt eine andere Sound-Geschichte. Das abschließende "I Rise" wirft schließlich nochmal alles in einen Topf. Was am Ende bleibt, ist der zähe Nachgeschmack eines blubbernden Potpourri aus anorganischen Tonleitern und verzerrter Effekthascherei.

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Im Herbst ihrer Schaffenskarriere will es Madonna scheinbar nochmal allen recht machen. Abermals mit provokanter Zunge unterwegs, lässt die musikalische Ziehmutter von Kylie, Britney und Co nichts unversucht. Als High End-Empathie-Königin verbündet sie sich mit Afrika, Israel, der Gay-Community und allen armen Menschen dieser Welt.

"Kommt alle in meine Arme und lasst uns gemeinsam gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt ankämpfen", scheint sie ihren Jüngern zurufen zu wollen ("Killers Who Are Partying"). Und natürlich werden ihr wieder Zigtausende folgen. Madonnas Wort hat schließlich immer noch Gewicht, auch wenn es musikalisch nicht mehr allzu hochwertig begleitet wird.

Das Album "Madame X" von Madonna erscheint am 14. Juni.

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Quelle: n-tv.de

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