Musik

Vorentscheid? Nein, danke! Ben Dolic ist nicht bange vor dem ESC

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Will es in Rotterdam in die Top Ten schaffen: Ben Dolic.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit dem Song "Violent Thing" werden Sänger Ben Dolic und Komponist Boris Milanov Deutschland in diesem Jahr beim Eurovision Song Contest vertreten. Im ntv.de-Interview sprechen sie über ihre Nominierung, die Konkurrenz und "den besten ESC-Song aller Zeiten".

ntv.de: Ben, inzwischen ist raus: Du bist Deutschlands Kandidat beim Eurovision Song Contest (ESC) in Rotterdam in diesem Jahr. Was überwiegt denn für dich gerade - die Freude darüber oder doch die Nervosität?

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Dolic und sein Komponist Boris Milanov begreifen sich beim ESC als Team.

(Foto: imago images/Andre Lenthe)

Ben Dolic: Ganz klar die Freude! Für mich geht ein Traum in Erfüllung und ich bin stolz, dass ich Deutschland vertreten darf. Das wird sicher eine große Erfahrung für mich. Angst davor habe ich eigentlich nicht. Ich bin niemand, der Lampenfieber hat.

Wie kam es eigentlich dazu, dass du dich um die ESC-Teilnahme beworben hast?

Dolic: Ich wurde angerufen und gefragt, ob ich mitmachen will. Nachdem ich zugesagt hatte, habe ich Boris kontaktiert. Mit ihm habe ich schon zuvor zusammen Musik gemacht. Ich habe ihm erklärt, dass ich für den ESC infrage komme, aber noch ein Lied brauche.

Boris Milanov: Ich hatte keine Ahnung, dass er als deutscher Teilnehmer zur Debatte steht. Ich habe Camps, in denen ich das ganze Jahr über mit talentierten Künstlern zusammenarbeite - nicht nur für den ESC. Wir haben gerade ein paar Songs aufgenommen, als er mir von der Sache mit dem ESC erzählte. Ich fragte: "Wie ist das möglich? Normalerweise hat Deutschland doch diesen Vorentscheid im Fernsehen." Ben antwortete: "Ja, aber dieses Jahr ist es anders."

Darüber, dass es den Vorentscheid in diesem Jahr nicht gab, wurde in Deutschland ziemlich kontrovers diskutiert ...

Dolic: Für mich war es wichtig, dass es keinen Vorentscheid gibt.

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Milanov lieferte schon mehrere erfolgreiche ESC-Songs ab - 2016 zum Beispiel "If Love Was A Crime", mit dem die Bulgarin Poli Genova den vierten Platz erreichte.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Milanov: Ich hätte bei einem Vorentscheid auch nicht mitgemacht. Alle Erfolge, die ich in den vergangenen Jahren hatte, waren ohne Vorentscheid. Ein Song kann noch so super sein - wenn er es bei einem nationalen Vorentscheid nicht schafft, kann man mit ihm nichts mehr machen. Man kann aber doch nicht sein stärkstes Pferd in ein Rennen schicken, in dem es abgeschlachtet werden kann. Von daher reicht man bei einem Vorentscheid sicher nicht seine stärksten Songs ein.

Im Auswahlprozess für den diesjährigen ESC-Beitrag wurden Songs und Künstler unabhängig voneinander gesucht und in verschiedenen Konstellationen getestet. War "Violent Thing" eigentlich der einzige Song, mit dem du ins Rennen gegangen bist, Ben?

Dolic. Nein, insgesamt habe ich fünf verschiedene Lieder gesungen.

Milanov: Mein Team hat zwei Songs konkret eingereicht -  "Violent Thing" und noch einen weiteren Titel. Wir haben die Lieder allerdings speziell für Ben geschrieben. Deshalb hat sie auch kein anderer gesungen. Das hätte ich nicht zugelassen. (lacht)

In einem Clip des Norddeutschen Rundfunks (NDR) wurde gescherzt, Deutschland hätte in diesem Jahr den besten ESC-Song aller Zeiten. Baut das Druck auf?

Milanov: Nein, solche Extreme kann man ja nie richtig ernst nehmen - egal, ob jemand sagt, das sei nun der beste oder der schlechteste Song aller Zeiten. Ich nehme die Aussage in dem Clip als Kompliment. Aber persönlich ist mir schon bewusst: "Violent Thing" ist ein guter Song, aber sicher nicht der beste Song aller Zeiten. (lacht)

Ben, du hattest ja 2018 auch schon bei "The Voice of Germany" mitgemacht. Was war eigentlich härter - "The Voice" oder das jetzige ESC-Auswahlverfahren?

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2018 trat Dolic bereits bei "The Voice of Germany" an.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dolic: Bis hierhin würde ich noch sagen, es war "The Voice of Germany". Aber mit dem ESC geht es ja jetzt erst richtig los. Das wird es sicher nochmal toppen.

"Violent Thing" ist vom Text her ein Liebeslied. Bist du verliebt?

Dolic: Aber natürlich! Ich habe eine Freundin. Sie wird mit mir sicher auch nach Rotterdam fahren.

Du fährst nicht nur zum ESC, sondern bezeichnest dich selbst auch als Fan der Veranstaltung. Welcher Beitrag hat dir in den vergangenen Jahren besonders gefallen?

Dolic: "Euphoria" von Loreen. Ich finde, sie ist eine perfekte Künstlerin. Nicht nur, wenn es um sie als Sängerin geht, sondern auch mit Blick auf ihre Bühnenpräsenz.

Hast du dir auch einige deiner Konkurrenten in Rotterdam schon mal angesehen?

Dolic: Ja, ein paar. Ich kenne sogar zwei von ihnen persönlich. Mit Victoria aus Bulgarien und Sandro aus Zypern bin ich befreundet. Da sind schon ein paar richtig gute Interpreten und Songs am Start.

Neben dem Song wird sicher auch Bens Auftritt in Rotterdam entscheidend sein. Was wünscht ihr euch dafür?

Milanov: Ben ist ein Live-Performer. Das heißt, er ist live nochmal um 50 Prozent besser als im Studio. Wenn das richtig umgesetzt wird, kann er auf der Bühne auf jeden Fall nochmal eins draufsetzen und die Leute nicht nur mit seiner Stimme, sondern auch mit seiner Performance in den Bann ziehen. Das wünsche ich mir.

*Datenschutz

Dolic: Ich möchte natürlich, dass der Auftritt so gut wie möglich wird. Ich freue mich schon darauf, mit Marty Kudelka (Choreograf der deutschen ESC-Bühnenshow, Anm.d.Red.) daran zu arbeiten. Vielleicht fliege ich auch zu ihm nach L.A. Wir haben schon auch eine Vorstellung, wie es aussehen soll und angefangen, daran zu arbeiten. Das Team ist toll. Ich denke, das wird gut!

Die Frage bleibt dir natürlich nicht erspart, Ben: Welchen Platz setzt du dir in Rotterdam zum Ziel?

Dolic: Ich möchte mich nicht auf einen Platz festlegen. Unser Ziel ist es, in die Top Ten zu kommen. Dafür müssen wir alles geben.

Mit Ben Dolic und Boris Milanov sprach Volker Probst

Quelle: ntv.de