Musik

Geht auch ohne dicke Hose DAME aus Österreich rappt poetisch

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Wenn die Dame ins Spiel kommt, ist Gefahr in Verzug? Echt jetzt?

(Foto: Samuel Colombo)

In Österreich findet man DAME ständig auf Platz 1 der Charts. Er ist gelernter Konditor und Koch auf höchstem Niveau, und in Deutschland waren DAMEs letzte drei Alben durchweg in den Top 10. DAME ist als Gamer erfolgreich gewesen und hat dadurch knapp eine Million Abonnenten auf seinem YouTube-Kanal. Er hat keinen Bock auf gängige Rap-Klischees, auf dicke Hose, Bitches, ständiges Gedroppe von F-Worten. Aus dicken Karren und Goldketten macht sich DAME rein gar nix. Die Poesie liegt ihm im Blut - vielleicht, weil er der Ur-Ur-Ur-Urenkel von Franz Gruber, dem Komponisten des weihnachtlichen Welthits "Stille Nacht, Heilige Nacht" ist. Höchste Zeit, sich einmal mit Michael Zöttl, der sich lieber DAME nennt, zu unterhalten.

n-tv.de: Eine schöne Sprache benutzt du in deinen Songs. Da unterscheidest du dich auf jeden Fall von anderen aktuellen Rappern …

DAME: Ja, das ist auch gut so. Angefangen hat das damals damit, dass ich als Battle-Rapper unterwegs war, und da ging auch schon mal was unter die Gürtellinie. Und wenn da mal eine kluge Zeile dabei war, dann wurde die komplett von dem stumpfen Gehabe übertönt. Das wollte ich einfach ändern und dachte mir, es muss doch auch ohne Kraftausdrücke gehen. Beim zweiten Album hab' ich mich dann von dem Üblichen verabschiedet und habe meinen Stil gefunden.

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Österreichisch klingt so herrlich urlaubig, aber du hast dich entschieden, jetzt auf Hochdeutsch unterwegs zu sein. Warum?

Ich habe lange mit Dialekt gearbeitet, aber mein erstes Album auf Hochdeutsch ist so durch die Decke gegangen, dass ich dabei geblieben bin. Wenn die Fans die Hälfte nicht verstehen, ist es doch auch doof (lacht). Immerhin habe ich zuerst großen Erfolg in Deutschland gehabt, und dann erst in Österreich.

Deine Heimat ist …

… Salzburg. Ich komme immer wieder gerne nach Hause. Ich hab' da mein Studio, München und Wien sind nicht weit, ideal.

Du wurdest mal als "sprachbegabter Koch" beschrieben - was hat es damit auf sich?

Ich wollte Musik studieren, aber es waren zu wenig Plätze am Mozarteum, und dann habe ich ganz klassisch geguckt, was man so machen kann: Eine Lehre. Ich habe erst Konditor gelernt und dann Koch. Meine Eltern waren auch froh, dass ich etwas beendet habe (lacht).

Aber zurück an den Herd willst du nicht, oder?

Wenn das mit der Musik irgendwann nicht mehr klappen sollte - warum nicht? Ich war gern Koch. Und in Österreich wird die Gastronomie ja ganz groß geschrieben.

Hast du Vorbilder?

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Dame kann auch Koch und Konditor!

(Foto: Samuel Colombo)

Also wenn überhaupt, dann Falco. Das ist in meinen Augen der größte österreichische Rockstar. Wenn du in Österreich aufwächst, dann kommst du an Falco nicht vorbei. Privat hör' ich aber auch sehr gern Soul und Rock.

Und sonst?

Wolfgang Ambros natürlich. Oder auch die Hamburger Absolut Beginner, die waren cool. Ich habe immer schon gern geschrieben, und Hip Hop war die Form, in der ich meine Texte am besten unterbringen konnte.

Wer sind deine Fans?

Sehr buntes Publikum. Da stehen 11-Jährige neben Großmüttern, Punkern und Bänkern, jede Altersstufe, das ist natürlich super.

Deine Tour startet ….

… am 20. September, in München. Ich freu' mich wahnsinnig!

"Du sagst" - der Song ist für wen?

Der ist für meine Freundin (lächelt).

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Ihr seid schon lange zusammen, oder?

Ja, seit über 10 Jahren.

"Schwarze Witwe" hat ein besonders cooles Video bekommen …

… danke, das war auch sehr aufwändig. Wir hatten einen extra Fliesenleger und eine Menge Schachspieler.

"Herz aus Gold" …

… ist tatsächlich für mich.

Und "Krawatte und Anzug", für deinen Vater?

Genau. Ich wollte mal danke sagen, und zwar so, dass er auch noch was davon hat. Er hat sich jedenfalls sehr gefreut. Ich bin stolz darauf, dass mein Papa immer so erfolgreich war, und das sollte er auch mal hören von mir.

HipHop kam früher von der Straße und diente ja irgendwie der Befreiung aus einem bestimmten Milieu. Das hat sich geändert, glaube ich. Aber ist es glaubwürdig, wenn der Arztsohn plötzlich so spricht, als käme er von der Straße?

HipHop ist für jeden. HipHop ist dafür da, Probleme oder Gefühle auszudrücken, egal woher man kommt. So zu tun als wäre man ein anderer, ist immer ungünstig, aber es ist grundsätzlich eine sehr ehrliche Musikform. Ich versuche zumindest immer authentisch zu bleiben. Wenn man glaubwürdig bleibt, dann hat jede Form von HipHop ihre Berechtigung, finde ich, sei es nun Gangsta-Rap oder eine andere Form. Für mich ist Musik wie eine Art Tagebuch. Und wenn das Tagebuch voll ist, dann gibt's ein neues Album.

Bei dir kommt fast jedes Jahr ein neues, oder?

(lacht) Ja, schon. Es passiert einfach immer so viel.

"Lichtblick", "Keine Grenzen", Selbstfindungstrip" und "Straße zur Freiheit" - du machst da schon ein Konzept-Album, oder?

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Ja, ich sehe mich als Album-Künstler. Es soll gerne einen Zusammenhang haben und sich schön anhören im Gesamten. Ein Spannungsbogen muss da sein. Außerdem wissen meine Fans, dass in meinen Alben immer sehr viel drinsteckt, auch an Art-Work zum Beispiel. Da hat ein Maler zum Beispiel mein Cover richtig gezeichnet. Meine Fans kaufen auch eher die Alben, die streamen gar nicht so viel. Gut ist auch, dass man die Texte nachlesen kann, das fand ich früher selbst sehr wichtig, dass ich, wenn ich etwas nicht verstanden habe, nachschauen konnte.

Du warst als Straßenmusiker unterwegs …

… naja, das klingt jetzt doller als es war. Ich habe mir neben der Lehre ein bisschen Geld dazu verdient, zwei Jahre hab' ich das gemacht. Da in Salzburg immer viele Touristen sind, hat sich das sogar einigermaßen gelohnt (lacht). Es war eine sehr interessante Zeit, weil ich ganz viel über das direkte Feedback lernen konnte. Da greife ich noch immer drauf zurück.

In den österreichischen Charts spielst du immer ganz oben mit …

Ja, das ist toll, aber auch eine Menge Glück. Das Wichtigste ist, dass deine Fans dir treu bleiben, dass die Konzerte voll sind, das macht mich happy.

Mit wem würdest du gern mal zusammen arbeiten?

Am liebsten mit jemand, der nicht aus dem HipHop kommt. Mit Kraftclub zum Beispiel, die finde ich super. Das wäre auch eine echte Herausforderung.

Wird es "Stille Nacht, Heilige Nacht" in einer Dame-Version geben?

Na, ich denke, mein Ur-Ur-Ur-Urgroßvater hat das perfekt komponiert, da sollte man nicht dran rütteln.

Mit DAME sprach Sabine Oelmann

Die Tour geht noch bis zum 12. Oktober und endet in Klagenfurt

Quelle: n-tv.de