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Und gleich 'ne ausverkaufte TourDick Brave ist wieder da

23.01.2026, 15:40 Uhr
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War in den kanadischen Wäldern fast verschollen, aber ein gewisser Sasha hat nicht locker gelassen und ihn gefunden: Dick Brave. (Foto: Marcel Brell)

Die Interviewerin redet sich um Kopf und Kragen, denn sie vergleicht Dick Braves Sound mit dem von Elton John. Was nett gemeint ist. Was aber ein bisschen ungeschickt rüberkommt, weil Dick Brave ja nunmal nicht Elton John ist. Er nimmt es mit Humor. Immerhin singt er einen Song von Elton John. Und viele andere.

ntv.de: Ich sehe und höre dich und Elton John bei "I'm Still Standing" gleichzeitig, für mich ist das super.

Dick Brave: Wenn das so ist, und die Synergie funktioniert, dann bin ich happy (lacht). Wenn man sich beliebte Songs vornimmt, dann versucht man ja, das Beste rauszuholen. Viele glauben, dass man jeden Song zum Rock'n'Roll-Song machen kann. Oder zu einem Reggae-Song, oder Bossa Nova. Dem ist nicht so. Wenn man sich also vorgenommen hat, nur Comeback-Songs neu zu produzieren - und "I'm Still Standing" gehört dazu, genau wie "What's Love Got To Do With It" von Tina Turner - dann hofft man, dass es klappt! Und wenn es dann klappt, dann freut man sich natürlich.

Dafür muss man ein Händchen haben …

Genau, aber das geht eigentlich relativ schnell, rauszufinden, was geht und was nicht. Es gibt ein paar härtere Nüsse, klar, die dann etwas mehr Liebe brauchen, aber gerade "I'm Still Standing" gab es von Anfang an her, dass das was für Dick Brave sein könnte!

Wieder da, und zwar für immer (whatever that means). (Foto: Marcel Brell)

Und was brauchte mehr Liebe?

Für das Album waren das Songs wie "Take On Me" von a-ha zum Beispiel. Manchmal heißt es aber auch ganz simpel: Kill your Darlings. Wenn es partout keinen 50er-Jahre-Zugang gibt, dann lässt man es lieber.

Depeche Mode - ist doch ein Brett, oder?

Ja, aber wir wissen ja, dass Dick Brave "Just Can't Get Enough" geschrieben hat (lacht, sehr), und deswegen geht es dann doch irgendwie. Denn wir zeigen schließlich, wie der Song wirklich mal gedacht war (lacht). Bei "Enjoy The Silence" war es nicht so einfach, was Neues zu finden, das wurde schon so oft gecovered, deswegen haben wir es super langsam, noch balladiger als Ballade, aufgenommen. Das löst dann geradezu Glücksgefühle bei mir aus. Man darf nicht immer das machen, was einem als Erstes einfallen würde, das ist wichtig.

Warum?

Weil das vielleicht ganz okay sein mag, aber eben nicht geil. Und das ist schon mein Anspruch - dass es echt geil wird.

Glücksgefühle - wirst du sicher auch bei anderen auslösen, denn Dick Brave is back for good! Wir brauchen alle mehr Glück! Hast du eine Message?

Wir brauchen vor allem mehr Liebe! Das haben Dick Brave und Sasha übrigens gemeinsam: Dass sie ihre Hauptaufgabe darin sehen, Menschen ein bisschen Glück zu verschaffen. Vor allem in Zeiten, in denen alles sich komisch anfühlt. Wir müssen das Entertainment dazu nutzen, die Menschen mal kurz aus ihrem Alltag rauszuholen, sie happy zu machen. Das Verlangen nach Normalität ist groß, glaube ich, und nach nostalgischen Werten, wie Geborgenheit. Retro gibt einem das Gefühl, dass alles mal in Ordnung war, oder besser. Das stimmt natürlich nicht - als Elvis groß wurde, war es superspießig in den USA und in Deutschland, aber es ist ein Gefühl. Und so chaotisch wie jetzt war es ja auch wirklich lange nicht. Man sehnt sich unbewusst vielleicht mal woanders hin, wo es sich besser anfühlt. Meine Message ist daher, ich nehm' euch mit, tankt Energie bei mir, ich entführe euch für eine gewisse Zeit.

Apropos entführen - stimmt es, dass Sasha dich wieder zurückgeholt hat? Dass er dich, den alten Kanadier, wieder gefunden hat?

Ja (lacht). Sasha, der Spürhund, hat mich ausfindig gemacht und davon überzeugt, ein Album aufzunehmen.

Auf dem nicht nur Cover sind, sondern auch "Breaker", also "Durchbruch"-Hits von jüngeren Künstlern und Künstlerinnen, wie Taylor Swift, Billie Eilish …

Es ging ja so los: Erst mal war die Idee, Dick Brave singt Comeback-Songs. Der erste Titel, der uns eingefallen ist, war "Brave is back", dann "Back for good", denn Dick Brave bleibt jetzt.

Für immer.

Zumindest so lange, wie die Menschen ihn wollen. So schnell haut er nicht wieder ab. Aber Comeback-Songs war dann doch ein bisschen dünn, es fehlte was Modernes. Dann kamen wir auf die Idee mit den Breakers. Da fielen uns echt viele ein. Und dann wurde es ein Doppelalbum. Das ist außergewöhnlich, es hat sich aber einfach so ergeben, und das mag ich. Alle Partner haben mitgemacht, das hält elastisch.

Gutes Stichwort, elastisch: Dick Brave muss ja sehr elastisch sein, du musst fit sein, was machst du dafür?

Diese Elastizität ist einfach angeboren (lacht). Dick Brave wird ja auch der Chuck Norris der Musik genannt.

Also - welche Songs hat Dick Brave geschrieben ...

… alle! (lacht) Aber ernsthaft, Dick Brave, und auch Sasha, ist eine gewisse kanadische Grundfitness in die Wiege gelegt worden, zum Glück!

Bäume fällen, Bären jagen, die Abteilung …

Ja, und mit dem Motorrad über zugefrorene Seen, da kann man hier und da auch noch locker einen Handstand auf dem Klavier machen.

Deine Tour ist ausverkauft, was machen wir denn da?

Wir versuchen, darauf zu reagieren, aber das ist nicht so einfach, die Hallen und Clubs sind weit im Voraus gebucht. Aber wir denken über 2027 nach. Wir sind, ehrlich gesagt, überwältigt, dass das so gut läuft. Das genießen wir total. Auch, dass unser Publikum sich in den Petticoat schmeißt oder - sofern vorhanden - eine Haartolle zurechtgelt. Ich freue mich dermaßen auf die heiße Luft, die Enge, das Tanzen - davon lebt Dick Brave, von dieser Live-Energie. Und um mal wieder "Hallo" zu sagen, gibt es nichts Besseres als Clubs.

Mit Dick Brave sprach Sabine Oelmann.

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Quelle: ntv.de

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