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Tove Styrke knackt Gefühle Die Braut, die sich was traut

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Tove Styrke will es im Musikgeschäft bis ganz nach oben schaffen.

(Foto: Emma Svensson)

Man ist geneigt, Tove Styrke als Newcomerin zu bezeichnen. Dabei ist die Schwedin schon fast zehn Jahre lang im Musikgeschäft. Mit 16 wurde sie gefragt, ob sie bei "Swedish Idol", dem Pendant zu "Deutschland sucht den Superstar", teilnehmen wolle. Sie wollte und wurde Dritte. Seitdem hat sie konstant an ihrer Karriere gearbeitet. Vor wenigen Wochen erschien ihr drittes Album "Sway". Im Gespräch mit n-tv.de trinkt die 25-Jährige schwarzen Kaffee - "danke, kein Zucker" - und kaut das eine oder andere Päckchen "Snus", den schwedischen Kautabak -"sonst funktioniere ich nicht". Styrke erklärt, wieso sie selbst ihr größter Fan ist und warum jeder mal ein Hochzeitskleid anprobieren sollte.

n-tv.de: Gefährlich selbstbewusst - so haben Sie sich jüngst beschrieben. Ihnen steigt doch nicht etwa der Erfolg zu Kopf?

Tove Styrke: Neee, im Grunde bin ich sehr glücklich darüber, selbstbewusst zu sein. Das ist eine Stärke. Ich habe mir mein Selbstbewusstsein über die Jahre erarbeitet. Für mich bedeutet es Unabhängigkeit.

Sie waren mit zwei der größten Popstars unserer Zeit auf Tour, Lorde und Katy Perry. Was haben Sie von ihnen gelernt?

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Allein solche überdimensionalen Shows zu erleben und auch hinter den Kulissen ganz nah dran zu seien, ist so inspirierend. Man kann sich zunächst kaum vorstellen, wie viel Arbeit dahinter steckt. Aber man lernt auch, was alles möglich ist - sofern man die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung hat.

Ihr Lieblingssong von Katy Perry ist "Teenage Dream", stimmt’s?

Es ist einer der besten Songs überhaupt! Die Melodie ist Perfektion! Es geht mit dem Falsetto los, dann setzt irgendwann der Beat ein, das Tempo ändert sich und dann kommt die Bridge: (singt) "I can get your heart racing in my skin tight jeans …" Das ist der beste Part des Songs - und er wird fast bis zum Schluss aufgespart. Großartig, oder? Entschuldigen Sie, bei dem Thema werde ich leidenschaftlich. Ich habe mich deswegen sogar mit meinem ehemaligen Tourmanager gestritten. Er hat behauptet, "TGIF" sei der beste Katy-Song. Was für ein Quatsch …

Popmusik wird ja oft die Komplexität abgesprochen …

Aber die Leute liegen falsch! Pop ist anspruchsvoll und raffiniert - wenn es guter Pop ist! Ich bin da echt ein Nerd. Ein Song muss gut gemacht sein. Es braucht eine saubere Produktion und sinnvolle Texte. Sicherlich ist Musik am Ende des Tages Geschmackssache und man wird kaum objektive Kriterien für einen guten oder schlechten Song finden. Trotzdem bin ich sicher: Ganz beliebig ist es nicht.

Haben Sie ein Karrierevorbild?

Eigentlich möchte man doch seinen ganz eigenen Raum inmitten der Musikwelt kreieren. Jeder soll meine Musik hören - überall auf der Welt. Ich will mit Menschen in Verbindung treten, touren, das alles immer weiter ausbauen. Ich will es so weit wie möglich schaffen.

Würden Sie sich als Perfektionistin bezeichnen?

Ja, so bin ich einfach. Wenn etwas zu 100 Prozent gut sein kann, verstehe ich nicht, wieso man sich mit weniger zufriedengeben sollte. Ich arbeite gern mit Leuten zusammen, die genau so denken. Man muss bereit sein, zusätzlich Zeit, Mühe und Herz zu investieren, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Ihr letztes Album "Kiddo" wurde als feministischer Triumph gefeiert. Hatten Sie das Gefühl, unter dem Label weiterarbeiten zu müssen?

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Tove Styrke schreibt ihre Texte selbst.

(Foto: Emma Svensson)

Ich suche mir nicht aus, worüber ich schreibe. Meine Texte entstehen aus einem inneren Bedürfnis heraus. Nur weil gerade viele Künstler politisch arbeiten, muss ich da nicht mitziehen. Was mich gerade total fasziniert, sind zwischenmenschliche Beziehungen. Wie verhalten sich die Leute in unterschiedlichen Situationen und warum? Was für Muster kann man erkennen? Ich bin von Natur aus jemand, der immer alles im Kern begreifen möchte. Man lernt bei solchen Betrachtungen auch viel über sich selbst. Jedenfalls bin ich damit noch lange nicht fertig.

Sie haben mal gesagt, Sie seien "schlecht in Gefühlen". Wie meinen Sie das?

Gefühle sind für mich ein Mysterium. Wenn ich etwas empfinde, wirft mich das völlig aus der Bahn. Für mich ist ein Gefühl jedes Mal aufs Neue eine Überraschung. Ich verstehe nicht, was es bedeutet und woher es kommt. Deswegen muss ich immer erstmal einen Schritt zurücktreten und die Situation logisch betrachten, als müsse ich einen Code knacken.

Das gelingt Ihnen dann?

Im besten Fall kann ich das Gefühl auf eine Erfahrung herunterbrechen, die andere Menschen nachvollziehen können. Im Kern kann man Emotionen teilen. Deswegen begreife ich meine Songs ja auch nicht einfach als sehr öffentliche Tagebucheinträge. Über Musik kann man sich begegnen und für den Moment verbunden sein.

Braucht ein Popstar herausragenden Style?

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Man muss nicht mal sein Gesicht zeigen, wenn man nicht möchte! Für mich gehört das Visuelle aber dazu. Es ist eine erweiterte Ausdrucksform. Worin man sich kleidet, wie man sich schminkt oder ob man vielleicht gar kein Make-up trägt, beeinflusst, wie man sich fühlt und wie man nach außen hin auftritt. Damit spiele ich gern.

Was drücken Sie aus, wenn Sie ein Foto von sich selbst auf einem T-Shirt tragen?

Dahinter steht ein größeres Konzept. (grinst) Ich bin gerne Fan. Mir gefällt der Gedanke, in Leidenschaften völlig aufzugehen - gerade heraus und ohne Zurückhaltung. Ein Idol auf ein T-Shirt zu drucken, also jemanden, den man liebt und der einen inspiriert, ist eine großartige Weise, Unterstützung auszudrücken. Ich habe für mich quasi eine ganze Kollektion machen lassen: Shirts mit Britney Spears, Destiny’s Child, Lorde, aber eben auch mit mir. Man muss selbst sein größter Fan sein. Wer sich selbst liebt, ist nicht von der Meinung und den Erwartungen anderer abhängig. Wenn ich ein Shirt mit meinem Gesicht drauf trage, ist das meine Art, mich zu behaupten.

Für das Video zu ihrem Song "Mistakes" haben Sie eine Gruppe Frauen in Brautkleider gesteckt …

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Typisch amerikanische Törtchen-Kleider! Wie das von Jennifer Aniston in der ersten "Friends"-Folge oder das von Julia Roberts in "Die Braut, die sich nicht traut". Es sind wirklich hässliche Kleider, aber auf Film sehen sie fabelhaft aus. Sie nehmen so viel Raum ein. Außerdem ist eine Braut auf der Flucht einfach ein starkes Bild: Sie erlangt die Kontrolle, aber sie ist auch einsam. Wird sie jemals eine Person finden, die sie lieben kann, ohne einen Teil ihrer selbst opfern zu müssen? Ich empfehle jedem, mal so ein Brautkleid anzuziehen. Ganz egal, ob man so was schön findet oder ob man überhaupt heiraten will, es macht etwas mit einem.

Nach der royalen Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle ist das Thema ja wieder recht aktuell.

Ach, die Monarchie ist seltsam. Es ist nicht richtig, dass wir daran festhalten - nicht nur in Großbritannien, sondern auch in meiner Heimat Schweden. Es passt einfach nicht zu einer Demokratie, dass man diese Form von Privileg per Geburt erhalten kann. Die Königsfamilie muss die Regierung bei der Partnerwahl konsultieren - das ist doch wohl alles andere als modern. Aber die Leute sind eben besessen von Tradition.

Dabei gilt doch vor allem Schweden gemeinhin als fortschrittlich. Auf welchem Gebiet sollte der Rest der Welt schleunigst nachziehen?

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Weniger Monarchie, mehr WLAN - das wünscht sich Tove Styrke.

(Foto: Sony Music)

(lacht) Wir haben so eine App, "Swish", damit kann man Freunden Geld schicken. Das ist so praktisch, besonders wenn man viel unterwegs ist. Im Restaurant muss man die Rechnung nicht kompliziert aufteilen. Einer zahlt, die andern "swishen". Das sollte es überall geben. Überhaupt sollte man mehr mit Karte zahlen können. Und es müsste überall wirklich gutes WLAN geben. Das macht das Leben so viel leichter.

Wieso kommen eigentlich so viele gute Musiker ausgerechnet aus Schweden?

Ich kann da nur Vermutungen anstellen. Ich denke zum Beispiel, es hilft, wenn es bereits erfolgreiche Menschen gibt, zu denen man aufblicken kann. Für mich waren das Robyn, Neneh Cherry, ABBA oder auch der Songwriter Max Martin. Wenn sie es schaffen können, wieso nicht auch ich? Wo es Vorbilder gibt, versuchen mehr Menschen, ihnen nachzueifern.

Gibt es etwas, das Sie abseits von Musik stolz macht?

(wippt unruhig hin und her) Das ist schwer zu sagen. Alles, was ich mache, hat etwas mit Musik zu tun. Ich bin so stolz auf meine Band, mein Publikum und alle, die mit ihrer Energie Musik für mich so unvergleichbar großartig machen. Ansonsten will ich einfach eine angenehme Person sein. Ich versuche, anderen Menschen mit Respekt und Rücksicht zu begegnen und gleichzeitig gut zu mir zu sein.

Was machen Sie, wenn Sie eine Pause brauchen?

Essen! Das ist meine zweite große Leidenschaft. Ich versuche, überall die besten Restaurants ausfindig zu machen. Ich steh' auf asiatische Suppen, am liebsten mag ich Ramen.

Mit Tove Styrke sprach Anna Meinecke.

Quelle: n-tv.de

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