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Märchen enden gut Die, die mit den Elben singt: Oonagh

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Willkommen in ihrer Welt: Oonagh.

(Foto: Universal Music)

Von "Star Search" bis GZSZ - Senta-Sofia Delliponti hat schon viel erlebt. Doch heute ist sie Oonagh. Ihr Fantasy-Sound mit Elben-Gesang begeistert nicht nur Schlager-Fans. n-tv.de taucht mit ihr in die fantastische Welt des neuen Albums "Märchen enden gut" ein.

n-tv.de: Ich sitze hier mit Oonagh - und zugleich mit Senta-Sofia Delliponti. Die Frage drängt sich bei dir auf: Wieviel von Oonagh ist eine Kunstfigur und wieviel die echte Senta-Sofia?

Oonagh (beziehungsweise Senta-Sofia Delliponti): Erst einmal: Ich bin Oonagh. (lacht) Von einer Kunstfigur kann man da nicht sprechen. Alles, was ich mit Oonagh vermittle, bin ich auch tatsächlich. Aber es ist nur eine Facette von mir - Senta hat auch noch viele andere.

Du hast bereits eine lange Karriere im Showgeschäft hinter dir. Schon mit 13 hast du an der Castingshow "Star Search" teilgenommen. Clips von dir aus der Zeit kann man sich immer noch bei Youtube anschauen. Was denkst du, wenn du das siehst?

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Freunde von mir gucken sich das ab und zu an und stoßen mich drauf. Ja, ich bin das - aber zugleich bin ich das auch nicht mehr. Ich finde es schön, das zu sehen. Aber ich sehe das mit einem anderen Auge, mit einer Art Außenblick - ich kann das nicht mehr nachempfinden. Trotzdem hat mich all das, was ich gemacht habe, zu dem Punkt gebracht, an dem ich heute stehe. Und dafür bin ich sehr dankbar.

Später hast du auch als Solokünstlerin einige Songs aufgenommen - eher in einem etwas punkigen Stil mit einem Lied wie "Scheißegal" und Piercing in der Lippe. Waren das Jugendsünden?

Das war halt eine bestimmte Zeit. Man verändert sich ja - manchmal schneller, manchmal langsamer. Was ich heute denke, denke ich in einem halben Jahr wahrscheinlich nicht mehr so. Und ich weiß heute auch noch nicht, was ich vielleicht in zehn Jahren für Musik machen möchte. Damals war ich 15, ich war Teenager und habe rebelliert. Ein Freund von mir hatte ein Piercing - da habe ich das auch gemacht. Ich stehe dahinter, würde das heute aber nicht mehr so machen.

Daran angeschlossen hat sich ein Musical-Engagement, unter anderem bei "Tanz der Vampire" ...

Davor habe ich noch eine Schauspielausbildung gemacht. Dafür bin ich mit 16 nach Berlin gegangen. Mein erstes Engagement hatte ich beim Musiktheater "Frühlings Erwachen" in Wien. Es folgte noch ein weiteres Engagement, bevor "Tanz der Vampire" kam. Das war auf jeden Fall eine harte Schule. Wir hatten acht Shows in der Woche und mussten immer funktionieren. Es war eine tolle, aber auch anstrengende Zeit. Man musste nicht nur auf der Bühne jeden Tag sein Bestes geben, sondern auch mit dem Team auskommen. Das war wie eine Familie, die man jeden Tag sieht. Das habe ich ein Jahr gemacht - und gut. (lacht)

Schließlich hast du auch noch drei Jahre bei "Gute Zeiten Schlechte Zeiten" mitgespielt - als Tanja Seefeld. Guckst du noch GZSZ?

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Senta-Sofia Delliponti (2. v. l.) im April 2013 mit GZSZ-Kollegen - damals verließ sie die Serie.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nee, ich habe es auch früher nie geguckt. Ich war immer ein Fan von "Sturm der Liebe". (lacht) Das schaue ich auch heute noch ab und zu. Und auch "Marienhof" und "Verbotene Liebe" habe ich früher geguckt, GZSZ dagegen nie. Erst als ich in der Serie mitgewirkt habe, habe ich mir jede Folge, in der ich vorkam, angesehen. Ich wollte wissen: Wie wurde das umgesetzt? Hat es funktioniert? Wie wurde das geschnitten? Ich wollte herausfinden, was man noch verbessern kann.

Wie ist es dann 2014 zu der Idee mit Oonagh gekommen?

Die Idee ist schon früher entstanden. Ich habe bei GZSZ aufgehört und erst einmal überlegt, worauf ich jetzt Lust habe und wie es weitergehen soll. Ich wusste, dass ich den Fokus wieder auf die Musik legen will. Seit ich bei "Star Search" mitgemacht hatte, stand ich mit dem Produzententeam von damals in Kontakt. Auf unser erstes Treffen folgte ein langer Prozess - Aufnahmen, ein Meeting mit vielen Musikern und Gespräche. Ich wollte in Richtung Ethno-Pop gehen, dann kam das Keltische mit rein und eher zufällig auch die Fantasiesprache.

Was heißt "eher zufällig"?

Wir hatten an einer bestimmten Stelle keinen Text. Ich meinte: "Komm, wir singen da einfach irgendwas." Und ich fing an "Wa le do sa bo" (sie singt die Laute, Anm. d. Red.). Ein Puzzleteil kam zum anderen und so ist Oonagh entstanden.

Mit der Fantasiesprache nimmst du ja Bezug auf das Elbische, das "Herr der Ringe"-Autor J. R. R. Tolkien erfunden hat. Und auch sonst tauchst du als Oonagh in Fantasy-Welten ein. Was verbindet dich damit?

Ich bin ein riesiger Fantasy-Fan. Von "Herr der Ringe" über "Harry Potter" bis zu "Die Tribute von Panem" - da geht mein Herz auf und ich fühle mich jedes Mal wie ein Kind. Ich liebe das! Und die Fantasiesprache passt natürlich zu dieser Welt.

Ergibt die Sprache eigentlich einen Sinn oder ist das ein reiner Kauderwelsch?

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Seit einigen Jahren kennen wir die 26-Jährige nun als Oonagh.

(Foto: Universal Music)

Man kann nicht alles wortwörtlich übersetzen, weil es dafür im Elbischen nicht genügend Wörter gibt. Eine wortwörtliche Übersetzung von dem, was ich singe, ergäbe daher schon ein ziemliches Kauderwelsch. Aber die Worte beruhen schon auf der von Tolkien erfundenen Sprache und haben eine ungefähre Bedeutung. Heute führt Tolkiens Sohn das weiter, so dass immer wieder neue Wörter entstehen können.

Könnten man sich jetzt mit dir theoretisch auf Elbisch unterhalten?

Nein, leider nicht. Ich bin keine Dolmetscherin der Elben. Im Endeffekt lerne ich die Wörter auswendig. Severin (Severin Zahler, Experte für die elbische Sprache, Anm. d. Red.) steht mir zur Seite und hilft mir bei der Phonetik. Natürlich lerne ich so auch viel über die Sprache. Aber sprechen kann ich sie deshalb nicht. Mir geht es mit dem Elbisch aber vor allem auch um etwas anderes.

Worum?

Um den Klang. Man kann Elbisch nicht einordnen - mal hört es sich wie Spanisch an, dann wieder wie Latein. Es schwingen so viele Komponenten mit. Das ist, was mich daran so begeistert. Und mir geht es darum, mit dem Klang die Menschen emotional zu erreichen, damit sie den Kopf ausschalten und einfach nur ihm folgen.

Mit Fantasy im Allgemeinen, aber auch mit deiner Musik verbindet sich immer ein gewisses Gefühl der Sehnsucht. Das scheint bei vielen Menschen einen Nerv zu treffen. Würdest du dich selbst auch als sehnsüchtigen Menschen beschreiben?

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Ja, das habe ich definitiv in mir: die Sehnsucht nach Meer, Ferne, Freiheit - auch wenn Freiheit immer relativ ist. Die Menschen in der heutigen Gesellschaft leben immer mehr nach dem Prinzip "Höher, schneller, weiter". Sie achten nicht mehr auf sich und hören nicht mehr in sich rein, wie es ihnen eigentlich geht. Mehr auf sich zu achten und sich zu besinnen, ist auch genau das, was ich gerne vermitteln möchte, hoffentlich authentisch. Vielleicht habe ich da einen Anker ausgeworfen, an dem sich manche festhalten, weil sie es auch so empfinden.

Du beschreibst dich selbst als spirituell. Was heißt das für dich?

Ich glaube zum Beispiel an Reinkarnation und an Seelen, die sich wiedertreffen. Spiritualität heißt für mich aber auch Liebe. Sie ist wissenschaftlich nicht erklärbar, weil sie über den Tod hinaus geht. Und Spiritualität bedeutet für mich meinen Glauben, ich bin Buddhistin.

Du hast 2015 gleich zwei Echos bekommen: einen als Newcomer und einen in der Kategorie Rock/Pop National. Trotzdem wirst du ansonsten eigentlich immer eher in der Schlager-Ecke verortet und trittst etwa in Shows von Florian Silbereisen oder Carmen Nebel auf …

Das ist mir wirklich egal. Heutzutage gibt es ja kaum noch Shows. Ob das "Wetten, dass..?", "Top of the Pops" oder MTV ist - all das ist weg oder hat keine Bedeutung mehr. Und für meine Musik gibt es in Deutschland kein so richtiges Genre. Deshalb bin ich eigentlich sehr froh, dass ich noch in die Rubrik der von dir genannten Shows passe und zu ihnen eingeladen werde. Das sind wirklich große Shows, ohne die ich auch nicht so viele Menschen erreichen würde. Ich finde, auch Singer-Songwriter wie Tim Bendzko könnten dort auftreten. Das Publikum fände das gut, nur die Künstler wollen das meist nicht. Man sollte einfach weniger in Sparten denken.

Es gibt eine Reihe Bands, die dem sogenannten Mittelalterrock zugerechnet werden: Subway to Sally etwa, In Extremo oder Ooomph!, mit denen du auch schon einen Song aufgenommen hast. Sind auch sie ein Einfluss für dich?

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Nicht nur mit ihrer Musik entführt Oonagh in fantastische Welten.

(Foto: Universal Music)

Voll! Gerade mit Subway to Sally habe ich jetzt bei meinem dritten Album auch zusammengearbeitet. Ich hatte eine Show von ihnen gesehen und war hin und weg. Ich wollte unbedingt diese musikalische Farbe. Das neue Album kehrt musikalisch wieder zum ersten Album zurück. Es ist wieder keltischer, sphärischer und mittelalterlicher. Subway to Sally haben daran einen großen Anteil. Ich spiele auf dem Album Drehleier! Und Michael Bodenski von Subway to Sally ist mein Drehleier-Lehrer und -Mentor. 

Wenn es um Kooperationen geht, sollte man auch Santiano nicht unerwähnt lassen. Mit ihnen hast du schon mehrere Songs zusammen eingespielt, auch einen auf dem neuen Album. Wie kommt das?

Ich kenne sie tatsächlich schon, seit ich ein Kind bin. Ich bin die erste Künstlerin, die von der Plattenfirma Airforce1 unter Vertrag genommen wurde, die zugleich aber auch das Management von Santiano macht. Das Studio, mit dem ich hauptsächlich zusammenarbeite, liegt im gleichen Haus wie die Tonstudios von Pete und Fahny (Geiger Peter "Pete" Sage und Gitarrist Andreas Fahnert, Anm. d. Red.) von Santiano. Wir essen dort oft zusammen. Bei dem Meeting mit Musikern, das ich vorhin erwähnt habe, hat Pete angefangen, bei meinen Songs zu spielen. Dann kam die Idee zu einem gemeinsamen Song. So kam die Sache langsam ins Rollen.

Du bist auch mit Santiano auf Tour gegangen …

Ja, und das war gleich bombastisch. Man muss sagen, dass Santiano einfach meinen Weg geebnet haben. Sie haben mich extrem unterstützt und geprägt, nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich. Ich hole mir bei ihnen auch immer einen Rat ab. Sie sind für mich wie Onkel.

Dein neues Album "Märchen enden gut" knüpft, wie gesagt, wieder eher an dein Debüt an als an dein zweites Album "Aeria" mit südamerikanischen Klängen. Weshalb wolltest du diese Rückbesinnung?

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Das Album "Märchen enden gut" ist ab sofort erhältlich.

(Foto: Universal Music)

Ursprünglich hatten wir den Plan, einmal eine musikalische Reise um die Welt zu machen. Es hat beim zweiten Album auch gepasst, es war alles so, wie es sein sollte. Dennoch hatte ich das Gefühl, wieder an den Ursprung zurück zu müssen. Mein Herz hat einfach dafür gebrannt. Wahrscheinlich war meine Tour mit Celtic Woman ein Knackpunkt. Ich hatte auf dem zweiten Album auch nur noch elbische Songs. Auch davon wollte ich weg und wieder mehr Geschichten auf Deutsch erzählen. Ich habe mir für das neue Album wirklich viel Zeit genommen. Viele Leute haben daran mitgeschrieben.

Wie sehr kannst du denn bei den zahlreichen externen Komponisten auf die Musik Einfluss nehmen?

Sehr, gerade jetzt beim dritten Album. Da habe ich überall meine Hand mit drin, weil ich jetzt auch die Zeit hatte, selbst zu schreiben. Viele Texte von mir schreibe ich ohnehin selbst. Aber es gibt jetzt auch ein paar Songs, die musikalisch nur aus meiner Hand sind. "Wächter vor dem Tor" zum Beispiel. Das ist vielleicht auch der wichtigste Song für mich auf dem Album. Ich habe "Game of Thrones" geguckt. (lacht) Danach war ich davon total inspiriert, bin aufgestanden und habe angefangen, auf den Tisch zu klopfen. So kam mir die Melodie in den Kopf. Ich bin gleich ins Studio gegangen, habe es aufgeschrieben und einen Text gemacht - fertig.

Klingt simpel …

Ja, so einfach ist es natürlich nicht immer. Aber wir haben in sieben Monaten 21 Songs geschrieben. 18 davon sind auf dem Album. Das spricht dafür, dass es untereinander echt gefunkt hat.

"Märchen enden gut" sagt der Albumtitel. Hast du ein Lieblingsmärchen?

"Schneeweißchen und Rosenrot" fand ich ganz toll. Aber mein Vater und meine Mutter haben eher Geschichten erfunden als klassische Märchen zu erzählen. Wir mussten ihnen Schlagwörter geben, um die herum sie dann die Geschichten gebaut haben. Das war toll.

Wie lange soll denn das Märchen Oonagh noch weiter gehen?

Für immer. (lacht)

Mit Oonagh sprach Volker Probst

Das Album "Märchen enden gut" bei Amazon bestellen oder bei iTunes downloaden

Quelle: ntv.de