Musik

Weihnachtslieder aus Deutschland "Ein Wintermärchen" klingt wie im Film

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O du fröhliche: Christoph Israel, Max Raabe, Cassandra Steen und Thomas Quasthoff bei der Vorstellung des neuen Weihnachtsalbums.

(Foto: Andrea Beu)

Ist denn schon Weihnachten? Nein, aber bald. Und damit nicht immer dieselbe Platte läuft, gibts die deutschen Klassiker im neuen Gewand. Gesungen von Raabe, Thalbach und anderen Stars. Die Musik kommt als großes Kino vom Filmorchester Babelsberg.

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"Ein Wintermärchen – Weihnachtslieder aus Deutschland" erscheint bei Panorama (Universal Music) und kostet 17,99 Euro.

Mal ehrlich - "Stihille Naaacht .." und ähnliche Winter- und Weihnachtslieder hat man sich ein wenig übergehört. Aber an den Adventswochenenden oder Weihnachtsfeiertagen, wenn die Stolle angeschnitten wird, die Kerzen leuchten und draußen vielleicht sogar der Schnee leise rieselt, dann legt man doch mal gerne eine Platte mit den altvertrauten Weisen auf. Oder eine CD ein. Aber die hat vielleicht schon Kratzer und springt oder man hat sie einfach schon zu oft gehört, die Arrangements sind ein bisschen verstaubt ... eine neue müsste mal her.

Das hat sich wohl auch Christoph Israel gedacht, bekannt als Pianist und Arrangeur von Max Raabe, und deutsche Weihnachtsklassiker neu produziert und arrangiert. Herausgekommen ist "Ein Wintermärchen – Weihnachtslieder aus Deutschland". Die Musik spielt das Filmorchester Babelsberg, es singt unter anderem der berühmte deutsche Opernsänger Thomas Quasthoff. Das klingt jetzt erstmal noch nicht so neu, sondern eher bereits gewohnt und traditionell - was neu ist, sind die anderen Interpreten: Popsänger wie Cassandra Steen und Gregor Meyle, Max Raabe und die Schauspielerin und Regisseurin Katharina Thalbach. Alle singen ihre jeweiligen Lieblingslieder.

Max Raabes liebstes Weihnachtslied - und das von allen

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Weihnachten ist doch in großer Runde am schönsten.

(Foto: Bernd Jaworek/Deutsche Grammophon)

Die liebste Weihnachtsweise Max Raabes - und aller anderen Menschen, wie er glaubt - ist "Stille Nacht". Das erzählte er bei der Pressevorstellung des Albums im Berliner Soho House - und auch, dass man dieses Lied eigentlich nur zu Weihnachten direkt hören dürfe, höchstens noch an den Adventstagen und nicht vorher schon "totnudeln". Also "wehe dem Glühweinverkäufer, der das schon vorher spielt", drohte Raabe. (Womit, ließ er allerdings offen.) Er singt zudem das erste Lied auf dem Album: "Ihr Kinderlein kommet" - und wenn man ihm so zuhört, sieht man förmlich seine gespitzten Lippen und seine spezielle Mimik beim Singen, so akzentuiert und "Raabe-typisch" klingt es.

Ganz anders hingegen Katharina Thalbach - sie singt "Morgen Kinder wirds was geben" (das es auch nochmal instrumental gibt), macht dabei sehr auf ulkige Oma und gestaltet das Lied dementsprechend um mit hinzugefügten Zwischenrufen und Sätzen. Muss man mögen. Thalbach erzählte an dem Abend, sie hätte das Lied ausgewählt, da es "die Spannung und Vorfreude der Weihnachtstage widerspiegelt". Es sei zudem sehr schnell, "bei dem Tempo kommt kein Rapper mit".

Bewegendste Geschichte des Abends

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Bassbariton Thomas Quasthoff singt auf dem Album "Süßer die Glocken nie klingen" - sehr tief.

(Foto: imago/Xinhua)

Wiederum ganz anders hört sich Bassbariton Thomas Quasthoff an - sein "Süßer die Glocken nie klingen" ist deutlich tiefergelegt und klingt einfach wunderbar. Als einziger der beteiligten Sänger hat er sein Lied mit dem Orchester direkt eingespielt und gesungen, er saß bei den Aufnahmen mittendrin und nicht in einem separaten Kabuff. Sein Freund Christoph Israel hatte ihn gebeten, dieses Lied zu singen - eine gute Wahl. Zudem war Quasthoffs Geschichte zu Weihnachten die bewegendste des Abends: Er wurde als Contergan-Behinderter mit verkürzten Armen und Beinen geboren. Als er fünf Jahre alt war, machte er am Weihnachtsabend die ersten eigenen Schritte - als sein Vater kam und ihn zur Familie tragen wollte, lief er ihm erstmals entgegen, zur großen Freude und Überraschung aller. Seitdem ist Weihnachten für Quasthoff eng mit diesem sehr emotionalen Ereignis verbunden und Weihnachtslieder berühren ihn immer besonders.

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Cassandra Steen liebt Weihnachtsplätzchen und die musikalische Einstimmung auf Heiligabend.

(Foto: imago/Andreas Weihs)

Cassandra Steen hingegen bringt mit ihrer Version von "Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen" etwas Soul auf die Platte. Die Sängerin wuchs bei ihren Großeltern auf einem US-Armeestützpunkt bei Stuttgart auf und bekam dennoch einige deutsche Weihnachtsbräuche mit. So liebt sie Plätzchen über alles - "an Heiligabend isst man ja nicht so viel, dafür ist dann um so mehr Platz für Plätzchen!" Und sie mag die Einstimmung auf Weihnachten durch die Musik - das findet sie "superschön". Gregor Meyle hingegen übertreibt es etwas - er versucht aus "Leise rieselt der Schnee" einen Gospelsong zu machen; hinten klimpern die fallenden Schneeflocken, vorn stöhnt Meyle, als ob es um etwas Schmerzhaftes ginge. Vielleicht sind seine Assoziationen zum Thema Weihnachten nicht so angenehm - er erinnert sich bei dem Thema zu allererst daran, wie "experimentierfreudig" seine Mutter kochte, "mit Ananas und so - aber der Nachtisch riss es immer wieder raus".

Aber warum eigentlich noch eine Weihnachtsliederplatte? Gibt es davon nicht schon mehr als genug? Diese Frage stellte sich auch Christoph Israel, er war nach der Anfrage durch die Deutsche Grammophon erst einmal erschrocken. Die Herausforderung bestand dann für ihn darin, dass es ausschließlich deutsche Weihnachtslieder sein sollten. Und darin, sie neu zu inszenieren. Durch das Mitwirken des Filmorchester Babelsberg konnte er sie orchestral und wie Filmmusik arrangieren - er "hatte das Gefühl, das gab es noch nie".

Nur 6 der 18 Lieder auf dem Album werden gesungen, die anderen 12 sind instrumental, dadurch gibt es auch manche zweimal. Vor allem die Instrumental-Versionen klingen sehr leicht und beschwingt; eigentlich genau das Richtige, um sich die Weihnachtszeit damit zu beschallen. Wenn man noch keine Weihnachtsplatte hat, ist diese hier nicht die schlechteste Wahl.

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Quelle: ntv.de