Unterhaltung
Montag, 01. Dezember 2014

Was vom November übrig blieb: Feinstes aus Keller, Küche und Studio

Von Kai Butterweck

Der November präsentiert sich von seiner emotionalen Seite. Im Archiv werden alte Perlen ausgegraben, zwischen Geschirrspüler und Backofen wird gefeiert und während in Oakland der heißeste Stahl gegossen wird, sendet man in New York und Düsseldorf musikalische Grüße gen Himmel.

Frank Turner – The Third Three Years

Studio, Tour, Studio, Tour, Studio, Tour: Frank Turner ist ein Workaholic; ein Mann, der ohne seine Gitarre im Arm einfach nicht leben kann. Zum Leidwesen seines Hausarztes tingelt der britische Punkrock-Troubadour nun schon seit fast zehn Jahren mit reichlich Rotz und Charme im Gepäck  über die Kontinente. Mit an Bord hat Frank Turner aber nicht immer nur gängiges High-End-Studiomaterial, sondern oftmals auch jede Menge verstaubte Archiv-Perlen, Coverversionen und Kollaborations-Zweiminüter. Dieser Tage ist es mal wieder an der Zeit, ein eben solch geschnürtes Homemade-Paket auf die lechzende Anhängerschaft loszulassen. Die dürfen sich über grandiose Demos, feurige Live-Darbietungen und akustische Kniefälle vor den Herren Springsteen, Petty  und McCartney freuen. Alle anderen natürlich auch. Da lacht das Rock’n’Roll-Herz.

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Hamburger Küchensessions – #3

Der Hamburger Jens Pfeifer zaubert in seiner heimischen Küche nicht nur Kulinarisches, sondern rückt seit nunmehr drei Jahren auch immer wieder gerne die Stühle zwischen Backofen und Arbeitsplatte beiseite, um Künstlern der nationalen Singer/Songwriter-Szene eine unkonventionelle Plattform für ihr Können anzubieten. Die Ergebnisse dieser Sessions hören auf den Namen "Hamburger Küchensessions" und gehen dieser Tage bereits in die dritte Runde. Lust auf akustische Spezialitäten von Cäthe, We Invented Paris, ClickClickDecker und Co? Dann hingesetzt und zugelangt. Guten Appetit!

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Pain Of Salvation – Falling Home

Ein reines Akustikalbum einer Band, die normalerweise nur verstromt um die Häuser zieht, ist erst einmal nichts Besonderes. Spätestens seit der Geburtsstunde von MTV-Unplugged tummeln sich in diversen Rock’n’Roll-Proberäumen dieser Welt auch jede Menge Akustikgitarren. Wenn es einer Band jedoch gelingt, dem eigentlichen musikalischen roten Faden ein mindestens ebenbürtiges akustisches Fundament zur Seite zu stellen, dann sollte man schon genauer hinhören. Pain Of Salvation gelingt mit ihrem Handzahm-Album "Falling Home" nämlich genau das, woran viele ihrer Kollegen in der Vergangenheit kläglich scheiterten: eine Retrospektive im akustischen Gewand, die dem Original-Paket in puncto Leidenschaft, technischer Finesse und Langlebigkeit in nichts nachsteht. Großes leisten und dabei auch noch Strom sparen. Hut ab!

Machine Head – Bloodstone & Diamonds

Wer noch Nackenschmerzen vom Genuss der letzten Slipknot-Breitseite verspürt, der sollte sich zweimal überlegen, ob er sich das neue Machine Head-Album zulegt. Hier werden die Schrauben nämlich noch fester gezogen, die Nägel noch brachialer ins Holz gejagt und das Eisen noch heißer geschmolzen. Nach 70 Minuten tosendem Groove- und Thrash-Geballer wackeln die Wände wie Esspapier-Scheiben im Herbstwind. Slipknot-Frontmann Corey Taylor mag ein harter Bursche sein. Neben Rob Flynn wirkt der Masken-Chef allerdings wie eine gertenschlanke Tanne im Mammutbaum-Wald. Laut, lauter, Machine Head. Haben jetzt alle Angst? Gut so.

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Kopek – Rise

Musik aus Irland bahnt sich in der Regel mit reichlich Traditionellem im Gepäck ihren Weg ins Ausland. Dass es aber auch anders geht, beweisen die drei Dubliner Brad Kinsella, Daniel Jordan und Eoin Ryan alias Kopek. Bereits mit ihrem Debütalbum sorgten die Iren im Jahr 2010 für großes Aufsehen in der internationalen Alternative-Szene. Vier Jahre später legt das Trio nun endlich nach und nimmt seine Fans mit auf eine Reise, die erst enden wird, wenn der Schlüssel zum Rock-Olymp in den Taschen der Verantwortlichen verschwindet. Dürfte aber nicht mehr lange dauern.

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Gentleman – MTV Unplugged

Der Kölner Tilmann Otto nennt sich nicht umsonst Gentleman. Er ist nett, meist am lächeln und versprüht in regelmäßigen Abständen diesen urbanen Reggae-Flair, mit dem man sonst nur konfrontiert wird, wenn man im Sommer durch die Straßen von Kingston spaziert. Mit seiner MTV-Unplugged-Retrospektive zieht der Rheinländer nun einen weiteren Habt-mich-lieb-Trumpf aus dem Ärmel. Da stehen sogar Business-Größen wie Tote-Hosen-Chef Campino, Jamaikas Pop-Reggae-Aushängeschild Shaggy und Bob-Marley-Sohnemann Ky-Mani Marley begeistert Spalier und unterstützen den Sänger mit Freudentränen in den Augen beim Durchstöbern des eigenen Archivs.

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TV On The Radio – Seeds

TV On the Radio sind wahre Experten, wenn es darum geht, avantgardistischen Pop mit knarzigen Indierock-Klängen zu paaren, ohne dass sich dabei Fans einer der beiden elitären Branchen auf den Schlips getreten fühlen. Auch auf ihrem neuen, mittlerweile sechsten Studioalbum setzen die Mannen um Sänger Tunde Adebimpe wieder Maßstäbe. Das ist umso beeindruckender, da aufgrund des tragischen Verlustes ihres Bassisten Gerard Smith im Jahr 2011 lange Zeit nicht abzusehen war, ob es die New Yorker überhaupt nochmal ins Studio schaffen würden. Mit filigraner Spielfreude, dem Gespür für kantige Pointierungen und bezirzenden Harmonien en masse markieren TV On The Radio anno 2014 einen ungewollten Neuanfang der Extraklasse. So macht Pop richtig Spaß.

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Antilopen Gang - Aversion

Auch die sich derzeit in aller Munde befindende neue deutsche Hip Hop-Hoffnung namens Antilopen Gang musste in der Vergangenheit ein Mitglied aus dem innersten Band-Zirkel zu Grabe tragen. Doch auch bei dieser Band scheint man in der dunkelsten Stunde künstlerische Kräfte gebündelt zu haben, die dazu beitrugen, dass man sich heute, knapp 20 Monate nach dem Verlust ihres ehemaligen MCs NMZS, musikalisch gestärkter denn je präsentiert. Hier wird humorvoll ummantelter Rüpel-Rap aus deutschen Landen auf ein neues Level gehievt. Mögen die reimenden Antilopen noch lange durch die Düsseldorfer Altstadt hüpfen. Two thumbs up!

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Quelle: n-tv.de