Unterhaltung
Ganz entspannt in der Badewanne: Andreas Weizel und Alina Süggeler.
Ganz entspannt in der Badewanne: Andreas Weizel und Alina Süggeler.(Foto: Autumn Sonnichsen)
Donnerstag, 06. Oktober 2016

Die ungeschminkte Nacktheit: Frida Gold treten "Reise zu sich selbst" an

Mit Songs wie "Wovon sollen wir träumen" oder "Liebe ist meine Rebellion" hat die Band Frida Gold in den vergangenen Jahren für Tanzstoff gesorgt. Mit dem neuen Album "Alina" schlagen Alina Süggeler und Andreas Weizel eine neue Richtung ein. Drei Jahre nach dem letzten Album trifft n-tv.de die beiden Musiker in Berlin. Frida Gold hat in der Zwischenzeit mehr zu sich selbst gefunden und präsentiert sich auf der neuen Platte gefühlvoller und nackter als bisher.

n-tv.de: Euer neues Album "Alina" war ursprünglich in englischer Sprache. Warum habt ihr euch dann doch entschieden, es auf Deutsch herauszubringen?                                           

Alina Süggeler: Wir sind mit aller Leidenschaft und Überzeugung den ersten Ideen zum englischen Album gefolgt. Ich hatte das Gefühl, es spiegelt meine Lebensweise gut wider, weil ich lange Zeit mit einem Amerikaner in einer Beziehung war und auf Englisch geliebt und gelebt habe. Und dann gab es den Moment, in dem wir feststellen mussten, dass sich das mit unseren treuen "Frida Gold"-Fans nicht deckt. Vielleicht war es auch nicht der richtige Zeitpunkt. So sind wir zurück ins Studio und haben das Album übersetzt. Uns sind dann auch neue Songs begegnet, die erst im Nachhinein entstanden sind.

Auf dem Albumcover ist gemäß dem Titel alleine Alina abgebildet.
Auf dem Albumcover ist gemäß dem Titel alleine Alina abgebildet.(Foto: WMG)

Beim Hören des Albums hatte ich den Eindruck, dass es ruhiger und melancholischer ist, aber auch weniger tanzbar als eure bisherigen zwei Platten. Ist das Absicht?

Andreas Weizel: Es ist schon ruhiger. Dass man bisher zu unserer Musik gut tanzen konnte, war eher ein Nebenprodukt. Wir waren nie darauf aus, Dancemusic zu machen. Wir haben einfach immer gemacht. Diesmal ist ein gewisser Mut dazu gekommen, Dinge einfacher zu machen. Alina hat zum Beispiel an einem Tag den Song geschrieben und wir haben ihn am gleichen Tag auch aufgenommen - nur mit Gitarre und Gesang.

Eure neuen Songs sind sehr gefühlvoll. Hattet ihr ein Thema im Hinterkopf?

Alina: Sie spiegeln meinen Zustand wider. Es geht um eine Reise zu sich selbst. Das Album hat sehr viel mit Akzeptanz von sich selbst und seinen Fehlern gegenüber zu tun. Deswegen heißt es auch "Alina", weil meine Geschichten und Emotionen stellvertretend für jene stehen, die sich auch auf den Weg zu sich selbst machen.

Welche Fehler hast du denn gemacht?

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Alina: Es geht nicht darum, zu sagen, ich habe Fehler gemacht. Sondern zu sagen: Es war absolut in Ordnung, wie ich das alles gemacht habe. Ich muss ergründen, warum ich etwas gemacht habe und dann schauen, ob ich das wirklich so will. Es gibt Dinge, die in uns leben und gar nichts mit uns zu tun haben, sondern mit der Art und Weise, wie wir erzogen wurden. In den Anfängen von Frida Gold war ich noch mitten in meiner Persönlichkeitsfindung und musste schauen, wer ich eigentlich sein möchte. Die Öffentlichkeit hat sich dann auch noch eine Meinung über mich gebildet - und dann war das Bild verzerrt. Ich brauchte ein paar Jahre, um das Bild wieder zu schärfen und zu sagen: Das bin ich, so fühle ich mich an. Ich muss nirgendwo reinpassen.

Ihr besingt auf dem Album "Rebellen in Chanel". Was hat denn Coco Chanel mit eurer Musik zu tun?

Alina: Ich habe vor einigen Jahren eine Biografie über Coco Chanel zu lesen angefangen. Ihr Liebhaber hat immer gesagt "Always remember that you are a women" (Erinnere dich immer daran, dass du eine Frau bist, Anm. d. Red.). Ich habe mir den Satz tätowieren lassen (deutet auf ihren rechten Oberarm). Ich fasse das so auf, dass Frauen in einem so harten Männerbusiness, wie die Modebranche es zur damaligen Zeit war, ihre sensible Seite nicht über Bord werfen dürfen. Ich habe auch in meiner Branche oft das Gefühl, kämpfen und meine Frau stehen zu müssen. Und ich frage mich, wie man als Kämpferin seine Sensibilität erhalten kann.

Warum habt ihr in dem Musikvideo zum Song "Langsam" auf jegliche Kulisse und sogar auf Kleidung verzichtet?

Alina: Weil es für uns den Song am besten repräsentiert. Wir haben nach einer Visualisierung des Titels gesucht, die so klar wie möglich ist. Die Bilder tragen den Kern des Liedes einfach sehr gut. Für uns war das die Umsetzung, die sich richtig angefühlt hat. Ich bin sehr stolz darauf. 

Andreas: Wir haben geschaut, welche Geschichte wir erzählen wollen. Den Moment, in dem Alina dort sitzt und so klar und spürbar ist, hätte jedes Beiwerk nicht getragen. Deswegen bin ich genauso stolz auf das Video, auch wenn ich nicht darin vorkomme.

Alina und Andreas bilden den Kern von Frida Gold.
Alina und Andreas bilden den Kern von Frida Gold.(Foto: Mischa Meyer)

Es gibt zahlreiche negative Stimmen zum "Langsam"-Video und den Vorwurf, Alina würde mit ihrer Nacktheit für mehr Werbung sorgen wollen. Was entgegnet ihr euren Kritikern?

Andreas: Wir haben in der Gesellschaft einen unnatürlichen Umgang mit Nacktheit, denn wir sind ständig angezogen. Das Weglassen der Mauern sind wir gar nicht mehr gewohnt. Manche Leute bekommen durch eine solche Nacktheit gespiegelt, dass sie nicht damit umgehen können, weil es ihnen zu nahe geht. Aber diejenigen, die sich schon immer auf Frida Gold eingelassen haben, fühlen sich auf einer positiven Ebene angesprochen. Die sehen keine nackte Frau oder kein Marketing, sondern jemanden, der sich öffnet und den Song bildsprachlich lebendig werden lässt.

Alina: Ich verspüre überhaupt keinen Drang, etwas zu entgegnen. Im Video ist etwas sehr Ehrliches entstanden und entweder nimmt man das an oder lehnt es ab. Wir hatten in der Vergangenheit häufiger Momente, in denen wir uns erklärt haben. Aber dieser Song und der Clip erklären sich von selbst.

Einer der neuen Songs heißt "Ich hab Angst". Gibt es etwas, dass euch persönlich Angst macht?

Alina: Ich bin generell ein ängstlicher Mensch. Auf der einen Seite bin ich mutig und habe den Drang, Grenzen auszutesten. Auf der anderen Seite habe ich immer die Angst, nicht zu genügen. Ich habe in der Vergangenheit oft nicht den Weg aus der Angst gefunden. Aber durch solche Songs kann ich das zugeben und es damit auch zulassen. Ich bin mit vielen Dingen überfordert: Ich weiß zum Beispiel nicht, wie ich mich im Fernsehen verhalten soll, wenn es kein Gegenüber gibt. Ich fühle mich dann beobachtet und das macht mir Angst. Aber ich gebe der Angst die Hand und akzeptiere das.

Wenn ihr auf der Bühne steht, gibt es doch aber auch kein direktes Gegenüber.

Alina: Das empfinde ich anders. Was bei einem Konzert entsteht, resultiert daraus, dass ich mich öffne und dass sich das Publikum öffnet. Dort gibt es einen Kontakt und einen Austausch zwischen mir und den Zuhörern. Es lebt von beiden Seiten und das ist ein gutes Gefühl.

Mit Frida Gold sprach Lisa Schwesig.

"Alina" bei Amazon bestellen oder auf iTunes downloaden.

 

Quelle: n-tv.de